So entstehen Feindbilder

Gast­bei­trag von Eve Gi­deon
Wer Kriege, auch Bür­ger­kriege ver­mei­den will, der hört dem an­de­ren zu, ver­sucht zu ver­ste­hen, lässt Be­den­ken und Sor­gen zu Wort kom­men, nimmt ernst.

Wer je­doch Recht ha­ben will, zu den Gu­ten, den „Rich­ti­gen“ zäh­len, der schiebt den an­de­ren weg, in Ver­ur­tei­lungs­schub­la­den. So­fort. So kommt es, dass Men­schen sich ge­gen Men­schen het­zen las­sen. Im­mer wie­der.

Es ist er­schre­ckend, wie we­nig an­sprech­bar viele Men­schen sind, wenn ich er­klä­ren möchte, warum ich nicht „ge­impft“ bin. Was mir da ent­ge­gen­schlägt, ist we­der Re­spekt noch So­li­da­ri­tät als Mit­mensch, son­dern Ver­let­zen­des, Wut, Ab­wehr.

Mit ein­sei­ti­ger Be­richt­erstat­tung wer­den Ge­sell­schaf­ten ge­spal­ten. Die nicht so mit­spie­len, wie von oben ge­wünscht, wer­den über­hört, als böse, dumm und laut dar­ge­stellt. So ent­ste­hen Feind­bil­der, so ent­steht Hass, so ent­steht Krieg. Und im­mer gibt es ei­nige, die dar­aus ih­ren Vor­teil zie­hen.

Schön wäre es, wenn Men­schen ihr Ur­teil nicht z.B. der Zei­tung ent­neh­men, son­dern sich selbst und ei­gen­stän­dig ein Bild ma­chen, hin­schauen, zu­hö­ren. Es ist höchste Zeit, mit­ein­an­der zu re­den, uns wie­der als Men­schen zu be­geg­nen. So­li­da­risch. Mit Re­spekt.

Worte können scharfe Waffen sein

Gast­bei­trag von Mi­chael Go­mol­zig
„Zu­erst ver­roht die Spra­che, dann wird die Frei­heit an­ge­grif­fen“, be­haup­tet die Bür­ger­meis­te­rin Fehr­len in ih­rer Rede zum Volks­trau­er­tag. Es ist gut, dies an solch ei­nem Ge­denk­tag zu the­ma­ti­sie­ren. Nicht kor­rekt ist es, wenn diese Be­dro­hung grund­sätz­lich der rech­ten Ecke zu­ge­ord­net wird.

Ge­walt – auch sprach­li­che – ist keine Op­tion, egal, wo­her sie kommt. Es gibt keine „gute“ Ge­walt, etwa von Lin­ken. Und wenn man sieht, mit wel­chem Hass mo­men­tan auf die Un­ge­impf­ten ver­bal ein­ge­dro­schen wird, bloß, weil man sich auf der Seite der „Gu­ten“ wähnt, kann ei­nem wirk­lich angst und bange wer­den.

Da het­zen stu­dierte Men­schen ge­gen die nun ge­sell­schaft­lich Ge­äch­te­ten, weil sie sich be­droht füh­len. Da ti­tu­liert ein ehe­ma­li­ger Bun­des­prä­si­dent und Pas­tor Men­schen, die sich nicht imp­fen las­sen wol­len, als „Be­kloppte“. Da spricht der Welt­ärz­te­prä­si­dent von ei­ner „Ty­ran­nei“ der Men­schen, die nicht so spu­ren, wie er und die Ob­rig­keit es gerne hät­ten. Ganz ak­tu­ell schlägt auch die SPD Plü­der­hau­sen mit ei­ner An­zeige im ört­li­chen Mit­tei­lungs­blatt in die diese Kerbe.

„Worte kön­nen scharfe Waf­fen sein“ wei­ter­le­sen

„Wir sind für diese Zeiten gemacht“ – Teil IV

Gast­bei­trag von Cla­rissa Pin­kola Es­tés
Die Psy­cho­ana­ly­ti­ke­rin und „Can­ta­dora“ Cla­rissa Pin­kola Es­tés hat vo­ri­ges Jahr ei­nen Brief an eine junge Ak­ti­vis­tin ge­schrie­ben, der ebenso er­mu­ti­gend wie weg­wei­send ist. Nach Teil I,  Teil II und Teil III hier der Schluss­teil:

„Es ist uns nicht ge­ge­ben zu wis­sen, durch wel­che Ta­ten oder wel­che Per­son die kri­ti­sche Masse hin zu ei­nem dau­er­haft Gu­ten kippt. Was be­nö­tigt wird für ei­nen dras­ti­schen Wan­del, ist eine An­samm­lung von Ta­ten: hin­zu­fü­gend, dazu hin­zu­fü­gend, noch mehr hin­zu­fü­gend, un­ab­läs­sig. Wir wis­sen, dass es nicht „je­der­mann auf der gan­zen Welt“ braucht, um Ge­rech­tig­keit und Frie­den her­zu­stel­len, son­dern nur eine kleine, ent­schlos­sene Gruppe, die nicht auf­gibt beim ers­ten, nicht beim zwei­ten, nicht beim hun­derts­ten Sturm.

Eine der be­ru­hi­gends­ten und wir­kungs­volls­ten Maß­nah­men, mit der Du in eine stür­misch be­wegte Welt ein­grei­fen kannst, ist hin­ste­hen und Deine Seele zei­gen. Eine Seele an Deck leuch­tet wie Gold in dunk­len Zei­ten.

„„Wir sind für diese Zei­ten ge­macht“ – Teil IV“ wei­ter­le­sen

„Wir sind für diese Zeiten gemacht“ – Teil III

Gast­bei­trag von Cla­rissa Pin­kola Es­tés
Die Psy­cho­ana­ly­ti­ke­rin und „Can­ta­dora“ Cla­rissa Pin­kola Es­tés hat vo­ri­ges Jahr ei­nen Brief an eine junge Ak­ti­vis­tin ge­schrie­ben, der ebenso er­mu­ti­gend wie weg­wei­send ist. Nach Teil I und Teil II hier der vor­letzte Teil:

„Jede dunkle Zeit birgt die Ver­lo­ckung, in eine Ohn­macht zu sin­ken, um sich aus­zu­klin­ken aus ei­ner Welt, in der so viel falsch läuft oder re­pa­ra­tur­be­dürf­tig ist. Fo­kus­siere Dich nicht dar­auf. Mach Dich nicht selbst krank durch Über­for­de­rung. Es be­steht die Ge­fahr, Dich selbst zu schwä­chen, in­dem Du Dich auf et­was ver­steifst, was au­ßer­halb Dei­ner Mög­lich­kei­ten liegt, et­was, wo­für die Zeit noch nicht reif ist. Fo­kus­siere Dich nicht dar­auf. Denn das hieße, den Wind ver­strei­chen zu las­sen ohne Se­gel zu set­zen.

Wir wer­den ge­braucht. Das ist al­les, was wir wis­sen. Und ob­wohl wir da­bei auf Wi­der­stände sto­ßen, tref­fen wir in noch grö­ße­rem Um­fang auf große See­len, die uns freu­dig be­grü­ßen, die uns lie­ben und lei­ten, und wir wer­den sie in dem Mo­ment er­ken­nen, wenn sie in un­se­rem Le­ben auf­tau­chen.

„„Wir sind für diese Zei­ten ge­macht“ – Teil III“ wei­ter­le­sen

„Wir sind für diese Zeiten gemacht“ – Teil II

Gast­bei­trag von Cla­rissa Pin­kola Es­tés
Die Psy­cho­ana­ly­ti­ke­rin und „Can­ta­dora“ Cla­rissa Pin­kola Es­tés hat vo­ri­ges Jahr ei­nen Brief an eine junge Ak­ti­vis­tin ge­schrie­ben, der ebenso er­mu­ti­gend wie weg­wei­send ist. Nach Teil I hier die Fort­set­zung:

„Bli­cke hin­aus über Dei­nen Bug: Dort sind Mil­lio­nen recht­schaf­fe­ner See­len mit Dir zu­sam­men auf dem Was­ser. Tief in Dei­nen Kno­chen wuss­test Du im­mer schon, dass dem so ist.

Selbst wenn Deine Au­ßen­plan­ken in die­sem stür­mi­schen Auf­ruhr bei je­der Welle er­zit­tern, ver­si­chere ich Dir, dass die lan­gen Höl­zer, die Dei­nen Bug und Dein Ru­der­blatt bil­den, aus ei­nem sehr gro­ßen Wald kom­men. Die­ses lang­fa­se­rige Holz ist be­kannt da­für, dass es al­len Stür­men trotzt, zu­sam­men­hält, sich be­haup­tet und ste­tig wei­ter vor­an­kommt.

„„Wir sind für diese Zei­ten ge­macht“ – Teil II“ wei­ter­le­sen

„Wir sind für diese Zeiten gemacht“

Gast­bei­trag von Cla­rissa Pin­kola Es­tés
Die Psy­cho­ana­ly­ti­ke­rin und „Can­ta­dora“ Cla­rissa Pin­kola Es­tés hat vo­ri­ges Jahr ei­nen Brief an eine junge Ak­ti­vis­tin ge­schrie­ben, der ebenso er­mu­ti­gend wie weg­wei­send ist:

„Meine liebe Freun­din,
lass den Mut nicht sin­ken. Wir wur­den für diese Zei­ten ge­macht.

Ich habe die­ser Tage von so vie­len ge­hört, die zu­tiefst ver­wirrt sind. Sie ma­chen sich Sor­gen über den der­zei­ti­gen Stand der Dinge in un­se­rer Welt. Es stimmt, man muss wirk­lich starke „Eier“ und Ova­rios, „Ei­er­stö­cke“, ha­ben, um vie­les von dem, das in un­se­rer Kul­tur heut­zu­tage als „gut“ durch­geht, aus­zu­hal­ten. Völ­lige Miss­ach­tung des­sen, was die Seele als höchst wert­voll und un­er­setz­lich an­sieht, und die Kor­rup­tion grund­sätz­li­cher Ideale wur­den auf ei­ni­gen gro­ßen Büh­nen der Ge­sell­schaft zur „neuen Nor­ma­li­tät“, zur Gro­teske der Wo­che.

„„Wir sind für diese Zei­ten ge­macht““ wei­ter­le­sen

„Da läuft was schief“

Gast­bei­trag von Dr. Hen­drik Treu­gut
„Da läuft was schief bei der Co­rona-Be­wäl­ti­gung“, schreibt Pri­vat­do­zent Dr. Hen­drik Treu­gut, Chef­arzt der ra­dio­lo­gi­schen Ab­tei­lung des Kli­ni­kums Schwä­bisch Gmünd, und weist auf eine „Ver­sor­gungs­lü­cke“ hin: Zwi­schen PCR-Test und Imp­fung fehle ihm das Auf­zei­gen von The­ra­pien. Was­ser­stoff­per­oxid sei eine Mög­lich­keit, hoch­do­sier­tes Vit­amin C eine an­dere von et­li­chen mehr.

Diese The­ra­pien seien „ein He­bel, mit dem die ganze ge­fürch­tete Er­eig­nis­kette ‚In­fek­tion – sta­tio­näre Be­hand­lung – künst­li­che Be­atmung – evtl. Tod‘ fast an je­der Stelle be­en­det wer­den kann“. Es müsste gleich­wohl nicht auf Imp­fun­gen ver­zich­tet wer­den: „Als man den Air­bag er­fand, hat man ja auch nicht den Ret­tungs­dienst ab­ge­schafft.“

Angst und Pa­nik vor dem Vi­rus könn­ten durch Auf­zei­gen der The­ra­pie­mög­lich­kei­ten ver­rin­gert wer­den. Ein ge­stär­tes Im­mun­sys­tem ma­che nicht nur Lock­downs über­flüs­sig, son­dern wappne auch ge­gen alle Mu­tan­ten. Er plä­diert für ei­nen Pa­ra­dig­men­wech­sel in der Me­di­zin: für ein Men­schen­bild, das über die bio­lo­gisch fass­bare Ebene hin­aus­geht. So dass man etwa zu fra­gen be­ginne, wel­cher Sinn hin­ter ei­ner Krank­heit steckt, an­statt sie nur schnellst­mög­lich eli­mi­nie­ren zu wol­len.

Sein gan­zer Bei­trag ist hier zu le­sen.

Geist der Zerstörung

Gast­bei­trag von Eve Gi­deon
Seit ei­ni­ger Zeit sieht man ein Im­mo­bi­li­en­ban­ner vor dem prä­gnan­ten Fach­werk-Eck­haus an der Burg­straße ge­gen­über vom Kin­der­gar­ten. Hin­ter ei­nem der Fens­ter hängt ver­lo­ren und trau­rig ein Traum­fän­ger.

Jetzt zeigt sich ein eben­sol­ches Im­mo­bi­li­en­ban­ner auch an der Fas­sade des Stadt­bau­ern­hau­ses in der Ai­chen­bach­straße. Der letzte Be­woh­ner ist ver­mut­lich ge­stor­ben. Das Ban­ner über­deckt schon die Fens­ter. Das lie­be­voll ge­pflegte Haus wird si­cher – wie üb­lich in un­se­rer Stadt – ab­ge­ris­sen, das Grund­stück samt Gar­ten kom­plett über­baut. Ein wei­te­res Ge­klotze wird ent­ste­hen, ge­sichts­los, ge­schichts­los, Ge­winn brin­gend.

Es scheint mir, als habe über die Jahre ein al­les zer­stö­ren­der Ma­te­ria­lis­mus Her­zen und Hirne über­nom­men. Da ist kein Raum mehr für Ge­wach­se­nes und Lieb­ge­won­ne­nes, für Hei­mat und Ge­schichte, kein Platz mehr für Mensch­lich­keit und Re­spekt. Es gibt kein Be­dau­ern, keine Scham, kein Hal­ten, nur ei­nes: Wach­sen und Be­sit­zen, noch mehr und noch schnel­ler.

In un­se­rer einst lie­bens­wer­ten Stadt re­gie­ren Gier und Bag­ger­schau­fel, fres­sen sich im­mer wei­ter durch Win­kel und Stra­ßen, durch Wie­sen und Haine. Sie ge­ben Aus­kunft, welch dumpf-bru­ta­ler Zer­stö­rungs­geist herrscht. Fast ist es wie Krieg, nur lang­sa­mer.

Corona – Chance und grüne Herausforderung

Stadt­rä­tin Kirs­ten Katz

Gast­bei­trag
Mit die­ser Über­schrift hatte Stadt­rä­tin Kirs­ten Katz ei­nen Bei­trag ih­rer Grü­nen-Frak­tion ver­fasst, der für den 14. Ja­nuar in „Schorn­dorf ak­tu­ell“ vor­ge­se­hen war. Weil das Amts­blatt in der Wo­che zu­vor co­ro­nabe­dingt nicht er­schien, musste er ge­scho­ben wer­den.
Die Ru­brik, in der Stadt­rä­tIn­nen das Wort ha­ben, ent­fällt al­ler­dings we­gen der be­vor­ste­hen­den Land­tags­wahl ab so­fort. Da die­ser Bei­trag je­doch ak­tu­ell Be­zug nimmt auf die Haus­halts­rede des Ober­bür­ger­meis­ters, wird er er­satz­weise hier ver­öf­fent­licht:

„Der Sta­tus­be­richt Kom­mu­na­ler Kli­ma­schutz in BaWü zeigt: Bis­lang ha­ben nur 380 von 1.101 Kom­mu­nen ein kom­mu­na­les En­er­gie Ma­nage­ment ein­ge­führt. Auch Schorn­dorf hängt da weit hin­ter­her und lässt bis­lang ein ziel­ori­en­tier­tes und/​oder sys­te­ma­ti­sches Vor­ge­hen ver­mis­sen. Mit der von uns Grü­nen neu ge­for­der­ten Stab­stelle „Nach­hal­tige Stadt­ent­wick­lung, Kli­ma­schutz und Mo­bi­li­tät“ ist ein ers­ter wich­ti­ger Schritt ge­tan. Und jetzt macht der Ober­bür­ger­meis­ter in sei­ner Haus­halts­rede auch noch eine kli­ma­po­li­ti­sche Kehrt­wende.

„Co­rona – Chance und grüne Her­aus­for­de­rung“ wei­ter­le­sen
schoblatt.de