Bücherei-Bau soll beschlossen werden

Kurz­mel­dung
Nächste Wo­che soll der Ge­mein­de­rat dem Bau der neuen Stadt­bü­che­rei am Ar­chiv­platz zu­stim­men, und zwar zum „ga­ran­tier­ten Ma­xi­mal­preis“ in Höhe von 8, 5 Mil­lio­nen Euro, wie im An­trag der Ver­wal­tung steht. Der „Ge­samt­auf­wand“ al­lein für die Bau­kos­ten wird frei­lich auf Seite 6 in der Be­schluss­vor­lage mit 10,25 Mil­lio­nen Euro be­zif­fert, näm­lich „inkl. Si­cher­heits­puf­fer für Un­vor­her­ge­se­he­nes“. Vor sechs Jah­ren hatte der Kos­ten­de­ckel für das Pro­jekt noch bei 6 Mil­lio­nen Euro ge­le­gen. Das Ar­chi­tek­ten­büro Ip­po­lito Fleitz reichte dar­auf­hin ei­nen Ent­wurf ein, der be­reits 7 Mil­lio­nen Euro kos­ten sollte, und der vom Ge­mein­de­rat er­ko­ren wurde.

Die Ver­wal­tung rech­net mit Zu­schüs­sen in Höhe von 5,28 Mil­lio­nen Euro aus dem För­der­topf „West­stadt II“, die vom Land Ba­den-Würt­tem­berg „in Aus­sicht ge­stellt“ seien. Die Schorn­dor­fer Firma Schatz soll als Ge­ne­ral­über­neh­mer mit der Durch­füh­rung des Pro­jekts be­auf­tragt wer­den. Das Thema Bü­che­rei-Neu­bau steht in der Ge­mein­de­rats­sit­zung am Don­ners­tag, 7. April, als Punkt 8 von ins­ge­samt 10 auf der Ta­ges­ord­nung.

Auf die Frage „Be­stehen Aus­wir­kun­gen auf das Klima?“ wird in der Sit­zungs­vor­lage an­ge­ge­ben: „Ge­ring­fü­gige Aus­wir­kun­gen“ beim ge­plan­ten Be­ton-An­bau „durch zu­sätz­li­chen Flä­chen­ver­brauch und Ge­bäu­de­her­stel­lung“ – ohne dass da­bei auch die bei­den Bäume, die des­halb dort ge­fällt wer­den müs­sen, an­ge­führt sind. Diese „ne­ga­ti­ven Aus­wir­kun­gen auf das Klima“ wolle man aus­glei­chen „durch Ver­wen­dung von nach­hal­ti­gen und/​oder re­cy­cel­ten Bau­ma­te­ria­lien“.

Verloren gegangener Naturschatz

Die Uh­land­straße im Ok­to­ber 2011

Ge­denk­tag
Zu dem auf heute vor­ver­leg­ten Tag des Bau­mes ge­den­ken wir der 22 Lin­den in der Uh­land­straße, die vor neun Jah­ren dem Stra­ßen­bau zum Op­fer fie­len. Bis zu 80 Jahre alt wa­ren sie, so ge­nannte „vi­tale Groß­bäume“, drei von ih­nen et­was ma­rode. Trotz hef­ti­ger Dis­kus­sio­nen in der Bür­ger­schaft konn­ten in der Ge­mein­de­rats­sit­zung laut Pro­to­koll (ab Seite 7) 13 Rä­tIn­nen, die die­sen Na­tur­schatz er­hal­ten woll­ten, ihre rest­li­chen 18 Kol­le­gIn­nen nicht vom Wunsch nach Fäl­lung der Lin­den ab­brin­gen.

Die Uh­land­straße heute
„Ver­lo­ren ge­gan­ge­ner Na­tur­schatz“ wei­ter­le­sen

Erinnerungen an „die Christel“

Kurz­mel­dung
Silke Sci­voli weiß noch gut, wie es bei den Dreh­ar­bei­ten des SDR in der „Be­cka-Kurze“ im Jahr 1986 war. Sie ar­bei­tete da­mals in der Kü­che mit Ha­rald Schaale zu­sam­men. Jetzt schrieb sie mir: „Was hat­ten wir ei­nen Spaß, die Fern­seh­leute zu är­gern, weil die so ar­ro­gant wa­ren!“ Ganz kon­kret: „Ha­rald hatte eine heiße Pfanne in die Spüle ge­wor­fen und der ganze Dampf zog auf die Het­zel­gasse, wo sie ge­rade dreh­ten. – Gut, wir muss­ten dann das Fens­ter schlie­ßen und den Roll­la­den auch. Aber lus­tig war es!“ Sie er­in­nere sich gerne an diese Zeit: „Un­ser Team war spitze!“

Als Chris­tel Lan­gen­bach im Som­mer 1998 ihre Wirt­schaft schloss, schrieb ihr der da­ma­lige Ober­bür­ger­meis­ter, Win­fried Küb­ler: „Mit Weh­mut sehe ich Sie aus Schorn­dorf schei­den.“ Es sei ihm ein An­lie­gen, ihr „für al­les herz­lich zu dan­ken, was Sie für den gu­ten Ruf un­se­rer Stadt, de­ren Gast­lich­keit und idyl­li­schen Reiz mit Ih­rem Wirt­schäftle ge­tan“ habe. Zum Ab­schied über­reichte er ihr ein Schorn­dor­fer Wein­krügle – in dem sie ihre „Trän­chen der Weh­mut“ sam­meln könne, wenn sie an die al­ten Zei­ten denke. „Be­stim­mend für Ihr wei­te­res Le­ben soll aber der Froh­sinn sein, mit dem Sie sich selbst stets be­glück­ten und Ihre Gäste daran teil­ha­ben lie­ßen.“

Wer sich an ent­spre­chende An­ek­do­ten, nette Be­ge­ben­hei­ten oder Er­leb­nisse mit Chris­tel und in der „Be­cka-Kurze“ er­in­nert: Schrei­ben Sie an ! Ich ver­öf­fent­li­che diese gerne, um sie so­wohl mit an­de­ren zu tei­len, als auch, um da­mit die Er­in­ne­run­gen an „die Chris­tel“ le­ben­dig zu hal­ten.

Wenn alles teurer wird

Kom­men­tar
Bü­cher sind Grund­nah­rungs­mit­tel. Ohne sie kön­nen wir nicht le­ben. Sie ver­mit­teln Wis­sen, sie näh­ren die Seele mit Poe­sie, sie hel­fen durch mut­ma­chende Ge­schich­ten, dass wir uns sol­cher­art ge­stärkt für das Gute im All­tag ein­set­zen kön­nen. Wenn der Ge­mein­de­rat dem­nächst über den Neu­bau der Stadt­bü­che­rei ent­schei­den soll, gilt es, dies zu be­den­ken. Da­bei muss frei­lich sau­ber un­ter­schie­den wer­den zwi­schen Bü­chern und Bau­werk.

Dass an­ge­sichts star­ker Preis­stei­ge­run­gen für Roh­stoffe und En­er­gie die ver­an­schlag­ten Kos­ten für den Bau kei­nes­falls ge­hal­ten wer­den kön­nen, ist ja in­zwi­schen wohl so klar wie das Amen in der Kir­che. Was wird also pas­sie­ren? Es müss­ten, um das aus­zu­glei­chen, not­ge­drun­gen bil­li­gere Ma­te­ria­lien ver­wen­det wer­den. Dass man diese dann nach kur­zer Zeit er­set­zen muss, wäre die Kon­se­quenz. Das Pro­blem wäre nur ver­scho­ben. Die Ze­che zah­len wir mit un­se­ren Steu­ern.

Die an­dere Schraube, an der ein Ge­ne­ral­über­neh­mer dre­hen kann, sind die Hand­wer­ker. Um den Fix­preis zu hal­ten, führt kein Weg dran vor­bei, dass er sie aus­beu­ten muss. Dass er kei­nen Cent von den Mehr­kos­ten, die die­sen hart ar­bei­ten­den Men­schen ent­ste­hen, über­neh­men wird. Kön­nen un­sere Stadt­rä­tIn­nen al­len Erns­tes, kann un­sere Ver­wal­tungs­spitze se­hen­den Au­ges eine sol­che Be­hand­lung mo­ra­lisch ver­ant­wor­ten?

„Wenn al­les teu­rer wird“ wei­ter­le­sen

Die „Becka-Kurze“ ist gestorben

Chris­tel Kohnle 1988

Nach­ruf
„Und wer sind Sie?“ wurde Chris­tel Kohnle vom Auf­nah­me­lei­ter des SDR et­was un­freund­lich an­ge­spro­chen, als sie ihm in der „Be­cka-Kurze“ über den Weg lief. An die­sem Tag im Mai 1986 drehte das Fern­seh­team dort eine Szene über Ro­bert Bosch, hatte sich die urige Kneipe in Schorn­dorfs Alt­stadt als Ku­lisse er­ko­ren. „I be zu­fäl­lig d‘ Wir­tin“, kon­terte Chris­tel schlag­fer­tig und brachte den Mann zum Ver­stum­men.

Ihr klei­nes Wirt­schäftle war nicht nur ein op­ti­sches Ju­wel für die Fern­seh­leute. Auch für die Schorn­dor­fer war es 17 Jahre lang et­was ganz Be­son­de­res, das sei­nes­glei­chen sucht. Der Grund da­für: Weil auch Chris­tel Kohnle et­was ganz Be­son­de­res war. Mit 25 Jah­ren er­füllte sich die ge­bür­tige Welz­hei­me­rin hier den Traum von ei­nem ei­ge­nen Lo­kal. Sie stammt aus ei­ner Wirts­fa­mi­lie, lernte Kö­chin und Ho­tel­kauf­frau.

Als sie die „Be­cka-Kurze“ im Som­mer 1981 er­öff­nete, war es äu­ßerst un­ge­wöhn­lich, dass eine Frau, dazu noch al­lein­ste­hend, sich auf diese Weise selb­stän­dig machte. Ihre Mut­ter hatte ihr das Holz­tä­fel­chen mit dem Spruch „Wer die Wir­tin kränkt, wird auf­ge­hängt“ ge­schenkt. Es amü­sierte die Kund­schaft, und es half ihr, sich Re­spekt zu ver­schaf­fen. So wurde sehr schnell aus dem Ge­heim­tipp eine In­sti­tu­tion in Schorn­dorf.

„Die „Be­cka-Kurze“ ist ge­stor­ben“ wei­ter­le­sen

Kritik als nützliche Information verstehen

Kurz­mel­dung
Be­vor Stadt­rä­tin Sa­bine Bren­nen­stuhl (FDP/​FW) am Diens­tag­abend Bernd Hornikel als OB von Schorn­dorf ver­ei­digte, zeigte sie Karl Pop­pers 12 Re­geln zur Kom­mu­ni­ka­tion als Vor­schlag für die künf­tige Ge­sprächs­kul­tur im Ge­mein­de­rat auf. „Zum Recht aus­re­den zu dür­fen, ge­hört die Pflicht, sich kurz zu fas­sen“, ist eine da­von. Eine an­dere: „Je­der soll im Vor­aus sa­gen, un­ter wel­chen Um­stän­den er be­reit wäre, sich über­zeu­gen zu las­sen.“

Sie er­klärte in ih­rer Rede: „Wer nicht be­reit ist, seine Mei­nung in Frage stel­len zu las­sen und alte Über­zeu­gun­gen auf­zu­ge­ben, braucht nicht zu dis­ku­tie­ren.“ Dazu hält der Phi­lo­soph Pop­per für un­ab­ding­bar: „Wer an­dere zu ver­ste­hen sucht, dem soll nie­mand un­ter­stel­len, er bil­lige schon des­halb ihr Ver­hal­ten.“

Sa­bine Bren­nen­stuhl ist über­zeug: „Kri­tik als nütz­lich ver­stan­dene In­for­ma­tion macht von­ein­an­der Ler­nen erst mög­lich.“ Wich­tig da­bei, laut Pop­per: „Kri­tik muss im­mer kon­kret sein.“. Man solle sie nicht ab­leh­nen, son­dern so­gar su­chen. Und so rich­tete die Stadt­rä­tin an alle An­we­sen­den die „freund­li­che Bitte“, diese Ge­sprächs­re­geln künf­tig zu be­den­ken: „Ich ver­such es je­den­falls.“

Achtung, eine Durchsage:

Kurzglosse
„Ein klei­ner Sprin­ger sucht seine Kö­ni­gin.
Er ist von wei­ßer Farbe, Al­ter: schwer zu schät­zen. Ver­mut­lich ge­hört er ei­ner Frei­luft-Schach­fi­gu­ren­gruppe an. Er wurde im Schloss­park auf­ge­grif­fen und möchte jetzt am Och­sen­berg ab­ge­holt wer­den.“

Wie geht Versöhnung, Pastor Reinhardt?

In­ter­view
Mo­men­tan er­hit­zen sich in Schorn­dorf die Ge­mü­ter über un­ter­schied­li­che Ein­stel­lun­gen zu den po­li­ti­schen Maß­nah­men, die die Re­gie­rung den Men­schen auf­er­legt. Bernd Hornikel, un­ser ge­wähl­ter neuer OB, er­klärte un­längst, er halte es dies­be­züg­lich mit Ex-Bun­des­prä­si­dent Jo­han­nes Rau und des­sen Motto „Ver­söh­nen statt spal­ten“. Doch wie lässt sich dies in der Pra­xis be­werk­stel­li­gen? Wir ha­ben die Ver­tre­ter der hie­si­gen Kir­chen ge­fragt, die sich mit dem Thema Nächs­ten­liebe und Ver­ge­bung („Wie auch wir ver­ge­ben un­se­ren Schul­di­gern“) am bes­ten aus­ken­nen: Wie geht Ver­söh­nung?
Heute: Pas­tor Ste­fan Rein­hardt, Evan­ge­lisch-me­tho­dis­ti­sche Kir­che Be­zirk Mitt­le­res Rems­tal

Warum tun wir uns alle so schwer, un­se­ren „Schul­di­gern“ zu ver­ge­ben?
Der Not­wen­dig­keit der Ver­ge­bung geht eine Ver­let­zung vor­aus. Je­mand hat den an­de­ren durch Wort und Tat ver­letzt. Un­sere Lo­gik ist oft die: wenn ich ver­gebe, dann tue ich so, als ob nichts ge­we­sen wäre und gebe dem an­de­ren Recht. Des­halb fällt es schwer zu ver­ge­ben.

„Wie geht Ver­söh­nung, Pas­tor Rein­hardt?“ wei­ter­le­sen

Neuer Wirt in der „Harmonie“

Kurz­mel­dung
San­tino Ma­gno über­nimmt die Gast­stätte des Ge­sang­ver­eins „Har­mo­nie“ in der Mo­ser­straße. Bis Herbst 2021 hatte er das Schüt­zen­haus in Beu­tels­bach als Piz­ze­ria „Da San­tino“ be­trie­ben. Er ist ge­lern­ter Buch­hal­ter und kam 1987 nach Deutsch­land, wo er sei­nem Bru­der in des­sen Piz­ze­ria in Schwä­bisch Gmünd half, und wo, wie er sagt, seine Kar­riere in der Gas­tro­no­mie be­gann.

Der 57-Jäh­rige stammt aus Ka­la­brien, aus Al­to­monte, das zu den „schöns­ten Orte Ita­li­ens“ ge­hört und – ähn­lich wie Schorn­dorf – viel mit­tel­al­ter­li­ches Erbe in sich trägt. Im Jahr 1999 war Al­to­monte Grün­dungs­mit­glied der Be­we­gung „Ci­ttà­slow“. Diese hat sich zum Ziel ge­setzt, die Le­bens­qua­li­tät in ih­ren Städ­ten zu ver­bes­sern. Sie will ei­ner „Ver­ein­heit­li­chung und Ame­ri­ka­ni­sie­rung“ ent­ge­gen­wir­ken, in­dem man sich den je­weils un­ver­wech­sel­ba­ren Cha­rak­ter ei­ner Stadt be­wusst­macht, ihn als ei­ge­nen Wert er­kennt und be­tont.

San­tino Ma­gno will auch in der „Har­mo­nie“ vor al­lem ita­lie­ni­sche Kü­che an­bie­ten. Der Piz­zao­fen ist be­reits in­stal­liert. Deut­sche Klas­si­ker wie Schnit­zel sol­len aber auf der Spei­se­karte auch nicht feh­len. Wenn al­les klappt, will er noch Ende März er­öff­nen.

schoblatt.de