Dialog mit einem Plakat-Schänder

Glosse
Neu­lich sah ich nachts, wie ein jun­ger Mann sich am Un­te­ren Markt­platz an ei­nem Wahl­pla­kat zu schaf­fen machte. Ich sprach ihn an und fragte ihn, was er da tue.

Er: Diese Na­zis! Diese ver­damm­ten Na­zis! Weg da­mit!
Ich: Da steht aber AfD drauf.
Er: Die sind ja alle Na­zis.
Ich: Wo­her wis­sen Sie das?
Er: Das weiß man doch!
Ich: Aha.
Er: Das weiß doch je­der.
Ich: Wer denn zum Bei­spiel?
Er: Die Po­li­ti­ker,… äh,… Leute, die ich kenne,… äh…, äh. Alle eben.
Ich: Ha­ben Sie schon mal selbst mit ei­nem von der AfD ge­spro­chen?
Er (ent­rüs­tet): Mit so je­mand rede ich doch nicht!
Ich: Sie ver­las­sen sich also lie­ber auf das Ur­teil an­dere, als sich sel­ber eins zu bil­den?

„Dia­log mit ei­nem Pla­kat-Schän­der“ wei­ter­le­sen

Heiratsschwindler sind auch nur Menschen

Glosse
Die Po­li­zei warnt im­mer wie­der vor Men­schen, die uns um un­ser Geld brin­gen wol­len. Vor sol­chen, die sich zum Bei­spiel als Po­li­zis­ten aus­ge­ben, vor fal­schen En­keln oder Hei­rats­schwind­lern.

Mo­men­tan sind auf­fal­lend viele Män­ner un­ter­wegs, die uns Frauen mit Blu­men und schö­nen Worte um­gar­nen, die uns di­rekt aus dem Her­zen zu spre­chen schei­nen. Da ist von „Zu­hö­ren und Zu­trauen“ die Rede, von „Re­spekt für Dich“, von „Ge­mein­sam ma­chen“, von Liebe und Frei­heit, und dass sie uns nachts si­cher nach Hause brin­gen wol­len. Sie schen­ken uns Ro­sen und ihr ge­win­nends­tes Lä­cheln. Sie ver­mit­teln uns, dass sie Ver­ständ­nis ha­ben für all un­sere Sor­gen und Nöte.

Diese Men­schen wol­len uns nicht hei­ra­ten. Sie wol­len le­dig­lich un­sere Stimme bei der Bun­des­tags­wahl. Die an­ge­führ­ten Zi­tate stam­men von den Pla­ka­ten der Kan­di­da­ten. Auch wenn die Ähn­lich­keit mit Ver­spre­chen von Hei­rats­schwind­lern ver­blüf­fend ist, wol­len diese nichts an­de­res, als un­sere In­ter­es­sen im Par­la­ment ver­tre­ten. Auch wenn sie sich die­ses Amt fürst­lich ent­loh­nen las­sen. Von uns. Von un­se­ren Steu­er­gel­dern.

Da ist Vorsicht geboten!

Glosse
Aus Er­fah­rung wis­sen wir: Sätze, die mit dem Wort „Nie­mand“ be­gin­nen, sind ge­fähr­lich. Be­son­ders, wenn sie von Po­li­ti­kern kom­men. Da heißt es, wach­sam sein. Da wird’s meis­tens hin­ter­her sehr un­an­ge­nehm. Oder teuer. Oder bei­des. Sie er­in­nern sich: „Nie­mand hat die Ab­sicht, eine Mauer zu er­rich­ten“ – Wal­ter Ulb­richt 1961.

Für heute Abend, 17 Uhr, hat un­ser Ober­bür­ger­meis­ter die Be­woh­ne­rIn­nen der In­nen­stadt per Brief ein­ge­la­den zu ei­ner Vi­deo-Kon­fe­renz. Drei Stun­den lang. Thema ist die „Er­hö­hung der Auf­ent­halts­qua­li­tät“ rund um den Ar­chiv­platz. Wört­lich schreibt er: „Nie­mand kann die Lage vor Ort aus ei­ge­ner Er­fah­rung so gut ein­schät­zen wie die An­woh­ne­rin­nen und An­woh­ner.“ Klingt gut. Fängt aber mit „Nie­mand“ an. Da ist also höchste Vor­sicht ge­bo­ten, siehe oben.

„Da ist Vor­sicht ge­bo­ten!“ wei­ter­le­sen