Rätsel am Maibaum

Kurz­mel­dung
Warum hängt Ur­bachs Fahne im Schorn­dor­fer Mai­baum? Ne­ben den Schil­dern der Schorn­dor­fer Orts­teile und Part­ner­städte ist deut­lich sicht­bar die Fahne des Nach­bar­or­tes Ur­bach zu se­hen. Sollte es dort Men­schen ge­ben, die gern in un­sere Stadt ein­ge­mein­det wer­den wol­len?

Viel­leicht will auch je­mand nur, dass die Her­kunft der Tanne an der Spitze ge­büh­rend ge­wür­digt wird. Laut Ta­ges­zei­tung war sie im Hegnau­hof ge­fällt wor­den, der zu Ur­bach ge­hört. Oder sol­len wir zum Nach­den­ken an­ge­regt wer­den: Warum stammt diese Fichte aus dem Nach­bar­ort? Sind im hei­mi­schen Wald alle Fich­ten be­reits ab­ge­holzt? Oder müs­sen diese ins Aus­land ver­kauft wer­den, um mit den Er­lö­sen den städ­ti­schen Haus­halt zu sa­nie­ren?

Zum Ur­sprung der Tra­di­tion des Mai­baum-Auf­stel­lens äu­ßert sich üb­ri­gens der Kul­tur­anthro­po­loge Wolf-Die­ter Storl ganz un­miss­ver­ständ­lich: Der 1. Mai sei „ein Fest des Früh­lings, der Frucht­bar­keit und der Le­bens­freude“. Aus die­sem Grund werde der Mai­baum im Dorf „wie ein rie­si­ger Phal­lus“ auf­ge­stellt, des­sen Spitze ei­nen Blü­ten­kranz durch­stößt.

April! April!

Kurz­mel­dung
Die gest­rige Mel­dung über das Pro­jekt „Scho kor­rekt“ war ein April­scherz. Sämt­li­che An­ga­ben und Zi­tate darin sind aus­nahms­los frei er­fun­den, Ähn­lich­kei­ten zu an­de­ren kommunalpoliti­schen Vor­gän­gen rein zu­fäl­lig be­ab­sich­tigt.

Im vo­ri­gen Jahr hatte das „Schorn­dor­fer On­line-Blatt“ als April-Scherz die Kan­di­da­tur von Bri­gitte Al­din­ger zur Wahl des neuen Stadt­ober­haupts ver­kün­det. Nach­dem diese, wie sie sagt, dar­auf­hin sehr viel Zu­spruch er­hielt, ent­schloss sie sich, tat­säch­lich zu kan­di­die­ren.

Seien wir also ge­spannt, was mit dem Pro­jekt „Scho kor­rekt“ noch pas­sie­ren wird.

Bücherei-Bau soll beschlossen werden

Kurz­mel­dung
Nächste Wo­che soll der Ge­mein­de­rat dem Bau der neuen Stadt­bü­che­rei am Ar­chiv­platz zu­stim­men, und zwar zum „ga­ran­tier­ten Ma­xi­mal­preis“ in Höhe von 8, 5 Mil­lio­nen Euro, wie im An­trag der Ver­wal­tung steht. Der „Ge­samt­auf­wand“ al­lein für die Bau­kos­ten wird frei­lich auf Seite 6 in der Be­schluss­vor­lage mit 10,25 Mil­lio­nen Euro be­zif­fert, näm­lich „inkl. Si­cher­heits­puf­fer für Un­vor­her­ge­se­he­nes“. Vor sechs Jah­ren hatte der Kos­ten­de­ckel für das Pro­jekt noch bei 6 Mil­lio­nen Euro ge­le­gen. Das Ar­chi­tek­ten­büro Ip­po­lito Fleitz reichte dar­auf­hin ei­nen Ent­wurf ein, der be­reits 7 Mil­lio­nen Euro kos­ten sollte, und der vom Ge­mein­de­rat er­ko­ren wurde.

Die Ver­wal­tung rech­net mit Zu­schüs­sen in Höhe von 5,28 Mil­lio­nen Euro aus dem För­der­topf „West­stadt II“, die vom Land Ba­den-Würt­tem­berg „in Aus­sicht ge­stellt“ seien. Die Schorn­dor­fer Firma Schatz soll als Ge­ne­ral­über­neh­mer mit der Durch­füh­rung des Pro­jekts be­auf­tragt wer­den. Das Thema Bü­che­rei-Neu­bau steht in der Ge­mein­de­rats­sit­zung am Don­ners­tag, 7. April, als Punkt 8 von ins­ge­samt 10 auf der Ta­ges­ord­nung.

Auf die Frage „Be­stehen Aus­wir­kun­gen auf das Klima?“ wird in der Sit­zungs­vor­lage an­ge­ge­ben: „Ge­ring­fü­gige Aus­wir­kun­gen“ beim ge­plan­ten Be­ton-An­bau „durch zu­sätz­li­chen Flä­chen­ver­brauch und Ge­bäu­de­her­stel­lung“ – ohne dass da­bei auch die bei­den Bäume, die des­halb dort ge­fällt wer­den müs­sen, an­ge­führt sind. Diese „ne­ga­ti­ven Aus­wir­kun­gen auf das Klima“ wolle man aus­glei­chen „durch Ver­wen­dung von nach­hal­ti­gen und/​oder re­cy­cel­ten Bau­ma­te­ria­lien“.

Erinnerungen an „die Christel“

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Silke Sci­voli weiß noch gut, wie es bei den Dreh­ar­bei­ten des SDR in der „Be­cka-Kurze“ im Jahr 1986 war. Sie ar­bei­tete da­mals in der Kü­che mit Ha­rald Schaale zu­sam­men. Jetzt schrieb sie mir: „Was hat­ten wir ei­nen Spaß, die Fern­seh­leute zu är­gern, weil die so ar­ro­gant wa­ren!“ Ganz kon­kret: „Ha­rald hatte eine heiße Pfanne in die Spüle ge­wor­fen und der ganze Dampf zog auf die Het­zel­gasse, wo sie ge­rade dreh­ten. – Gut, wir muss­ten dann das Fens­ter schlie­ßen und den Roll­la­den auch. Aber lus­tig war es!“ Sie er­in­nere sich gerne an diese Zeit: „Un­ser Team war spitze!“

Als Chris­tel Lan­gen­bach im Som­mer 1998 ihre Wirt­schaft schloss, schrieb ihr der da­ma­lige Ober­bür­ger­meis­ter, Win­fried Küb­ler: „Mit Weh­mut sehe ich Sie aus Schorn­dorf schei­den.“ Es sei ihm ein An­lie­gen, ihr „für al­les herz­lich zu dan­ken, was Sie für den gu­ten Ruf un­se­rer Stadt, de­ren Gast­lich­keit und idyl­li­schen Reiz mit Ih­rem Wirt­schäftle ge­tan“ habe. Zum Ab­schied über­reichte er ihr ein Schorn­dor­fer Wein­krügle – in dem sie ihre „Trän­chen der Weh­mut“ sam­meln könne, wenn sie an die al­ten Zei­ten denke. „Be­stim­mend für Ihr wei­te­res Le­ben soll aber der Froh­sinn sein, mit dem Sie sich selbst stets be­glück­ten und Ihre Gäste daran teil­ha­ben lie­ßen.“

Wer sich an ent­spre­chende An­ek­do­ten, nette Be­ge­ben­hei­ten oder Er­leb­nisse mit Chris­tel und in der „Be­cka-Kurze“ er­in­nert: Schrei­ben Sie an ! Ich ver­öf­fent­li­che diese gerne, um sie so­wohl mit an­de­ren zu tei­len, als auch, um da­mit die Er­in­ne­run­gen an „die Chris­tel“ le­ben­dig zu hal­ten.

Kritik als nützliche Information verstehen

Kurz­mel­dung
Be­vor Stadt­rä­tin Sa­bine Bren­nen­stuhl (FDP/​FW) am Diens­tag­abend Bernd Hornikel als OB von Schorn­dorf ver­ei­digte, zeigte sie Karl Pop­pers 12 Re­geln zur Kom­mu­ni­ka­tion als Vor­schlag für die künf­tige Ge­sprächs­kul­tur im Ge­mein­de­rat auf. „Zum Recht aus­re­den zu dür­fen, ge­hört die Pflicht, sich kurz zu fas­sen“, ist eine da­von. Eine an­dere: „Je­der soll im Vor­aus sa­gen, un­ter wel­chen Um­stän­den er be­reit wäre, sich über­zeu­gen zu las­sen.“

Sie er­klärte in ih­rer Rede: „Wer nicht be­reit ist, seine Mei­nung in Frage stel­len zu las­sen und alte Über­zeu­gun­gen auf­zu­ge­ben, braucht nicht zu dis­ku­tie­ren.“ Dazu hält der Phi­lo­soph Pop­per für un­ab­ding­bar: „Wer an­dere zu ver­ste­hen sucht, dem soll nie­mand un­ter­stel­len, er bil­lige schon des­halb ihr Ver­hal­ten.“

Sa­bine Bren­nen­stuhl ist über­zeug: „Kri­tik als nütz­lich ver­stan­dene In­for­ma­tion macht von­ein­an­der Ler­nen erst mög­lich.“ Wich­tig da­bei, laut Pop­per: „Kri­tik muss im­mer kon­kret sein.“. Man solle sie nicht ab­leh­nen, son­dern so­gar su­chen. Und so rich­tete die Stadt­rä­tin an alle An­we­sen­den die „freund­li­che Bitte“, diese Ge­sprächs­re­geln künf­tig zu be­den­ken: „Ich ver­such es je­den­falls.“

Neuer Wirt in der „Harmonie“

Kurz­mel­dung
San­tino Ma­gno über­nimmt die Gast­stätte des Ge­sang­ver­eins „Har­mo­nie“ in der Mo­ser­straße. Bis Herbst 2021 hatte er das Schüt­zen­haus in Beu­tels­bach als Piz­ze­ria „Da San­tino“ be­trie­ben. Er ist ge­lern­ter Buch­hal­ter und kam 1987 nach Deutsch­land, wo er sei­nem Bru­der in des­sen Piz­ze­ria in Schwä­bisch Gmünd half, und wo, wie er sagt, seine Kar­riere in der Gas­tro­no­mie be­gann.

Der 57-Jäh­rige stammt aus Ka­la­brien, aus Al­to­monte, das zu den „schöns­ten Orte Ita­li­ens“ ge­hört und – ähn­lich wie Schorn­dorf – viel mit­tel­al­ter­li­ches Erbe in sich trägt. Im Jahr 1999 war Al­to­monte Grün­dungs­mit­glied der Be­we­gung „Ci­ttà­slow“. Diese hat sich zum Ziel ge­setzt, die Le­bens­qua­li­tät in ih­ren Städ­ten zu ver­bes­sern. Sie will ei­ner „Ver­ein­heit­li­chung und Ame­ri­ka­ni­sie­rung“ ent­ge­gen­wir­ken, in­dem man sich den je­weils un­ver­wech­sel­ba­ren Cha­rak­ter ei­ner Stadt be­wusst­macht, ihn als ei­ge­nen Wert er­kennt und be­tont.

San­tino Ma­gno will auch in der „Har­mo­nie“ vor al­lem ita­lie­ni­sche Kü­che an­bie­ten. Der Piz­zao­fen ist be­reits in­stal­liert. Deut­sche Klas­si­ker wie Schnit­zel sol­len aber auf der Spei­se­karte auch nicht feh­len. Wenn al­les klappt, will er noch Ende März er­öff­nen.

„Der Wächter“ ist umgekippt

Kurz­mel­dung
Nach­dem un­längst der groß­kopfete Daim­ler im Schloss­park von sei­nem So­ckel ge­stürzt wurde, ist jetzt auch das Kunst­werk „Der Wäch­ter“ in des­sen un­mit­tel­ba­rer Nähe um­ge­kippt. Es stammt von dem 1934 in Schorn­dorf ge­bo­re­nen Karl-Heinz Ei­sele.

Frie­der Stöckle schrieb dazu auf der Skulp­tu­ren-Seite des Kul­tur­fo­rums: „Ein Wäch­ter im Um­kreis des Burg­schlos­ses. Eine Kör­per-Kopf-Helme­xis­tenz, die mit der krie­ge­ri­schen his­to­ri­schen Rea­li­tät spielt und gleich­zei­tig an den »Wäch­ter in uns« ap­pel­liert: Seid auf der Hut! Seht euch vor! Be­dro­hun­gen lau­ern über­all…“

Informationen gegen Kriegsangst

Sahra Wa­gen­knecht (Foto: Ni­cole Teu­ber)

Kurz­mel­dung
Auf­fal­lend ge­häuft war am Sams­tag auf dem Markt in Ge­sprä­chen im­mer die glei­che Frage zu hö­ren: „Und: Gibt es Krieg?“ Ent­spre­chende Ängste stam­men aus den Me­dien, wie etwa der FAZ-Mel­dung: „Russ­land ist be­reit für ei­nen Krieg“.

Die Hin­ter­gründe des Streits um die Ukraine hat Sahra Wa­gen­knecht (MdB, Par­tei: „Die Linke“) in ih­rer Wo­chen­schau in 24 Mi­nu­ten er­klärt: Nach dem Fall der Mauer hatte sich die rus­si­sche Re­gie­rung mi­li­tä­risch aus dem Ge­biet der DDR zu­rück­ge­zo­gen. Im Ge­gen­zug habe die Nato ver­spro­chen, sich nicht wei­ter in Rich­tung Russ­land aus­zu­wei­ten. Die­ses Ver­spre­chen sei mitt­ler­weile mehr­fach ge­bro­chen wor­den. Jetzt strebe die Nato an, die Ukraine in ihr Bünd­nis zu zie­hen.

Wer sich mit ei­ner rein west­li­chen Dar­stel­lung der Vor­gän­gen dort nicht zu­frie­den ge­ben will, er­fährt über die deutsch­spra­chige Zei­tung „Rus­sia to­day“ (RT DE) die rus­si­sche Sicht­weise. Auch der Jour­na­list Bo­ris Reit­schus­ter, der lange Zeit in Russ­land lebte, hat sich mit die­sem Thema be­fasst. Des­glei­chen der Blog­ger Tho­mas Rö­per, der Über­set­zun­gen von Be­rich­ten rus­si­scher Me­dien ver­öf­fent­licht. Und der Frie­dens­for­scher Da­niele Gan­ser er­klärte be­reits 2014, wie die Nato via Me­dien die „Hei­mat­front“ auf ihre Ziele ein­stimme: „Den Geg­ner, in die­sem Fall Pu­tin, dä­mo­ni­sie­ren, Chaos schü­ren und die ei­gene Ge­walt ver­de­cken.“

Brigitte Aldinger deutlich vor Boris Palmer

Kurz­mel­dung
Nach­dem zur Ober­bür­ger­meis­ter­wahl in Waib­lin­gen mit Se­bas­tian Wolf nur ein ein­zi­ger Kan­di­dat an­ge­tre­ten war, ha­ben am Sonn­tag ins­ge­samt 290 Wäh­le­rIn­nen auf ih­rem Stimm­zet­tel eine Per­son in der freien Zeile ein­ge­tra­gen, die sie sich statt­des­sen als neues Stadt­ober­haupt wün­schen. Die meis­ten Stim­men er­hielt dort Bri­gitte Al­din­ger, die vo­ri­ges Jahr in Schorn­dorf bei der OB-Wahl kan­di­diert hatte und die auch zur Bun­des- und Land­tags­wahl 2021 für „die Ba­sis“ an­ge­tre­ten war.

Mit 26 der für sie ab­ge­ge­be­nen Stim­men lag die Schorn­dor­fe­rin vor dem seit­he­ri­gen Amts­in­ha­ber An­dreas Hesky, der 21 Stim­men er­hielt. Auf Platz 3 lan­dete mit 16 Stim­men SPD-Stadt­rat Urs Abe­lein und auf Platz 4 Tü­bin­gens OB Bo­ris Pal­mer. Er er­rang mit 14 Stim­men nur knapp mehr als die Hälfte von Al­din­gers Er­geb­nis.

Die 290 Ein­träge in der freien Zeile ent­spre­chen 3,6 Pro­zent al­ler ab­ge­ge­be­nen Stim­men bei der Waib­lin­ger OB-Wahl. Die Wahl­be­tei­li­gung be­trug 19,42 Pro­zent, d.h. nur 8.139 Bür­ge­rIn­nen hat­ten sich daran be­tei­ligt.

schoblatt.de