Kommentar
Der Oberbürgermeister hat verkündet: Schorndorf solle bis zum Jahr 2035 klimaneutral werden. „Gemeinsam unsere Zukunft gestalten – für ein besseres Klima in unserer Stadt“, so hat er seine Haushaltsrede überschrieben.
Löblich, löblich.
Doch Moment – war da nicht noch was?
Die Zeiten ändern sich
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Wenn es um Menschen- und Freiheitsrechte ging, konnte man sich immer auf die SPD verlassen.
Sie war es, die das Frauenwahlrecht einführte, und somit ein großes Unrecht an der Hälfte der Bevölkerung ausräumte.
Sie war es, die 1933 geschlossen gegen das Ermächtigungsgesetz stimmte.
Aus ihren Reihen kam die APO, die 1968 die Notstandsgesetze massiv kritisierte.
Ihr Einsatz für Entrechtete und Ausgebeutete brachte ihr den üblen Vorwurf von CDU-Generalsekretär Geißler ein, sie sei die „5. Kolonne Moskaus“.
Diese Unterstellung, sie lasse sich von Russland instrumentalisieren, schüttelte sie ab und setzte sich unerschrocken weiter für eine gerechtere Welt ein.
Auch in Schorndorf ist die SPD immer Wegbereiterin für Demokratie und Bürgernähe gewesen.
Sie war treibende Kraft in den Anfängen der Manufaktur, die frischen Wind in die Stadtpolitik brachte – immer unbequem, und der Obrigkeit ein Dorn im Auge.
Ihr ist es zu verdanken, dass wir eine Frauenbeauftragte bekamen.
Und vorgestern stand sie wieder auf der Straße, hatte dazu aufgerufen, öffentlich Haltung zu zeigen, weil „Querdenker“ die Corona-Maßnahmen der Regierung als willkürlich, übertrieben und unmenschlich bezeichnen, und mit Vergleichen zur NS-Diktatur deren Opfer verunglimpften.
Wie haben sich doch die Zeiten geändert:
Heute sagt keiner mehr: Sie lässt sich instrumentalisieren.
Und von der Obrigkeit gibt’s ein fettes Lob.
Wer braucht jetzt einen Sonnenschirm?
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Ist es lediglich ein dummer Zufall?
Nur einen Tag, nachdem der Gemeinderat beschloss, der hiesigen Gastronomie Geld für Sonnenschirmsockel zu schenken, sah ich, dass beim „Incontro“ an der Kirche ein solches Fundament bereits gelegt wurde. Kurz darauf stak darin einer jener riesigen Schirme, wie sie für die SchoWo auf dem Marktplatz angeschafft wurden.
Man fasst sich ohnehin an den Kopf: Ein Sonnenschirm-Sockel als Hilfe für die derzeit arg gebeutelte Gastronomie – das klingt wie purer Hohn.
Die Lokale sind im Lockdown. Manche Wirtinnen und Wirten geraten in Existenznot.
In Portugal sind deshalb einige von ihnen vor dem Parlament in Hungerstreik getreten.
Ein Sonnenschirmsockel ist da wohl das Letzte, was sie jetzt brauchen.
Übrigens: Stadträtin Kirsten Katz ist die Einzige, die diesem Beschluss nicht zugestimmt hat.
Eile mit Weile
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Marcus Bort habe sich bei seiner Bewerbung im Juli „exzellent präsentiert“, verkündete der Oberbürgermeister, nachdem kurz zuvor der Aufsichtsrat der Stadtwerke ihn zu deren neuem kaufmännischen Geschäftsführer ernannt hatte.
Auffällig ist: In der damaligen Pressemitteilung stand nichts davon, dass der Aufsichtsrat diese Berufung einstimmig absegnete. Anders als jetzt bei Borts Abberufung.
Dies lässt vermuten, dass einzelne Personen des Aufsichtsrats schon damals möglicherweise den Eindruck hatten, der auserkorene Mann sei vielleicht doch nicht der Richtige für unsere Stadtwerke.
Nun arbeite man mit Hochdruck daran, „die Stelle möglichst schnell wieder besetzen zu können“, betont der Oberbürgermeister in seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender.
Es wäre zu wünschen, dass er jetzt nicht überhastet handelt, sondern vielleicht doch mehr auf jene Personen hört, die im Juli schon mit ihrem Vorbehalt richtig lagen.
Dementes Mütterchen?
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„Was ist bei unseren Stadtwerken los?“ hat Stadträtin Kirsten Katz ihren Beitrag in der gestrigen Ausgabe von „Schorndorf aktuell“, dem städtischen Mitteilungsblatt, überschrieben (Seite 2 unten). Als Aufsichtsrätin der Stadtwerke unterliegt sie einem Schweigegebot, darf noch nicht einmal ihrer eigenen Fraktion sagen, was sie im Aufsichtsrat erfährt.
Allerdings weist sie auf den Bericht der Abteilung „Revision“ hin, deren Leiterin Marietta Weil unlängst in öffentlicher Gemeinderatssitzung darlegte, was sie beim Prüfen der Bücher des Bäderbetriebs an Erstaunlichem aufgedeckt hat. Im Protokoll dieser Sitzung bekommt man einen ersten Eindruck davon, wenn sie zum Beispiel erklärt, dass zwischen Stadtwerken und Bäderbetrieb „nicht immer verursachergerecht verbucht werde“.
Kein blindes Vertrauen
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Kaum zu glauben, aber tatsächlich wahr: Der Gemeinderat sollte am Donnerstag feststellen, dass bei Sabine Berger ein „wichtiger Grund“ für ihr vorzeitiges Ausscheiden als Stadträtin vorliegt, ohne den Sachverhalt überhaupt zu kennen.
Es ist unfassbar: Das Gremium sollte etwas beurteilen, das es gar nicht beurteilen kann. Es sollte blind der Vorgabe des Oberbürgermeisters folgen. Demokratie sieht anders aus.
Lügenpresse! – Lügenpresse?
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Wer sich als Journalistin auf Demonstrationen mit dem Vorwurf „Lügenpresse“ konfrontiert sieht, kann unterschiedlich reagieren: sich beleidigt fühlen und zum Opfer stiliseren, oder aber der Sache nachgehen und sich fragen, wie es dazu kommen konnte.
Ich halte es mit Zweiterem und habe dazu einen Kommentar verfasst, der heute auf den „NachDenkSeiten“ erscheint.
Lob für die Leute in der Stadtverwaltung
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Das Rathaus teilt mit, dass dort ein „neues System für leistungsorientierte Bezahlung“ ausprobiert wird. An die Stelle von Bewertungen durch Vorgesetzte trete somit ein demokratischer Mechanismus: Alle Beschäftigten dürfen ihrer Kollegin oder ihrem Kollegen eine „LOB-Karte“ zukommen lassen. LOB steht dabei für „leistungsorientierte Bezahlung). Und: Je mehr Kärtchen, desto höher die Leistungszulage am Jahresende.
Gäbe es im Rathaus eine Frauenbeauftragte, würde diese darauf hinweisen, dass ein solches System Frauen diskriminiert.
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