Frieden beginnt hier

Do­ris Kom­me­rell (re.) von der Frie­dens­in­itiatve am Mi­kro­phon

Zu ei­ner „Mahn­wa­che ge­gen Krieg“ rief ges­tern die Frie­dens­in­itia­tive Schorn­dorf spon­tan auf, nach­dem die Lo­kal­zei­tung „Krieg in Eu­ropa“ ge­ti­telt hatte. 200 Men­schen ver­sam­mel­ten sich laut Ver­an­stal­ter-An­ga­ben um 18 Uhr auf dem Markt­platz. „Wir sind ent­setzt, er­schüt­tert, trau­rig, hilf­los, ohn­mäch­tig, zor­nig, wü­tend – und vol­ler Angst“, er­klärte die In­itia­to­rin Do­ris Kom­me­rell in ei­ner kur­zen Ein­gangs­rede: „Es ist fast nicht aus­zu­hal­ten.“

Der Wunsch, „sich mit an­de­ren zu tref­fen, die ähn­lich den­ken und füh­len“, sei Grund für die Zu­sam­men­kunft ge­we­sen, um „die Sor­gen und Ängste mit­ein­an­der zu tei­len, statt al­leine zu sein.“ Auch, „auf die Straße zu ge­hen, um ein sicht­ba­res Zei­chen zu set­zen ge­gen die­sen Krieg“. So­wie: „um So­li­da­ri­tät aus­zu­drü­cken“ mit den Men­schen, die in der Ukraine di­rekt be­trof­fen sind.

„Frie­den be­ginnt hier“ wei­ter­le­sen

„Der Wächter“ ist umgekippt

Kurz­mel­dung
Nach­dem un­längst der groß­kopfete Daim­ler im Schloss­park von sei­nem So­ckel ge­stürzt wurde, ist jetzt auch das Kunst­werk „Der Wäch­ter“ in des­sen un­mit­tel­ba­rer Nähe um­ge­kippt. Es stammt von dem 1934 in Schorn­dorf ge­bo­re­nen Karl-Heinz Ei­sele.

Frie­der Stöckle schrieb dazu auf der Skulp­tu­ren-Seite des Kul­tur­fo­rums: „Ein Wäch­ter im Um­kreis des Burg­schlos­ses. Eine Kör­per-Kopf-Helme­xis­tenz, die mit der krie­ge­ri­schen his­to­ri­schen Rea­li­tät spielt und gleich­zei­tig an den »Wäch­ter in uns« ap­pel­liert: Seid auf der Hut! Seht euch vor! Be­dro­hun­gen lau­ern über­all…“

Informationen gegen Kriegsangst

Sahra Wa­gen­knecht (Foto: Ni­cole Teu­ber)

Kurz­mel­dung
Auf­fal­lend ge­häuft war am Sams­tag auf dem Markt in Ge­sprä­chen im­mer die glei­che Frage zu hö­ren: „Und: Gibt es Krieg?“ Ent­spre­chende Ängste stam­men aus den Me­dien, wie etwa der FAZ-Mel­dung: „Russ­land ist be­reit für ei­nen Krieg“.

Die Hin­ter­gründe des Streits um die Ukraine hat Sahra Wa­gen­knecht (MdB, Par­tei: „Die Linke“) in ih­rer Wo­chen­schau in 24 Mi­nu­ten er­klärt: Nach dem Fall der Mauer hatte sich die rus­si­sche Re­gie­rung mi­li­tä­risch aus dem Ge­biet der DDR zu­rück­ge­zo­gen. Im Ge­gen­zug habe die Nato ver­spro­chen, sich nicht wei­ter in Rich­tung Russ­land aus­zu­wei­ten. Die­ses Ver­spre­chen sei mitt­ler­weile mehr­fach ge­bro­chen wor­den. Jetzt strebe die Nato an, die Ukraine in ihr Bünd­nis zu zie­hen.

Wer sich mit ei­ner rein west­li­chen Dar­stel­lung der Vor­gän­gen dort nicht zu­frie­den ge­ben will, er­fährt über die deutsch­spra­chige Zei­tung „Rus­sia to­day“ (RT DE) die rus­si­sche Sicht­weise. Auch der Jour­na­list Bo­ris Reit­schus­ter, der lange Zeit in Russ­land lebte, hat sich mit die­sem Thema be­fasst. Des­glei­chen der Blog­ger Tho­mas Rö­per, der Über­set­zun­gen von Be­rich­ten rus­si­scher Me­dien ver­öf­fent­licht. Und der Frie­dens­for­scher Da­niele Gan­ser er­klärte be­reits 2014, wie die Nato via Me­dien die „Hei­mat­front“ auf ihre Ziele ein­stimme: „Den Geg­ner, in die­sem Fall Pu­tin, dä­mo­ni­sie­ren, Chaos schü­ren und die ei­gene Ge­walt ver­de­cken.“

Der Baum und die Frauen

Der Berg­ahorn am Schloss ist nun end­gül­tig um­ge­sägt wor­den, nach­dem er lange Zeit schon nicht mehr grünte. Mit sei­ner weit­aus­la­den­den Krone gab er ein ein­drucks­vol­les Bild ab, und war „we­gen sei­ner Wir­kung am Stand­ort und sei­ner öko­lo­gi­schen Be­deu­tung“ zum Na­tur­denk­mal er­klärt wor­den, wie die zu­stän­dige Pres­se­stelle des Fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums auf An­frage er­klärte.

Sein Al­ter wird auf 150 Jahre ge­schätzt, er stammt also aus Zei­ten, da die Welt kom­plett an­ders aus­sah: ohne Au­tos, ohne Fuß­ball­bun­des­liga, ohne elek­tri­sches Licht und Frau­en­wahl­recht. Wo­bei just im Jahr 1872, sei­nem an­ge­nom­me­nen „Ge­burts­jahr“, tat­säch­lich eine Frau für das Amt der US-Prä­si­dent­schaft kan­di­dierte: Vic­to­ria Wood­hull.

Und am 11. März 1872 be­gann in Leip­zig ein Pro­zess ge­gen Au­gust Be­bel und Wil­helm Lieb­knecht we­gen „Hoch­ver­rats“: Sie hat­ten sich anno 1870 bei der Be­wil­li­gung von Kre­di­ten für den Krieg ge­gen Frank­reich der Stimme ent­hal­ten. Spä­ter schlu­gen sie ei­nen Frie­dens­ver­trag „un­ter Ver­zicht­leis­tung auf jede An­ne­xion fran­zö­si­schen Ge­bie­tes“ vor, wes­halb sie we­gen Lan­des­ver­rats in­haf­tiert wur­den.

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Eine Frage der Logik

Kurzglosse
Man liest im­mer wie­der, es rei­che al­lein die Ver­mu­tung, dass ein Reichs­bür­ger bei den Mon­tags­spa­zier­gän­gen mit­läuft, um diese zu rechts­ex­tre­mis­ti­schen Ver­an­stal­tun­gen zu er­klä­ren. Nun drängt sich ak­tu­ell die Frage auf: Wie ist dann die Men­schen­kette des „Schorn­dor­fer Ap­pells“ von vo­ri­gem Diens­tag zu be­zeich­nen, nach­dem sich dort eine Mon­tags­spa­zier­gän­ge­rin ein­ge­reiht hatte?

Müsste man nach den Re­geln der Lo­gik nicht schluss­fol­gern, dass diese Ak­tion so­mit ein Mon­tags­spa­zier­gang ge­wor­den ist?

In der Schule ha­ben wir ge­lernt: Wenn A gleich B ist, und B gleich C, muss fol­ge­rich­tig A auch gleich C sein. Fürs Le­ben ge­lernt, über­tra­gen wir also: Wenn die Men­schen­kette durch jene Frau zu ei­nem Mon­tags­spa­zier­gang wird, und wenn ein Mon­tags­spa­zier­gang eine rechts­ex­tre­mis­ti­sche Ver­an­stal­tung ist, ist lo­gi­scher­weise auch diese Men­schen­kette eine rechts­ex­tre­mis­ti­sche Ak­tion.

Oder an­ders ge­sagt: Die Men­schen­kette hat ihre Un­schuld ver­lo­ren.

Wie geht Versöhnung, Pfarrer Kessler?

In­ter­view
Mo­men­tan er­hit­zen sich in Schorn­dorf die Ge­mü­ter über un­ter­schied­li­che Ein­stel­lun­gen zu den po­li­ti­schen Maß­nah­men, die die Re­gie­rung den Men­schen auf­er­legt. Bernd Hornikel, un­ser ge­wähl­ter neuer OB, er­klärte un­längst, er halte es dies­be­züg­lich mit Ex-Bun­des­prä­si­dent Jo­han­nes Rau und des­sen Motto „Ver­söh­nen statt spal­ten“. Doch wie lässt sich dies in der Pra­xis be­werk­stel­li­gen? Wir ha­ben die Ver­tre­ter der hie­si­gen Kir­chen ge­fragt, die sich mit dem Thema Nächs­ten­liebe und Ver­ge­bung („Wie auch wir ver­ge­ben un­se­ren Schul­di­gern) am bes­ten aus­ken­nen: Wie geht Ver­söh­nung?
Heute: Pfar­rer Wolf­gang Kess­ler, ka­tho­li­sche Kir­che

„‚Wir wer­den ein­an­der viel zu ver­zei­hen ha­ben.‘ Die­ser be­kannte Satz macht deut­lich, dass wir auf Ver­ge­bung an­ge­wie­sen sind. Auch er­fah­ren wir im All­tag, dass wir in Be­geg­nun­gen und mensch­li­chen Be­zie­hun­gen man­ches ’schul­dig‘ blei­ben. Es kommt da­bei auf die Per­spek­tive an: Sehe ich mich im Recht oder stehe ich zu mei­ner Schuld?

„Wie geht Ver­söh­nung, Pfar­rer Kess­ler?“ wei­ter­le­sen

So entstehen Feindbilder

Gast­bei­trag von Eve Gi­deon
Wer Kriege, auch Bür­ger­kriege ver­mei­den will, der hört dem an­de­ren zu, ver­sucht zu ver­ste­hen, lässt Be­den­ken und Sor­gen zu Wort kom­men, nimmt ernst.

Wer je­doch Recht ha­ben will, zu den Gu­ten, den „Rich­ti­gen“ zäh­len, der schiebt den an­de­ren weg, in Ver­ur­tei­lungs­schub­la­den. So­fort. So kommt es, dass Men­schen sich ge­gen Men­schen het­zen las­sen. Im­mer wie­der.

Es ist er­schre­ckend, wie we­nig an­sprech­bar viele Men­schen sind, wenn ich er­klä­ren möchte, warum ich nicht „ge­impft“ bin. Was mir da ent­ge­gen­schlägt, ist we­der Re­spekt noch So­li­da­ri­tät als Mit­mensch, son­dern Ver­let­zen­des, Wut, Ab­wehr.

Mit ein­sei­ti­ger Be­richt­erstat­tung wer­den Ge­sell­schaf­ten ge­spal­ten. Die nicht so mit­spie­len, wie von oben ge­wünscht, wer­den über­hört, als böse, dumm und laut dar­ge­stellt. So ent­ste­hen Feind­bil­der, so ent­steht Hass, so ent­steht Krieg. Und im­mer gibt es ei­nige, die dar­aus ih­ren Vor­teil zie­hen.

Schön wäre es, wenn Men­schen ihr Ur­teil nicht z.B. der Zei­tung ent­neh­men, son­dern sich selbst und ei­gen­stän­dig ein Bild ma­chen, hin­schauen, zu­hö­ren. Es ist höchste Zeit, mit­ein­an­der zu re­den, uns wie­der als Men­schen zu be­geg­nen. So­li­da­risch. Mit Re­spekt.

Den Dialog in der Menschenkette gesucht

Ein Mann si­gna­li­siert Herz­ver­bun­den­heit mit der Men­schen­kette

Rund 350 Per­so­nen hat­ten sich am Diens­tag in Schorn­dorfs In­nen­stadt zu ei­ner Men­schen­kette for­miert. Sie folg­ten da­mit dem „Schorn­dor­fer Ap­pell“ für So­li­da­ri­tät und ge­gen Spal­tung. Un­ter ih­nen be­fand sich auch eine Frau, die dort den Dia­log suchte. Tags zu­vor war sie an glei­cher Stelle beim Mon­tags­spa­zier­gang mit von der Par­tie ge­we­sen. Sie be­rich­tete uns von ih­ren Ge­sprä­chen.

Be­vor sich die Kette for­mierte, hatte die Frau be­reits eine ihr be­kannte Ärz­tin an­ge­spro­chen mit den Wor­ten: „Es ist ja schön, dass ich heute hier bei Tag laufe, und dass es nicht so kalt ist wie ges­tern.“ Diese sei „sehr über­rascht ge­we­sen, ja, fast sprach­los, dass eine Mon­tags­spa­zier­gän­ge­rin auch hier da­bei ist.“ Nach de­ren An­sicht ginge man für ganz un­ter­schied­li­che Werte auf die Straße, und mon­tags seien es die Rechts­ex­tre­mis­ten, wor­auf­hin die Frau der Ärz­tin er­klärte: „Also, mir kann man Rechts­ex­tre­mis­mus nicht vor­wer­fen, ich bin mit ei­nem Aus­län­der ver­hei­ra­tet“. So dass die Ärz­tin eine an­dere Ab­gren­zungs­de­fi­ni­tion an­brachte: „Wir sind hier, weil wir so­li­da­risch sind, und die Mon­tags­spa­zier­gän­ger sind un­so­li­da­risch.“

„Den Dia­log in der Men­schen­kette ge­sucht“ wei­ter­le­sen

Brigitte Aldinger deutlich vor Boris Palmer

Kurz­mel­dung
Nach­dem zur Ober­bür­ger­meis­ter­wahl in Waib­lin­gen mit Se­bas­tian Wolf nur ein ein­zi­ger Kan­di­dat an­ge­tre­ten war, ha­ben am Sonn­tag ins­ge­samt 290 Wäh­le­rIn­nen auf ih­rem Stimm­zet­tel eine Per­son in der freien Zeile ein­ge­tra­gen, die sie sich statt­des­sen als neues Stadt­ober­haupt wün­schen. Die meis­ten Stim­men er­hielt dort Bri­gitte Al­din­ger, die vo­ri­ges Jahr in Schorn­dorf bei der OB-Wahl kan­di­diert hatte und die auch zur Bun­des- und Land­tags­wahl 2021 für „die Ba­sis“ an­ge­tre­ten war.

Mit 26 der für sie ab­ge­ge­be­nen Stim­men lag die Schorn­dor­fe­rin vor dem seit­he­ri­gen Amts­in­ha­ber An­dreas Hesky, der 21 Stim­men er­hielt. Auf Platz 3 lan­dete mit 16 Stim­men SPD-Stadt­rat Urs Abe­lein und auf Platz 4 Tü­bin­gens OB Bo­ris Pal­mer. Er er­rang mit 14 Stim­men nur knapp mehr als die Hälfte von Al­din­gers Er­geb­nis.

Die 290 Ein­träge in der freien Zeile ent­spre­chen 3,6 Pro­zent al­ler ab­ge­ge­be­nen Stim­men bei der Waib­lin­ger OB-Wahl. Die Wahl­be­tei­li­gung be­trug 19,42 Pro­zent, d.h. nur 8.139 Bür­ge­rIn­nen hat­ten sich daran be­tei­ligt.

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