Verloren gegangener Naturschatz

Die Uh­land­straße im Ok­to­ber 2011

Ge­denk­tag
Zu dem auf heute vor­ver­leg­ten Tag des Bau­mes ge­den­ken wir der 22 Lin­den in der Uh­land­straße, die vor neun Jah­ren dem Stra­ßen­bau zum Op­fer fie­len. Bis zu 80 Jahre alt wa­ren sie, so ge­nannte „vi­tale Groß­bäume“, drei von ih­nen et­was ma­rode. Trotz hef­ti­ger Dis­kus­sio­nen in der Bür­ger­schaft konn­ten in der Ge­mein­de­rats­sit­zung laut Pro­to­koll (ab Seite 7) 13 Rä­tIn­nen, die die­sen Na­tur­schatz er­hal­ten woll­ten, ihre rest­li­chen 18 Kol­le­gIn­nen nicht vom Wunsch nach Fäl­lung der Lin­den ab­brin­gen.

Die Uh­land­straße heute

Die Bäume wur­den Ende 2012 ab­ge­sägt, und ei­nige An­woh­ner freu­ten sich, dass der Geh­weg seit­her top­fe­ben ist, weil ihn keine Wur­zeln mehr hoch­drü­cken. Man­che sind auch froh, jetzt nicht mehr so viel Laub weg­keh­ren zu müs­sen, und dass von den Bäu­men kein „Ho­nig­tau“ der Blatt­läuse ihre Au­tos kleb­rig be­kle­ckert. Die neu ge­pflanzte Sorte soll da­vor ge­feit sein.

Eine Bür­ger­initia­tive hatte sich da­mals noch an die Grü­nen-Ab­ge­ord­nete Beate Böh­len vom Pe­ti­ti­ons­aus­schuss des Land­tags ge­wandt, um die Bäume zu ret­ten. Er­folg­los. Di­plom-In­ge­nieur Chris­toph Link, der eine al­ter­na­tive Stra­ßen­pla­nung er­ar­bei­tet hatte, bei der zwei Drit­tel der Bäume hät­ten blei­ben kön­nen, schrieb ihr dar­auf­hin: „Mit Ih­rem Brief ha­ben Sie zu ei­ner Pla­nung in der Uh­land­straße ver­hol­fen, die ab­so­lut rück­wärts­ge­wandt ist.“ Er legte in sei­nem Schrei­ben dar, dass ihre Ent­schei­dung auf sach­li­chen Feh­lern be­ruhe, mit dem Hin­weis: „Ich würde mir wün­schen, dann zu schwei­gen, wenn man fach­lich nicht das not­wen­dige Hin­ter­grund­wis­sen hat.“

Grü­nen-Stadt­rat Wil­helm Pesch er­klärte bei sei­nem Plä­doyer für die Lin­den, dass diese fürs städ­ti­sche Klein­klima wich­tig seien, da sie Fein­stäube bin­den, im Som­mer küh­lend wir­ken so­wie Lärm schlu­cken.

Um eine ein­zige 100-jäh­rige Bu­che zu er­set­zen, müsste man 5.400 Jung­pflan­zen mit ei­nem Kro­nen­vo­lu­men von min­des­tens 0,5 Ku­bik­me­tern ein­set­zen. Nach Be­rech­nun­gen des ös­ter­rei­chi­schen Mi­nis­te­ri­ums für Kli­ma­schutz spen­det ein 100 Jahre al­ter Baum pro Jahr über 1.000 kg Sauer­stoff – ge­nug für 10 Men­schen. So­mit ver­sorg­ten diese Schorn­dor­fer Lin­den da­mals rund 150 Per­so­nen jähr­lich.

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