Dementes Mütterchen?

Kom­men­tar
„Was ist bei un­se­ren Stadt­wer­ken los?“ hat Stadt­rä­tin Kirs­ten Katz ih­ren Bei­trag in der gest­ri­gen Aus­gabe von „Schorn­dorf ak­tu­ell“, dem städ­ti­schen Mit­tei­lungs­blatt, über­schrie­ben (Seite 2 un­ten). Als Auf­sichts­rä­tin der Stadt­werke un­ter­liegt sie ei­nem Schwei­ge­ge­bot, darf noch nicht ein­mal ih­rer ei­ge­nen Frak­tion sa­gen, was sie im Auf­sichts­rat er­fährt.
Al­ler­dings weist sie auf den Be­richt der Ab­tei­lung „Re­vi­sion“ hin, de­ren Lei­te­rin Ma­ri­etta Weil un­längst in öf­fent­li­cher Ge­mein­de­rats­sit­zung dar­legte, was sie beim Prü­fen der Bü­cher des Bä­der­be­triebs an Er­staun­li­chem auf­ge­deckt hat. Im Pro­to­koll die­ser Sit­zung be­kommt man ei­nen ers­ten Ein­druck da­von, wenn sie zum Bei­spiel er­klärt, dass zwi­schen Stadt­wer­ken und Bä­der­be­trieb „nicht im­mer ver­ur­sa­cher­ge­recht ver­bucht werde“.

Für Laien wirkt es oh­ne­hin sehr un­ge­wöhn­lich, dass die „Stadt­werke GmbH“ eine Toch­terge­sell­schaft der stadt­ei­ge­nen Bä­der­be­triebe ist. Hier gilt of­fen­bar nicht die Grund­weis­heit „starke Mut­ter – starke Kin­der“. Denn die Stadt­werke er­wirt­schaf­te­ten bis­lang im­mer ei­nen sat­ten Ge­winn, mit dem sie das chro­ni­sche De­fi­zit des Bä­der­be­triebs von über 2 Mil­lio­nen Euro all­jähr­lich aus­glei­chen. Diese Mut­ter­ge­sell­schaft scheint also eher ein sehr schwa­ches Müt­ter­chen zu sein.
Und de­ment ist es of­fen­bar auch. Im Wirt­schafts­be­richt für das Jahr 2018 zeigt die Re­vi­so­rin näm­lich noch deut­li­cher Zu­stände auf, die man so nicht er­war­tet hätte.

Auf Seite 67 ist da zu le­sen, dass sie beim Prü­fen der Un­ter­la­gen zwei Be­lege fand, „in de­nen Dritte Ver­mö­gens­ge­gen­stände er­wor­ben ha­ben“, und der Bä­der­be­trieb „nicht Rech­nungs­adres­sat ist“. Mit an­de­ren Wor­ten: Da hat sich je­mand pri­vat et­was ge­kauft, und diese Rech­nung ist im Ord­ner der Stadt­werke-Buch­füh­rung ge­lan­det. Ent­we­der hat er sich seine An­schaf­fung vom Bä­der­be­trieb be­zah­len las­sen, oder das de­mente Müt­ter­chen hat diese Rech­nung aus Ver­se­hen dort ab­ge­hef­tet.

Auch wur­den die Ar­bei­ten für die Sa­nie­rung der Flie­sen im Schwimm­be­cken „frei­hän­dig ohne Ein­ho­lung ver­gleich­ba­rer An­ge­bote“ ver­ge­ben. Hatte Müt­ter­chen wo­mög­lich ganz ver­ges­sen, dass es so et­was öf­fent­lich aus­schrei­ben muss?
Des­glei­chen der Um­gang mit Spen­den: Diese darf es – wie jeg­li­che Geld­zu­wen­dung – nur mit Ge­neh­mi­gung des Ge­mein­de­rats an­neh­men. Doch wurde eine Spende zum zehn­jäh­ri­gen Ju­bi­läum im März 2018 erst an­dert­halb Jahre spä­ter vom Ge­mein­de­rat ge­neh­migt.

Und, ach ja, die Lo­gos von Fir­men im Pro­gramm­heft von „Kul­tur am See“! Diese seien nicht etwa als Ge­gen­leis­tung für Spon­so­ring ab­ge­druckt wor­den, son­dern, weil die Bä­der mit de­nen „eine lang­jäh­rige gute Ge­schäfts­be­zie­hung ha­ben.“
Müt­ter­chen, Müt­ter­chen! Wie lang wird das so mit dir noch gut ge­hen?

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