Wer beleuchtet den Kirchturm?

„Die Be­leuch­tung des Kirch­turms ist Sa­che der Kir­chen­ge­meinde“, teilte die Rat­haus-Pres­se­stelle auf An­frage mit. Um En­er­gie zu spa­ren, wür­den sei­tens der Stadt le­dig­lich Stra­ßen­be­leuch­tun­gen re­du­ziert und die Fin­nen­bahn am Sport­park ab­ge­schal­tet. Die De­ka­nin der evan­ge­li­schen Kir­che, Dr. Ju­liane Baur, hin­ge­gen sagt, sie gehe da­von aus, dass die Kirch­turm­be­leuch­tung an die Stra­ßen­la­ter­nen ge­kop­pelt ist. Da­her habe es sie auch ver­wun­dert, als sie von ih­rem Som­mer­ur­laub zu­rück­kam und der Kirch­turm im­mer noch an­ge­strahlt war.

Eine er­neute An­frage im Rat­haus führte nach drei Ta­gen zu der Aus­kunft von Pres­se­spre­che­rin Clau­dia Lös­ler: „Die Be­leuch­tung der Stadt­kir­che läuft zur Hälfte über den Strom­ver­tei­ler der Stadt und zur Hälfte über den der Kir­che. Die Hälfte, die über die Stadt läuft, wird in Kürze ab­ge­schal­tet.“ De­ka­nin Baur ver­mu­tet, dass Lös­ler mit der an­de­ren Hälfte die Weih­nachts­be­leuch­tung meint, die in den Hän­den der Kir­che liege. Zur Klä­rung des The­mas habe sie vor, mit der Stadt­ver­wal­tung „zeit­nah ins Ge­spräch zu kom­men“.

Im Üb­ri­gen ist die Be­leuch­tung so­gar ver­bo­ten. Seit zwei Jah­ren. Im Juli 2020 be­schloss dies der Land­tag Ba­den-Würt­tem­bergs im neuen Na­tur­schutz­ge­setz – als Re­ak­tion auf das Volks­be­geh­ren „Ret­tet die Bie­nen“.

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„Peinliche Folgsamkeit“ ablegen

Det­lef Be­une er­klärt ak­tu­ell auf der Home­page der Schorn­dor­fer Frie­dens­in­itia­tive, warum er von der Re­gie­rung „das Ende des Wirt­schafts­krie­ges, der Hoch­rüs­tung und des Zu­stroms von im­mer mehr Waf­fen in Kriegs­ge­biete“ for­dert. „This war is not our war“ lau­tet die Über­schrift („Die­ser Krieg ist nicht un­ser Krieg“).

„Ge­rade in der ak­tu­el­len Si­tua­tion wäre es ex­trem wich­tig, den Weg der mitt­ler­weile schon pein­li­chen Folg­sam­keit ge­gen­über Wa­shing­ton zu ver­las­sen“, schreibt Be­une, um „end­lich da­mit an­zu­fan­gen, eine Po­li­tik im In­ter­esse der ei­ge­nen Be­völ­ke­rung vor­an­zu­trei­ben.“ Die er­folg­rei­che Ent­span­nungs­po­li­tik von Willy Brandt und Egon Bahr zeige, dass dies in der Pra­xis mög­lich sei.

Wich­tig ist Be­une, den An­griff Russ­lands auf die Ukraine ins Ver­hält­nis zu set­zen mit ebenso völ­ker­rechts­wid­ri­gen Krie­gen der NATO, wie etwa 1999 auf Ser­bien, 2001 auf Af­gha­ni­stan, 2003 auf den Irak oder 2011 auf Li­byen – ohne dass es da Sank­tio­nen ge­ge­ben habe. Denn „diese Dop­pel­mo­ral un­se­rer Re­gie­rung är­gert mich wirk­lich. Die­ses Nar­ra­tiv, dass wir die Gu­ten sind. Und die rus­si­sche Re­gie­rung und ins­be­son­dere Pu­tin, das sind die Bö­sen.“

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Wie eine Gemeinde Schulden vermeidet

Win­ter­bach ist eine von 96 Ge­mein­den in Ba­den-Würt­tem­berg, die von Ver­wal­tung und Ge­mein­de­rat schul­den­frei ge­hal­ten wur­den, wie das Sta­tis­ti­sche Lan­des­amt mit­teilt. Wir frag­ten Haupt­amts­lei­ter Mat­thias Kolb nach sei­nem Ge­heim­re­zept. Der lacht und sagt, dass es ein sol­ches nicht gebe, son­dern die Kom­mune „über viele Jahr­zehnte spar­sam ge­wirt­schaf­tet“ habe, und: „Dem Ge­mein­de­rat war es im­mer sehr wich­tig, dass man nicht über seine Ver­hält­nisse lebt.“ Dies sei et­was, das im Ort „von Ge­ne­ra­tion zu Ge­ne­ra­tion wei­ter­ge­ge­ben wird“, so­zu­sa­gen die „Win­ter­ba­cher Grund­sätze“. Dar­un­ter falle auch der Be­griff „Be­schei­den­heit“.

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Korruption im Rathaus? Melden!

An­fang 2021 wurde Dr. Jo­chen Bern­hard als Ver­trau­ens­an­walt be­stellt, um Hin­wei­sen auf Fälle von Kor­rup­tion in der Schorn­dor­fer Ver­wal­tung nach­zu­ge­hen. Bis heute musste er noch kein ein­zi­ges Mal ak­tiv wer­den.

Dar­aus ab­zu­lei­ten, dass im hie­si­gen Rat­haus al­les in bes­ter Ord­nung ist, könnte ein Trug­schluss sein. In Ber­lin wur­den al­lein für das Jahr 2014 ins­ge­samt 113 sol­cher Fälle re­gis­triert. Da­her be­steht die Mög­lich­keit, dass po­ten­ti­elle Hin­weis­ge­ber sich ent­we­der nicht mel­den aus Angst vor per­sön­li­chen Nach­tei­len, oder auch nicht ge­nau wis­sen, was al­les un­ter den Be­griff „Kor­rup­tion“ fällt. Oder ganz ba­nal: dass die Exis­tenz die­ses Ver­trau­ens­an­walts nicht be­kannt ist. Das kön­nen wir än­dern:

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Der OB fliegt nach Tuscaloosa

Am mor­gi­gen Mon­tag fliegt OB Hornikel in Schorn­dorfs US-Part­ner­stadt Tus­ca­loosa. An­lass ist die nach­ge­holte Feier zum 25-jäh­ri­gen Be­stehen die­ser Part­ner­schaft, die im Jahr 1996 be­grün­det wurde. Mit an Bord sind Hornik­els Le­bens­ge­fähr­tin Jil Rieth so­wie Fran­ziska Starz (Sach­ge­biets­lei­tung „Kom­mu­na­les und Re­prä­sen­ta­tio­nen“ im Rat­haus) so­wie als Ver­tre­ter des Ge­mein­de­rats die Vor­sit­zen­den der bei­den größ­ten Frak­tio­nen, Her­mann Beu­tel (CDU) und Tim Schopf (SPD).

Stadt­rä­tin Kirs­ten Katz (Grüne) kri­ti­siert die­ses Aus­wahl­kri­te­rium, weil da­durch nur Män­ner den Ge­mein­de­rat re­prä­sen­tier­ten. Zu­dem fragt sie sich, wie man im Rat­haus ei­ner­seits viele Steu­er­gel­der für den Kli­ma­schutz in­ves­tiert, aber an­de­rer­seits der CO2-Fuß­ab­druck ei­ner Flug­reise von über 7.000 km Länge keine Rolle zu spie­len scheine. Dass diese durch ein CO2-Zer­ti­fi­kat kom­pen­siert wird. hält sie für Au­gen­wi­sche­rei. Mit ih­rer Kri­tik steht sie nicht al­lein da.

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Artemisia-Bann aufgehoben

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart hat mit­tels Ver­gleich den Rechts­streit zwi­schen Land­rats­amt Rems-Murr und der Firma Tee­mana bei­gelegt. So­mit wird de­ren Ar­te­mi­sia-Wa­ren­la­ger am heu­ti­gen Mon­tag um 9.15 Uhr wie­der ge­öff­net, das vor drei Mo­na­ten po­li­zei­lich ver­sie­gelt wor­den war. Dr. Hans-Mar­tin Hirt, der Grün­der von Ana­med, be­trach­tet dies als Auf­for­de­rung, von nun  an „ge­mein­sam an ei­nem Strang zu zie­hen“ und zu ver­su­chen, „eine bes­sere Zu­kunft zu ge­stal­ten“. Als Sie­ger die­ses Pro­zes­ses sieht er „ein­deu­tig“ die Be­völ­ke­rung, „die nicht lo­cker ge­las­sen hat“, für die An­er­ken­nung der Heil­pflanze Ar­te­mi­sia an­nua ein­zu­tre­ten, und die ge­gen bü­ro­kra­ti­sche Hür­den („Zu­las­se­ri­tis“, s.u.) pro­tes­tierte.

Hier Dr. Hans-Mar­tin Hirts Pres­se­mit­tei­lung in vol­lem Wort­laut:

Was lange währt, näm­lich 3 Jahre lan­ger Rechts­streit in­klu­sive 3 Mo­nate lan­ger Ver­sie­ge­lung (ab dem 12.05.2022), hat ein gu­tes vor­läu­fi­ges Ende ge­fun­den.

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„Stimmenkönigin“ Ursel Kamps wird 80

Viel hat nicht ge­fehlt, und Ur­sel Kamps wäre Schorn­dorfs erste Ober­bür­ger­meis­te­rin ge­wor­den: 44,8 Pro­zent der Stim­men er­rang sie bei der OB-Wahl im Jahr 1998 ge­gen Amts­in­ha­ber Win­fried Kü­b­ler, der 53,4 Pro­zent be­kam. Be­acht­lich ist zu­dem, dass sie so­gar noch zwei Pro­zent­punkte mehr als Rein­hard Hanke acht Jahre zu­vor – so­gar sei­ner­seits mit dem Amts­in­ha­ber­bo­nus – ge­gen Kü­b­ler auf sich hatte ver­ei­ni­gen kön­nen.

Als Grund, warum sie da­mals über­haupt kan­di­dierte, nennt sie ih­ren Sohn Ma­rek, der ihr er­klärt hatte, die OB-Wahl man­gels Kan­di­da­ten­al­ter­na­tive boy­kot­tie­ren zu wol­len. Als Toch­ter aus ei­nem durch und durch po­li­ti­schen Haus war das für Ur­sel Kamps ein Un­ding.

Am 9. Au­gust 1942 kam Ur­sel Kamps in Schorn­dorf zur Welt. Ihre El­tern sind Rosa und Gott­lob Kamm, beide ak­tive So­zi­al­de­mo­kra­ten und sport­be­geis­tert. Ur­sels Ge­schwis­ter Ber­told, An­ne­liese und Wal­ter wa­ren zwi­schen 1926 und 1929 ge­bo­ren, sie selbst also deut­lich jün­ger als diese.

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Die SchoWo – „eine riesige Brust“

Am Frei­tag be­ginnt die SchoWo, un­ser 5‑tägiges Stadt­fest, das so man­cher zwei Jahre lang schmerz­lich ver­misst hat. Aber nicht alle. Ei­nen et­was an­de­ren Blick auf diese Art Ver­gnü­gung hat der So­zi­al­psy­cho­loge Erich Fromm be­reits 1956 for­mu­liert, als er er­klärte, der mo­derne Mensch kon­su­miere Spaß, um ein Ge­fühl von Angst und Un­si­cher­heit zu be­täu­ben, wes­halb Fromm sol­cher­lei Kon­sum­an­ge­bote wie „eine rie­sige Brust“ an­sieht, von der man sich die ent­spre­chende Be­frie­di­gung er­hoffe.

In sei­nem Best­sel­ler „Die Kunst des Lie­bens“ schreibt er: „Der mo­derne Mensch ist sich selbst, sei­nen Mit­men­schen und der Na­tur ent­frem­det. Er hat sich in eine Ge­brauchs­ware ver­wan­delt und er­lebt seine Le­bens­kräfte als Ka­pi­tal­an­lage, die ihm un­ter den je­weils ge­ge­be­nen Markt­be­din­gun­gen den größt­mög­li­chen Pro­fit ein­zu­brin­gen hat. Die mensch­li­chen Be­zie­hun­gen sind im We­sent­li­chen die von ent­frem­de­ten Au­to­ma­ten.

Je­der glaubt sich dann in Si­cher­heit, wenn er mög­lichst dicht bei der Herde bleibt und sich in sei­nem Den­ken, Füh­len und Han­deln nicht von den an­de­ren un­ter­schei­det. Wäh­rend aber je­der ver­sucht, den üb­ri­gen so nahe wie mög­lich zu sein, bleibt er doch völ­lig al­lein und hat ein tie­fes Ge­fühl der Un­si­cher­heit, Angst und Schuld, wie es im­mer dann ent­steht, wenn der Mensch sein Ge­trennt­sein nicht zu über­win­den ver­mag.

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Fassadengrün: Wein oder Gemüse?

Ein Bei­spiel für Kli­ma­schutz durch Fas­sa­den­be­grü­nung ist das Haus der Fa­mi­lie Kieß am Och­sen­berg, di­rekt am Ein­gang zum Schloss­park. Dort hat sich seit Jah­ren ein wil­der Wein über die ge­samte Haus­front aus­ge­brei­tet und schützt sie im Som­mer da­vor, sich zu sehr auf­zu­hei­zen. Im In­ne­ren des Hau­ses steige die Tem­pe­ra­tur nie hö­her als 25 Grad, sagt Cor­ne­lia Kieß.

Eine an­dere Idee für mehr Grün in der Stadt kennt Cor­ne­lia Kieß aus Hann. Mün­den in Nie­der­sach­sen. Dort be­gann die Ver­wal­tung im Jahr 2015 „amt­lich an­er­kannte Blüh­stel­len“ in der Stadt aus­zu­wei­sen. Das sind kleine Fleck­chen di­rekt an Haus­wän­den in der Stadt, wo das Pflas­ter auf­ge­bro­chen wurde, so dass sich die Na­tur dort ent­fal­tet und auch dem In­sek­ten­ster­ben et­was ent­ge­gen­ge­setzt wer­den kann.

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