Rosa Kamm und die „Herren Abgeordneten“

Rosa Kamm (Foto: pri­vat)

Vor 75 Jah­ren ka­men im Fest­saal des Furt­bach­hau­ses in Stutt­gart 100 Ab­ge­ord­nete aus Nord-Würt­tem­berg und ‑Ba­den zu­sam­men, um der Be­völ­ke­rung nach dem Zwei­ten Welt­krieg eine neue Ver­fas­sung zu ge­ben. Un­ter ih­nen war auch Rosa Kamm aus Schorn­dorf, als eine von ins­ge­samt 7 Frauen in die­sem Gre­mium.

Ihr Mann, Gott­lob Kamm, war eben­falls in diese Ver­fas­sungs­ge­bende Lan­des­ver­samm­lung ge­wählt wor­den, wie auch der ge­bür­tige Schorn­dor­fer Rein­hold Maier, den die ame­ri­ka­ni­sche Mi­li­tär­re­gie­rung we­nige Mo­nate zu­vor zum Mi­nis­ter­prä­si­den­ten der Über­gangs­re­gie­rung be­stimmt hat­ten. Die­ser gab in den Sit­zun­gen hin und wie­der eine Re­gie­rungs­er­klä­rung ab, wo­bei ihm die an­we­sen­den Frauen kei­ner Er­wäh­nung wert zu sein schie­nen, wenn er etwa sagte: „Zur Cha­rak­te­ri­sie­rung der Si­tua­tion möchte ich den Her­ren Ab­ge­ord­ne­ten da­von Mit­tei­lung ge­ben,…“ oder „Die Her­ren Ab­ge­ord­ne­ten müs­sen sich im kla­ren dar­über sein, dass…“.

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Reinhold Maier freigesprochen

Seine Zu­stim­mung zum Er­mäch­ti­gungs­ge­setz anno 1933 holte Rein­hold Maier, den Schorn­dor­fer, im Ja­nuar 1947 ein, als er be­reits Mi­nis­ter­prä­si­dent des Lan­des Würt­tem­berg-Ba­den war. Franz Karl Maier, sei­nes Zei­chens Ju­rist und Her­aus­ge­ber der „Stutt­gar­ter Zei­tung“, sah in Rein­hold Mai­ers Ver­hal­ten da­mals so­wohl ei­nen Wort­bruch ge­gen­über sei­nen Wäh­lern, als auch Hoch­ver­rat an der Wei­ma­rer Ver­fas­sung.

Gott­lob Kamm, der – eben­falls aus Schorn­dorf stam­mende – Ent­na­zi­fi­zie­rungs­mi­nis­ter, wer­tete Rein­hold Mai­ers Zu­stim­mung zwar auch als po­li­ti­schen Irr­tum und Feig­heit, meinte je­doch, der Jour­na­list wolle mit die­ser An­klage le­dig­lich die Auf­lage sei­nes „Käs­blätt­les“ er­hö­hen. Ne­ben Rein­hold Maier sa­ßen sechs wei­tere Män­ner im Land­tag von Würt­tem­berg-Ba­den, die eben­falls da­mals der Er­mäch­ti­gung Hit­lers zu­ge­stimmt hat­ten.

Die Kom­mu­nis­ten im Land­tag mo­nier­ten: „Da wun­dern sich Zehn­tau­sende von Men­schen über den Vor­wurf, Mit­läu­fer ge­we­sen zu sein, wäh­rend auf der an­de­ren Seite füh­rende po­li­ti­sche Funk­tio­näre ihre Zu­stim­mung zum Er­mäch­ti­gungs­ge­setz als harm­los hin­stel­len woll­ten.“

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„Weimar ist überall“

Bür­ge­rIn­nen, die in Sorge um die Un­ab­hän­gig­keit von Rich­tern und Rechts­spre­chung in un­se­rem Land sind, ha­ben heute vor dem hie­si­gen Amts­ge­richt weiße Ro­sen ab­ge­legt. Sie be­tei­lig­ten sich da­mit an ei­ner deutsch­land­wei­ten Pro­test-Ak­tion ge­gen das Vor­ge­hen der Po­li­tik ge­gen­über ei­nem Wei­ma­rer Rich­ter.

Die­ser hatte An­fang April in ei­nem Ur­teil be­fun­den, dass das Tra­gen von Mas­ken für Kin­der als Ge­fähr­dung des Kin­des­wohls an­zu­se­hen ist. Im In­ter­net­ma­ga­zin „Tichys Ein­blick“ wird das Ur­teil als “vor­bild­li­che Recht­spre­chung” ge­lobt. Das Thü­rin­gi­sche Jus­tiz­mi­nis­te­rium ord­nete bei dem Rich­ter vor we­ni­gen Ta­gen eine Haus­durch­su­chung an. Ju­ris­ten und Ju­ris­tin­nen sind ent­setzt über die­ses Vor­ge­hen und rie­fen zu die­ser So­li­da­ri­täts­be­kun­dung auf.

Auf bei­geleg­ten klei­nen Pla­ka­ten vor dem Schorn­dor­fer Amts­ge­richt im Burg­schloss steht un­ter an­de­rem: „Wei­mar ist über­all“, „Hier ruht die Ge­wal­ten­tei­lung“, „Wir ver­nei­gen uns vor dem Mut des Fa­mi­li­en­rich­ters von Wei­mar“ oder auch: „Wer die Frei­heit auf­gibt, um Si­cher­heit zu ge­win­nen, wird am Ende bei­des ver­lie­ren.“

Firma Stihl gegen Lärm

Un­ter dem Motto „Im­mer noch zu laut!?“ fin­det mor­gen zum 24. Mal der Tag ge­gen Lärm, der in­ter­na­tio­nale „Noise Awa­reness Day“ statt. Sen­si­bi­li­sie­rung für Lärm und seine Wir­kun­gen sind Ziel die­ser Ak­tion, die seit 1998 von der Deut­schen Ge­sell­schaft für Akus­tik (DEGA) aus­ge­rich­tet wird.

In der mor­gi­gen On­line-Ver­an­stal­tung der DEGA ste­hen ab 13.30 Uhr Ge­räusch-Emis­sio­nen von elek­tri­schen Ge­rä­ten, die im Freien ein­ge­setzt wer­den, auf dem Pro­gramm. Un­ter an­de­rem re­fe­riert dort Tho­mas Haag von der Firma Stihl über die „Ent­wick­lung von lei­sen Pro­duk­ten für den ur­ba­nen Be­reich“. Wei­tere Bei­träge sind „Neue An­sätze, Psy­cho­akus­tik in die Be­ur­tei­lung der Be­läs­ti­gungs­wir­kung von Elek­tro­fahr­zeuge ein­zu­be­zie­hen“ oder auch der Stand zum Thema Bau­lärm, durch Re­gina Hein­ecke-Schmitt vom Säch­si­schen Um­welt­mi­nis­te­rium, mit an­schlie­ßen­der Dis­kus­sion.

Die Ver­an­stal­tung ist kos­ten­frei. Ab ca. 13.15 Uhr wird der Zu­gangs­link frei­ge­schal­tet.

Reinhold Maiers Erklärung 1933

Aus ak­tu­el­lem An­lass sei heute an Rein­hold Maier er­in­nert, den aus Schorn­dorf stam­men­den ers­ten Mi­nis­ter­prä­si­den­ten von Würt­tem­berg-Ba­den. Seit 1918 war er Mit­glied der links­li­be­ra­len Deut­schen De­mo­kra­ti­schen Par­tei DDP, ab 1932 Ab­ge­ord­ne­ter im Reichs­tag. Dort stimmte er am 23. März 1933 für das Er­mäch­ti­gungs­ge­setz der Re­gie­rung. Hier seine Er­klä­rung dazu im Wort­laut:

„Das deut­sche Volk hat am 5. März eine ab­so­lute Mehr­heit der Rech­ten in den Reichs­tag ge­wählt und da­mit sei­nen Wil­len be­kun­det, die Füh­rung sei­nes Staa­tes der ge­gen­wär­ti­gen Re­gie­rung an­zu­ver­trauen. Wir hof­fen und wün­schen, dass das deut­sche Volk un­ter der jet­zi­gen Lei­tung sei­nen seit vier­zehn Jah­ren zäh und op­fer­voll ge­führ­ten Kampf um Frei­heit und Wie­der­erstar­ken der deut­schen Na­tion er­folg­reich zu Ende brin­gen möge. 

Wir füh­len uns in den gro­ßen na­tio­na­len Zie­len durch­aus mit der Auf­fas­sung ver­bun­den, wie sie heute vom Herrn Reichs­kanz­ler hier vor­ge­tra­gen wur­den. Wir leug­nen auch kei­nes­wegs, dass Not­zei­ten be­son­dere Maß­nah­men er­for­dern, und ha­ben des­we­gen wie­der­holt Er­mäch­ti­gungs­ge­set­zen und Not­ver­ord­nun­gen zu­ge­stimmt.

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Dagmar Heilsberg berichtet aus Florida

Dag­mar Heils­berg saß in den 70er-Jah­ren für die SPD im Ge­mein­de­rat von Schorn­dorf. Bis 2010 war sie Re­gio­nal­ge­schäfts­füh­re­rin der SPD Ba­den-Würt­tem­berg. Ih­ren Ru­he­stand ver­bringt sie den Win­ter über an ih­rem Zweit­wohn­sitz in Flo­rida. Hier schreibt sie, wie das Le­ben ohne Lock­down dort aus­sieht:

„Ich habe die erste Imp­fung mit Pfi­zer. Hurra! Die zweite werde ich am 7. April be­kom­men. Das ging ganz fix und wurde von der Feu­er­wehr in ei­nem Thea­ter ab­ge­wi­ckelt. Be­glei­tet von gu­ter Stim­mung und wit­zi­gen Kom­men­ta­ren. Ich kenne nur ein paar von den Al­ten, die sich noch nicht ha­ben imp­fen las­sen, weil sie auf den Impf­stoff von „John­son und John­son“ war­ten (den muss man nur ein­mal imp­fen). An­sons­ten geht das nun auch bei den un­ter 65-Jäh­ri­gen sehr schnell mit den Impf­ter­mi­nen. Auch Dro­ge­rien und ein Su­per­markt imp­fen.

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„Smart City“ könnte Demokratie ersetzen

Am Don­ners­tag soll der Ge­mein­de­rat dem Vor­schlag der Ver­wal­tung zu­stim­men, dass Schorn­dorf sich als Mo­dell­kom­mune für das Pro­jekt „Smart Ci­ties 2021“ be­wirbt. Die Idee der „Smart City“ kommt aus dem In­nen- und Hei­mat­mi­nis­te­rium des Bun­des. In der Charta dazu wird das Ziel be­schrie­ben, näm­lich di­gi­tale Tech­nik „in­tel­li­gent“ im öf­fent­li­chen Le­ben der Stadt ein­zu­set­zen. Dar­un­ter aber auch als „Vi­sio­nen ei­nes hy­per­ver­netz­ten Pla­ne­ten“ auf Seite 43: „Da wir ge­nau wis­sen, was Leute tun und möch­ten, gibt es we­ni­ger Be­darf an Wah­len, Mehr­heits­fin­dun­gen oder Ab­stim­mun­gen. Ver­hal­tens­be­zo­gene Da­ten kön­nen De­mo­kra­tie als das ge­sell­schaft­li­che Feed­back­sys­tem er­set­zen.“

Der Ver­ein „Di­gi­tal­cou­rage“ sieht in dem Pro­jekt Ge­fah­ren für die Selbst­be­stim­mung der Men­schen, und hat es da­her mit dem „Big-Bro­ther-Award“ aus­ge­zeich­net. In sei­ner Be­grün­dung heißt es: „Der Be­griff ‚Smart City‘ ist eine schil­lernd-bunte Wun­der­tüte – er ver­spricht al­len das, was sie hö­ren wol­len: In­no­va­tion und mo­der­nes Stadt­mar­ke­ting, ef­fi­zi­ente Ver­wal­tung und Bür­ger­be­tei­li­gung, Nach­hal­tig­keit und Kli­ma­schutz, Si­cher­heit und Be­quem­lich­keit, für Au­tos grüne Welle und im­mer ei­nen freier Park­platz.“ – Tat­säch­lich ver­berge sich da­hin­ter aber die Er­rich­tung um­fas­sen­der Über­wach­ungs­strukturen.

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„Der kleine grüne Kakapo“ – ein Herzensprojekt

Au­torin Sa­bine Layh
(Foto: M. Sig­mund)

Die ge­bür­tige Schorn­dor­fe­rin Sa­bine Layh hat ein Kin­der­buch ge­schrie­ben. Haupt­dar­stel­ler ist ein sel­te­ner Vo­gel, der Ka­kapo, der tat­säch­lich un­ter die­sem Na­men exis­tiert. „Als ich vor vier Jah­ren eine Do­ku­men­ta­tion über Neu­see­land sah, habe ich mich so­fort in die­sen pum­me­li­gen, flug­un­fä­hi­gen ‚Ver­lie­rer­ty­pen‘ ver­liebt“, er­klärt sie. „In Zei­ten über­bor­den­der Selb­st­op­ti­mie­rung hat mich die­ser un­voll­kom­mene Vo­gel, der trotz­dem so treu­her­zig und ver­trau­ens­voll in die Welt blickt, sehr ge­rührt.“

Ein Kin­der­buch zu schrei­ben, war schon lange ein Traum der ge­lern­ten Gra­fi­ke­rin. Seit vie­len Jah­ren ist sie an den Schau­spiel­büh­nen in Stutt­gart für die Öf­fent­lich­keits­ar­beit ver­ant­wort­lich. Nach der In­spi­ra­tion durch den Fern­seh­be­richt nahm ihr Her­zens­pro­jekt Form an. Zu­sam­men mit Dirk Wa­an­ders ent­wi­ckelte sie die Idee. Der Haupt­teil der Schreib­ar­beit lag in ih­ren Hän­den. Her­aus­ge­kom­men ist ein „Kin­der­buch mit Witz und Poe­sie“. Die lie­be­vol­len Il­lus­tra­tio­nen stam­men von Kal­liopi Fous­kas – eben­falls eine echte Schorn­dor­fe­rin.

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Zum Internationalen Frauentag

Louise Otto Pe­ters

Schon in der März­re­vo­lu­tion 1848 gab es Frauen, die sich für die Rechte ih­rer Ge­schlechts­ge­nos­sin­nen ein­setz­ten. Eine her­aus­ra­gende un­ter ih­nen ist Louise Otto, die 1819 als vierte Toch­ter des Ge­richts­di­rek­tors Fürch­te­gott Wil­helm Otto und sei­ner Ehe­frau Char­lotte in Mei­ßen ge­bo­ren wurde. Ihr Va­ter war zeit­weise auch Se­na­tor die­ser Stadt. Auf den zwei­fel­haf­ten Ruhm, dass ein Ge­setz nach ihr be­nannt wurde, hätte Louise Otto si­cher­lich gern ver­zich­tet.

Im Al­ter von 30 Jah­ren grün­dete sie 1849 die „Frauen-Zei­tung“ und war so­mit Her­aus­ge­be­rin der ers­ten deut­schen Pu­bli­ka­tion die­ser Art. Ihr En­ga­ge­ment miss­fiel den herr­schen­den Po­li­ti­kern, die dar­auf­hin die Zen­sur­be­hörde ein­schal­te­ten. Im Jahr 1850 wurde dann das säch­si­sche Pres­se­ge­setz um ei­nen Pa­ra­gra­phen er­wei­tert, der es Frauen un­ter­sagte, eine Zei­tung her­aus­zu­ge­ben. Da Louise Otto die ein­zige Frau in ganz Sach­sen war, auf die das zu­traf, ging die­ses Ge­setz als „Lex Otto“ in die Ge­schichte ein.

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