Winterbach ist eine von 96 Gemeinden in Baden-Württemberg, die von Verwaltung und Gemeinderat schuldenfrei gehalten wurden, wie das Statistische Landesamt mitteilt. Wir fragten Hauptamtsleiter Matthias Kolb nach seinem Geheimrezept. Der lacht und sagt, dass es ein solches nicht gebe, sondern die Kommune „über viele Jahrzehnte sparsam gewirtschaftet“ habe, und: „Dem Gemeinderat war es immer sehr wichtig, dass man nicht über seine Verhältnisse lebt.“ Dies sei etwas, das im Ort „von Generation zu Generation weitergegeben wird“, sozusagen die „Winterbacher Grundsätze“. Darunter falle auch der Begriff „Bescheidenheit“.
„Wie eine Gemeinde Schulden vermeidet“ weiterlesenKorruption im Rathaus? Melden!
Anfang 2021 wurde Dr. Jochen Bernhard als Vertrauensanwalt bestellt, um Hinweisen auf Fälle von Korruption in der Schorndorfer Verwaltung nachzugehen. Bis heute musste er noch kein einziges Mal aktiv werden.
Daraus abzuleiten, dass im hiesigen Rathaus alles in bester Ordnung ist, könnte ein Trugschluss sein. In Berlin wurden allein für das Jahr 2014 insgesamt 113 solcher Fälle registriert. Daher besteht die Möglichkeit, dass potentielle Hinweisgeber sich entweder nicht melden aus Angst vor persönlichen Nachteilen, oder auch nicht genau wissen, was alles unter den Begriff „Korruption“ fällt. Oder ganz banal: dass die Existenz dieses Vertrauensanwalts nicht bekannt ist. Das können wir ändern:
„Korruption im Rathaus? Melden!“ weiterlesenDer OB fliegt nach Tuscaloosa

Am morgigen Montag fliegt OB Hornikel in Schorndorfs US-Partnerstadt Tuscaloosa. Anlass ist die nachgeholte Feier zum 25-jährigen Bestehen dieser Partnerschaft, die im Jahr 1996 begründet wurde. Mit an Bord sind Hornikels Lebensgefährtin Jil Rieth sowie Franziska Starz (Sachgebietsleitung „Kommunales und Repräsentationen“ im Rathaus) sowie als Vertreter des Gemeinderats die Vorsitzenden der beiden größten Fraktionen, Hermann Beutel (CDU) und Tim Schopf (SPD).
Stadträtin Kirsten Katz (Grüne) kritisiert dieses Auswahlkriterium, weil dadurch nur Männer den Gemeinderat repräsentierten. Zudem fragt sie sich, wie man im Rathaus einerseits viele Steuergelder für den Klimaschutz investiert, aber andererseits der CO2-Fußabdruck einer Flugreise von über 7.000 km Länge keine Rolle zu spielen scheine. Dass diese durch ein CO2-Zertifikat kompensiert wird. hält sie für Augenwischerei. Mit ihrer Kritik steht sie nicht allein da.
„Der OB fliegt nach Tuscaloosa“ weiterlesenArtemisia-Bann aufgehoben
Das Verwaltungsgericht Stuttgart hat mittels Vergleich den Rechtsstreit zwischen Landratsamt Rems-Murr und der Firma Teemana beigelegt. Somit wird deren Artemisia-Warenlager am heutigen Montag um 9.15 Uhr wieder geöffnet, das vor drei Monaten polizeilich versiegelt worden war. Dr. Hans-Martin Hirt, der Gründer von Anamed, betrachtet dies als Aufforderung, von nun an „gemeinsam an einem Strang zu ziehen“ und zu versuchen, „eine bessere Zukunft zu gestalten“. Als Sieger dieses Prozesses sieht er „eindeutig“ die Bevölkerung, „die nicht locker gelassen hat“, für die Anerkennung der Heilpflanze Artemisia annua einzutreten, und die gegen bürokratische Hürden („Zulasseritis“, s.u.) protestierte.
Hier Dr. Hans-Martin Hirts Pressemitteilung in vollem Wortlaut:
Was lange währt, nämlich 3 Jahre langer Rechtsstreit inklusive 3 Monate langer Versiegelung (ab dem 12.05.2022), hat ein gutes vorläufiges Ende gefunden.
„Artemisia-Bann aufgehoben“ weiterlesen„Stimmenkönigin“ Ursel Kamps wird 80
Viel hat nicht gefehlt, und Ursel Kamps wäre Schorndorfs erste Oberbürgermeisterin geworden: 44,8 Prozent der Stimmen errang sie bei der OB-Wahl im Jahr 1998 gegen Amtsinhaber Winfried Kübler, der 53,4 Prozent bekam. Beachtlich ist zudem, dass sie sogar noch zwei Prozentpunkte mehr als Reinhard Hanke acht Jahre zuvor – sogar seinerseits mit dem Amtsinhaberbonus – gegen Kübler auf sich hatte vereinigen können.
Als Grund, warum sie damals überhaupt kandidierte, nennt sie ihren Sohn Marek, der ihr erklärt hatte, die OB-Wahl mangels Kandidatenalternative boykottieren zu wollen. Als Tochter aus einem durch und durch politischen Haus war das für Ursel Kamps ein Unding.
Am 9. August 1942 kam Ursel Kamps in Schorndorf zur Welt. Ihre Eltern sind Rosa und Gottlob Kamm, beide aktive Sozialdemokraten und sportbegeistert. Ursels Geschwister Bertold, Anneliese und Walter waren zwischen 1926 und 1929 geboren, sie selbst also deutlich jünger als diese.
„„Stimmenkönigin“ Ursel Kamps wird 80“ weiterlesenDie SchoWo – „eine riesige Brust“
Am Freitag beginnt die SchoWo, unser 5‑tägiges Stadtfest, das so mancher zwei Jahre lang schmerzlich vermisst hat. Aber nicht alle. Einen etwas anderen Blick auf diese Art Vergnügung hat der Sozialpsychologe Erich Fromm bereits 1956 formuliert, als er erklärte, der moderne Mensch konsumiere Spaß, um ein Gefühl von Angst und Unsicherheit zu betäuben, weshalb Fromm solcherlei Konsumangebote wie „eine riesige Brust“ ansieht, von der man sich die entsprechende Befriedigung erhoffe.
In seinem Bestseller „Die Kunst des Liebens“ schreibt er: „Der moderne Mensch ist sich selbst, seinen Mitmenschen und der Natur entfremdet. Er hat sich in eine Gebrauchsware verwandelt und erlebt seine Lebenskräfte als Kapitalanlage, die ihm unter den jeweils gegebenen Marktbedingungen den größtmöglichen Profit einzubringen hat. Die menschlichen Beziehungen sind im Wesentlichen die von entfremdeten Automaten.
Jeder glaubt sich dann in Sicherheit, wenn er möglichst dicht bei der Herde bleibt und sich in seinem Denken, Fühlen und Handeln nicht von den anderen unterscheidet. Während aber jeder versucht, den übrigen so nahe wie möglich zu sein, bleibt er doch völlig allein und hat ein tiefes Gefühl der Unsicherheit, Angst und Schuld, wie es immer dann entsteht, wenn der Mensch sein Getrenntsein nicht zu überwinden vermag.
„Die SchoWo – „eine riesige Brust““ weiterlesenFassadengrün: Wein oder Gemüse?
Ein Beispiel für Klimaschutz durch Fassadenbegrünung ist das Haus der Familie Kieß am Ochsenberg, direkt am Eingang zum Schlosspark. Dort hat sich seit Jahren ein wilder Wein über die gesamte Hausfront ausgebreitet und schützt sie im Sommer davor, sich zu sehr aufzuheizen. Im Inneren des Hauses steige die Temperatur nie höher als 25 Grad, sagt Cornelia Kieß.
Eine andere Idee für mehr Grün in der Stadt kennt Cornelia Kieß aus Hann. Münden in Niedersachsen. Dort begann die Verwaltung im Jahr 2015 „amtlich anerkannte Blühstellen“ in der Stadt auszuweisen. Das sind kleine Fleckchen direkt an Hauswänden in der Stadt, wo das Pflaster aufgebrochen wurde, so dass sich die Natur dort entfaltet und auch dem Insektensterben etwas entgegengesetzt werden kann.
„Fassadengrün: Wein oder Gemüse?“ weiterlesenWie Klimaschutz verhindert wird
Andere Städte geben denen, die Hausfassaden begrünen, Geld. Unsere Verwaltung aber bekämpft solches Grün in der Stadt. Die Weinrebe am Hirschbrunnen wird stets im Herbst so stark zurückgeschnitten, dass sie jedes Jahr fast bei Null anfangen muss zu wachsen. Ohne diesen Eingriff würde sie – wie Spuren ihrer früheren Ausbreitung zeigen – schon längst beide Nebengebäude überziehen und somit das Stadtklima verbessern.
Fassadengrün wirkt im Sommer der Überhitzung eines Gebäudes entgegen. Ein Beispiel aus Wien zeigt, dass eine bewachsene Hauswand an sonnigen Tagen bis zu 15 Grad kühler ist. Mithin gibt sie auch weniger Wärme an die Umgebung ab und macht somit den Aufenthalt angenehmer. Für einen gleichen Effekt müssten dort rund 45 Kühlgeräte acht Stunden mit einer Leistung von 3.000 Watt betrieben werden.
„Wie Klimaschutz verhindert wird“ weiterlesenGärtnerInnen für Frieden
Während der neue OB seine pazifistische Haltung am Rathaus mit einer „Mayors for Peace“-Fahne neben der Ukraine-Flagge demonstriert, haben städtische GärtnerInnen ihrem Wunsch nach Frieden in einem Beet am Schloss Ausdruck verliehen. In ausgewogenen Farben Weiß, Rot, Blau und Gelb prangt dort das Friedenszeichen.
Erfunden hat dieses der britische Grafiker Gerald Herbert Holtom bereits im Jahr 1958 für eine Kampagne zur nuklearen Abrüstung (Campaign for Nuclear Disarmament), wie Monika Zwettler in einem Artikel zum „Tag des Designs“ darlegt. Beim Protestmarsch am Karfreitag 1958 wurde es erstmals in London auf Schildern in der Öffentlichkeit getragen. Holtom, 1914 geboren und Kriegsdienstverweigerer, verzichtete darauf, sein Design als Patent schützen zu lassen. So wurde es – nicht zuletzt durch Martin Luther Kings Bürgerrechtsbewegung und spätestens seit der Friedensbewegung während des Vietnamkriegs – international bekannt.
„GärtnerInnen für Frieden“ weiterlesen





