Die Ernte war wichtiger

Heute vor 75 Jah­ren, am 30. Juni 1946, wurde die Schorn­dor­fe­rin Rosa Kamm in die Ver­fas­sungs­ge­bende Lan­des­ver­samm­lung von Würt­tem­berg-Ba­den ge­wählt – als eine von 7 Frauen un­ter ins­ge­samt 100 Mit­glie­dern. Im Jahr 1919 hatte der Frau­en­an­teil des ver­gleich­ba­ren Gre­mi­ums bei 9,4 Pro­zent ge­le­gen.

Die Wäh­ler­schaft war of­fen­bar schwer zu mo­bi­li­sie­ren ge­we­sen. Die Wahl­be­tei­li­gung be­trug nur 59,41%, in klei­nen Ort­schaf­ten, wie etwa Schlich­ten oder Buhl­bronn lag sie gar nur bei 23%, wie das „Amts­blatt für den Kreis Waib­lin­gen“ be­rich­tete. Als Grund da­für wurde dort aus­ge­macht: „Viele Land­leute bang­ten um ihre Ernte und sa­hen die Heim­brin­gung, nach be­droh­li­cher Schlechtwetterpe­riode durch schöns­tes Wet­ter be­güns­tigt, als dring­li­cher an, wie den Gang zur Wahl­urne. An­dere wa­ren von ei­ner be­dau­er­li­chen po­li­ti­schen Pas­si­vi­tät be­fan­gen.“

„Die Ernte war wich­ti­ger“ wei­ter­le­sen

Am Rande bemerkt

Kurzglosse
Pa­pier ist ge­dul­dig, heißt es. Fah­nen­mas­ten sind es auch. Frü­her wurde vorm Rat­haus nur an ho­hen Fei­er­ta­gen ge­hisst. Meis­tens die Stadt­far­ben, manch­mal Schwarz-Rot-Gold, und bei Be­su­chen aus der Part­ner­stadt Tulle die Tri­ko­lore. In­zwi­schen aber auch im­mer häu­fi­ger an­dere Bot­schaf­ten: „Keine Ge­walt an Frauen“ steht dann auf dem Ban­ner, oder „Ma­yors for Peace“, um zu zei­gen, dass un­ser Ober­bür­ger­meis­ter eben­falls für den Frie­den ist.

Ganz ak­tu­ell flat­ter­ten jetzt Re­gen­bo­gen­far­ben ne­ben dem Rat­haus­ein­gang. Als Be­kun­dung für die se­xu­elle Selbst­be­stim­mung al­ler Men­schen. Wir dür­fen ge­spannt sein, was als nächs­tes folgt. Eine Fahne für Fahr­rad­freund­lich­keit? Ein Ban­ner für Bür­ger­nähe? Ein Stück Stoff ge­gen Steu­er­geld­ver­schwen­dung?

Fah­nen­mas­ten sind ge­dul­dig. Dort kann je­der sein Fähn­chen nach dem Wind der ak­tu­ell po­li­ti­schen Mode hän­gen. Und die Be­völ­ke­rung freut sich wie Bolle über den ed­len Geist de­rer, die sie his­sen.

Rätsel um Betten-Schwund gelöst

Kurz­mel­dung
In den Rems-Murr-Kli­ni­ken stan­den im Früh­jahr 2020 ins­ge­samt 85 In­ten­siv­bet­ten mit Be­atmungs­ge­rä­ten zur Ver­fü­gung, wie die „Schorn­dor­fer Nach­rich­ten“ am 31. März 2020 mel­de­ten. Am 11. No­vem­ber 2020 war dann aber ei­nem Ar­ti­kel zu ent­neh­men, dass es dort nur noch 61 In­ten­siv­bet­ten gebe (Wir ha­ben dar­über be­rich­tet).

Kri­ti­sche Jour­na­lis­ten arg­wöhn­ten sei­ner­zeit, dass die Zahl der Bet­ten künst­lich ver­knappt werde. Dass die Be­völ­ke­rung da­durch bei der Stange ge­hal­ten werde be­züg­lich Ein­hal­ten der Hy­gie­ne­vor­schrif­ten. Denn wenn die Kli­ni­ken wie­der an ihre Ka­pa­zi­täts­grün­den ge­rie­ten, werde der Angst­pe­gel hoch­ge­hal­ten.

Nun hat je­doch der Bun­des­rech­nungs­hof laut „Fo­cus“ auf­ge­deckt, dass die Sub­ven­ti­ons­zah­lun­gen der Re­gie­rung an die Kli­ni­ken da­hin­ter ste­cken. Kon­kret: dass es „un­er­wünschte Mit­nah­me­ef­fekte“ bei die­sen „Aus­gleichs­zah­lun­gen“ ge­ge­ben habe. Schon An­fang Ja­nuar 2021 sei auch das Ro­bert-Koch-In­sti­tut dar­auf hin­ge­wie­sen wor­den, „dass Kran­ken­häu­ser zum Teil we­ni­ger In­ten­siv­bet­ten mel­de­ten als ver­füg­bar ge­we­sen seien“. Der Grund: Geld gab es nur, wenn die Zahl der freien Bet­ten un­ter 25 Pro­zent sank. Da­her hät­ten die Kli­ni­ken de­ren An­zahl re­du­ziert, „um mo­ne­täre Nach­teile für den Stand­ort zu ver­mei­den“.

Wenn alle Brünnlein fließen… würden!

Der „Kind­les­brun­nen“

Die er­fri­schende At­mo­sphäre ei­nes spru­deln­den Brun­nens an hei­ßen Som­mer­ta­gen, sein be­ru­hi­gen­des Mur­meln am Abend – in der Alt­stadt fin­det man dies am Markt­brun­nen so­wie in der Fuß­gän­ger­zone am Hirsch­brun­nen, ein­ge­schränkt auch beim Mond­schein­brun­nen. Und das war es dann auch schon wie­der.

Der „Arme Konrad“-Brunnen im Fi­nanz­amts­hof liegt tro­cken. Der „Kind­les­brun­nen“ an der Stadt­kir­che: ab­ge­stellt. Das Be­cken vom „Brün­nele“ ne­ben der Schloss­wall­schule ist so­gar zu­be­to­niert. Selbst beim Spring­brun­nen im Schloss­park, ganz neu an­ge­legt zur Gar­ten­schau 2019, sind sämt­li­che Dü­sen mit Me­tall­plat­ten fest zu­ge­schraubt. Da spru­delt nichts mehr.

„Wenn alle Brünn­lein flie­ßen… wür­den!“ wei­ter­le­sen

Luther auch streichen?

Le­ser­brief
Die Dis­kus­sion über Herrn Lämmle finde ich in­ter­es­sant. Auch, dass in Stei­nenberg der Schul­name ge­än­dert wurde. Sollte man nicht dann auch alle Mar­tin-Lu­ther-Stra­ßen und ‑Ge­bäude um­be­nen­nen? Schließ­lich hatte Lu­ther an­ti­se­mi­ti­sche An­sich­ten ge­gen­über Ju­den und „spe­zi­elle“ An­sich­ten ge­gen­über Be­hin­der­ten. 

Soll­ten wir dann nicht kor­rekt sein und alle Na­men strei­chen? Wer ist/​war vol­ler Liebe? Nie­mand. Was wäre, wenn je­der Mensch alle Ge­dan­ken und al­les was er mal tat/​nicht tat of­fen­le­gen würde? Nichts Gu­tes würde da­bei her­aus kom­men. Bei nie­mand. 

Kei­ner ist aus sich her­aus ge­recht. Des­halb brau­chen wir alle die Ret­tung durch Gott. Egal, wie toll wir äu­ßer­lich er­schei­nen. Steht es uns zu, an­dere Men­schen zu rich­ten so wie es uns ge­rade ge­schicht­lich rein­passt? Wenn wir ge­recht sein wol­len, dann dürfte es nur noch Stra­ßen­na­men ge­ben, die nach Blu­men und Tie­ren be­nannt wer­den soll­ten. Dann müsste je­der Name ver­schwin­den.

Kath­rin Fi­scher, Schorn­dorf

August Lämmle darf bleiben

Kurz­mel­dung
Wenn es nach der AfD-Frak­tion des Ge­mein­de­rats geht, dürfte der Au­gust-Lämmle-Weg in Schorn­dorf nun doch sei­nen Na­men be­hal­ten. Sie zieht ih­ren An­trag vom April auf Um­be­nen­nung zu­rück, wie sie in ei­ner Pres­se­er­klä­rung schreibt. Als Grund für die­sen An­trag hatte sie an­ge­führt ge­habt, dass Lämmle laut An­ga­ben des His­to­ri­kers Pe­ter Pog­untke sei­ner­zeit die NS-Ras­sen­po­li­tik be­grüßt habe. In­zwi­schen sei die Frak­tion je­doch durch eine Ver­wandte Lämm­les, Dr. Ur­sula Fink, mit­tels ei­nes aus­führ­li­chen Of­fe­nen Brie­fes über­zeugt wor­den, „dass das Gut­ach­ten von Pe­ter Pog­untke an ganz we­sent­li­chen Stel­len in Frage zu stel­len ist.“ So dass sich laut Frak­ti­ons­chef Lars Haise „auf ei­nem so san­di­gen Fun­da­ment“ ihr An­trag nicht auf­recht­erhal­ten lasse.

„Als wir den An­trag for­mu­liert ha­ben, wa­ren uns diese Dis­kre­pan­zen und auch die Ver­stri­ckun­gen zu ei­nem An­hän­ger der so­ge­nann­ten An­tifa lei­der noch nicht be­kannt.“ Ge­meint ist Cor­ne­lius Renkl, Mit­glied im VVN/​Bund der An­ti­fa­schis­ten und der Le­on­ber­ger KZ-Ge­denk­stät­ten­in­itia­tive. Die­ser habe 2005 in ei­nem Vor­trag über Au­gust Lämmle des­sen Wir­ken zur Zeit des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus neu be­leuch­tet, und dar­auf habe sich Pog­untke in sei­nem Gut­ach­ten ge­stützt.

Die Palmen sind wieder da

Die Pal­men ak­tu­ell…

Kurz­mel­dung
Sechs Pal­men der Sorte „Wa­shing­to­nia ro­busta“ ha­ben ihr Über­win­te­rungs­quar­tier ver­las­sen und zie­ren jetzt wie­der die Jo­hann-Phil­ipp-Palm-Straße, wei­tere Ex­em­plare den Un­te­ren Markt­platz. Über den Win­ter ha­ben sie of­fen­sicht­lich et­was „Fe­dern ge­las­sen“: Die üp­pi­gen Baum­kro­nen, die sie noch im Ok­to­ber 2020 hat­ten (s. Bild un­ten), sind ge­lich­tet, die Blät­ter an den Spit­zen gelb.

14 Ex­em­plare die­ser gro­ßen, 2,50 Me­ter ho­hen Pal­men wur­den nach der Gar­ten­schau zum Kauf an­ge­bo­ten für 300 Euro („Stadt­nach­rich­ten“ vom 9. Ok­to­ber 2019 „Al­les darf raus“, Ar­ti­kelnr. 37). Der Ein­kaufs­preis zu­vor lag nach An­ga­ben von Lars Scheel (City-Ma­nage­ment) bei 450 Euro.

… und vo­ri­ges Jahr im Ok­to­ber

Wie viele die­ser Pal­men noch im Be­sitz der Stadt sind, be­ant­wor­tet Scheel mit: „Ins­ge­samt 17 Stück (2 Sor­ten).“ Und auf die Frage, was nö­tig ist, da­mit sie art­ge­recht über­win­tern: „Über­win­te­rung im Ge­wächs­haus bei küh­len Tem­pe­ra­tu­ren (nur starke Fröste müs­sen ab­ge­mil­dert wer­den).“ Dies ge­schehe „bei ei­ner Schorn­dor­fer Gärt­ne­rei.“

Die Kos­ten, die da­durch all­jähr­lich an­fal­len, be­zif­fert er auf „in etwa 100–150 Euro pro Pflanze.“ Ins­ge­samt also je­den Win­ter rund 2.500 Euro. Als Ver­gleichs­größe nennt er: „Dies sind in etwa die Kos­ten für eine Wech­sel­be­pflan­zung ei­nes Pflanz­kü­bels mit ein­jäh­ri­gen Blüh­pflan­zen.“ Mit dem Zu­satz, der Vor­teil der Pal­men sei: „Sie kom­men sehr gut mit we­nig Was­ser aus und ver­ur­sa­chen un­ter­jäh­rig auch in hei­ßen Som­mern we­ni­ger Pfle­ge­kos­ten.“

„Wir sind für diese Zeiten gemacht“ – Teil II

Gast­bei­trag von Cla­rissa Pin­kola Es­tés
Die Psy­cho­ana­ly­ti­ke­rin und „Can­ta­dora“ Cla­rissa Pin­kola Es­tés hat vo­ri­ges Jahr ei­nen Brief an eine junge Ak­ti­vis­tin ge­schrie­ben, der ebenso er­mu­ti­gend wie weg­wei­send ist. Nach Teil I hier die Fort­set­zung:

„Bli­cke hin­aus über Dei­nen Bug: Dort sind Mil­lio­nen recht­schaf­fe­ner See­len mit Dir zu­sam­men auf dem Was­ser. Tief in Dei­nen Kno­chen wuss­test Du im­mer schon, dass dem so ist.

Selbst wenn Deine Au­ßen­plan­ken in die­sem stür­mi­schen Auf­ruhr bei je­der Welle er­zit­tern, ver­si­chere ich Dir, dass die lan­gen Höl­zer, die Dei­nen Bug und Dein Ru­der­blatt bil­den, aus ei­nem sehr gro­ßen Wald kom­men. Die­ses lang­fa­se­rige Holz ist be­kannt da­für, dass es al­len Stür­men trotzt, zu­sam­men­hält, sich be­haup­tet und ste­tig wei­ter vor­an­kommt.

„„Wir sind für diese Zei­ten ge­macht“ – Teil II“ wei­ter­le­sen

Einbahnstraßen für Radler öffnen!

Zusatzzeichen 1000–32: Radfahrer kreuzen von rechts und links.

An­kün­di­gung
In der Göp­pin­ger In­nen­stadt sind be­reits sämt­li­che Ein­bahn­stra­ßen für Rad­ler in beide Rich­tun­gen frei­ge­ge­ben wor­den. Das for­dert Ex-Stadt­rat und Klima-Ak­ti­vist Wil­helm Pesch auch für Schorn­dorf. Am heu­ti­gen Frei­tag, 4. Juni, lädt er zu ei­ner Ak­tion „Cri­ti­cal Mass“ ein, wie sie in Stutt­gart in­zwi­schen mo­nat­lich statt­fin­det. Mit die­ser Rad­tour durch die Stadt wol­len die Rad­le­rIn­nen den Ver­kehrs­raum wie­der für sich zu­rück­ge­win­nen. Ihr An­teil am Ge­samt­ver­kehr in Schorn­dorf liege der­zeit bei un­ter 10 Pro­zent. Pesch will da­bei auf­zei­gen, wie die Ver­wal­tung die Be­dürf­nisse der Rad­fah­rer bes­ser be­frie­di­gen kann. Start ist um 18 Uhr auf dem Markt­platz.

„Ge­öff­nete Ein­bahn­stra­ßen sind si­cher“, er­klärt die Ar­beits­ge­mein­schaft Fahr­rad- und Fuß­gän­ger­freund­li­cher Kom­mu­nen (AGFK) in ei­nem Falt­blatt: „Grund­sätz­lich sol­len Rad­fah­rer Ein­bahn­stra­ßen in bei­den Rich­tun­gen nut­zen kön­nen.“ Diese Öff­nung für Rad­le­rIn­nen sei „eine ein­fa­che, kos­ten­güns­tige und schnell um­setz­bare Maß­nahme“ für ein lü­cken­lo­ses Rad­we­ge­netz.

Ein­bahn­stra­ßen für den Rad­ver­kehr in beide Rich­tun­gen zu öff­nen ist seit 2001 in der Stra­ßen­ver­kehrs-Ord­nung (StVO) ver­an­kert. Eine Stu­die be­lege, dass in sol­chen Stra­ßen nicht mehr Un­fälle ge­sche­hen, son­dern im Ge­gen­teil ein „po­si­ti­ver Ein­fluss auf Ver­kehrs­si­cher­heit und Ver­kehrs­ab­lauf“ be­ob­ach­tet werde.

Die Stadt Schorn­dorf ist seit Juli 2017 Mit­glied der AGFK, mit der of­fi­zi­el­len Be­grün­dung, dort „Hil­fe­stel­lung bei fahr­rad­spe­zi­fi­schen Fra­gen“ zu er­hal­ten.