500 Demonstranten am Rathaus anno 1933

Nach­dem Adolf Hit­ler vor knapp 90 Jah­ren zum Reichs­kanz­ler er­nannt wor­den war (der 30. Ja­nuar 1933 ist als Tag der „Macht­er­grei­fung“ in die Ge­schichte ein­ge­gan­gen), gab es in ganz Deutsch­land De­mons­tra­tio­nen. Auch in Schorn­dorf ver­sam­mel­ten sich spon­tan 50 Kom­mu­nis­ten am 2. Fe­bruar vor dem Rat­haus und zo­gen dann sin­gend zum Au­gus­ten­platz, wie Bar­bara Ham­mer­schmitt in ih­rer Dis­ser­ta­tion „Schorn­dorf in der Zeit des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus“ be­schreibt. Drei Tage dar­auf, am 5. Fe­bruar, er­folgte eine wei­tere, „ge­mein­same Pro­test­ver­an­stal­tung von Ge­werk­schaf­ten, Kom­mu­nis­ten und So­zi­al­de­mo­kra­ten“. Da­bei fan­den sich laut Be­richt des da­ma­li­gen Po­li­zei­kom­mis­sars Stai­ger so­gar 500 Per­so­nen auf dem Markt­platz ein, „hinzu kom­men noch 500 Zu­hö­rer, so daß sich nach mei­ner Schät­zung etwa 1.000 Per­so­nen vor dem Rat­haus be­fun­den ha­ben.“

Bar­bara Ham­mer­schmitts For­schun­gen sind in den Hei­mat­blät­tern (Nr. 15) nach­zu­le­sen. So er­fah­ren wir dort, der NS­DAP-Orts­grup­pen­lei­ter Schauf­ler habe sich an­schlie­ßend be­schwert, dass die Po­li­zei eine „Ver­höh­nung“ des Reichs­kanz­lers in ih­ren Ge­sän­gen nicht un­ter­bun­den habe. Bür­ger­meis­ter Raible ent­geg­nete ihm: „Am Sonn­tag, den 5. Fe­bruar ds. Js., be­stand voll­stän­dige Ver­samm­lungs­frei­heit. Der Auf­marsch war we­der an­zeige- noch ge­neh­mi­gungs­pflich­tig.“ Eine an­ders­lau­tende, am 4. Fe­bruar er­gan­gene Ver­ord­nung des Reichs­prä­si­den­ten „zum Schutze des deut­schen Vol­kes“ sei im Reichs­ge­setz­blatt erst am 6. Fe­bruar ver­öf­fent­licht wor­den, und dann am 9. Fe­bruar 1933 beim Bür­ger­meis­ter­amt in Schorn­dorf ein­ge­gan­gen.

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Gabriele Koch: Pionierin im Rathaus

In­ter­view
Ga­briele Koch ist Schorn­dorfs erste Frau, die im Rat­haus eine Amts­lei­ter­stelle ein­nahm. Das war 1992. Jetzt hat sie ihr 40-jäh­ri­ges Dienst­ju­bi­läum ge­fei­ert. An­lass für uns, sie nach ih­ren Er­fah­run­gen zu be­fra­gen.

Warum ha­ben Sie sich für die öf­fent­li­che Ver­wal­tung als Be­ruf ent­schie­den?
Ur­sprüng­lich wollte ich Leh­re­rin wer­den. Dann hat mir aber eine Freun­din, die ge­rade die Aus­bil­dung für den ge­ho­be­nen Dienst machte, so be­geis­tert von den viel­sei­ti­gen und in­ter­es­san­ten Auf­ga­ben aus ei­ner Mi­schung von Rechts­be­rei­chen und Pra­xis  be­rich­tet, dass ich mich beim ört­li­chen  Rat­haus er­kun­digt habe und mich kurz dar­auf be­wor­ben habe.

Wel­ches Lob für Ihre Ar­beit hat sie am meis­ten ge­freut?
Ich freue mich im­mer, wenn mir je­mand sagt, dass er sich gerne an mich wen­det, weil er sich bei mir ernst ge­nom­men und gut auf­ge­ho­ben fühlt.

Über wel­che Re­ak­tion ei­nes Men­schen, der sie „nur“ für die Se­kre­tä­rin hielt, ha­ben sie am meis­ten la­chen kön­nen?
Das ist mir ei­gent­lich nie pas­siert – oder ich habe es ein­fach über­hört.

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Hornikel will mit Spaziergängern reden

Bei sei­ner Wahl zum Ober­bür­ger­meis­ter von Schorn­dorf sagte Bernd Hornikel Ende No­vem­ber: „Ich will der Ober­bür­ger­meis­ter für alle sein.“ Vo­rige Wo­che ver­schaffte er sich beim Mon­tags­spa­zier­gang mit ei­ge­nen Au­gen ein Bild von den Men­schen, die in Schorn­dorf ge­gen die Maß­nah­men auf die Straße ge­hen. Und das, wie er sagt, ob­wohl er um diese Uhr­zeit ei­gent­lich noch in Lud­wigs­burg als stell­ver­tre­ten­der Amts­lei­ter ein­ge­spannt ist, und sel­ten vor 20.30 Uhr nach Hause kommt. Wir ba­ten ihn um seine Ein­schät­zung und Ein­drü­cke des­sen, was er an je­nem Mon­tag vor­fand.

Zu­nächst legt Bernd Hornikel Wert auf die Fest­stel­lung, dass er an die­sem Abend als Pri­vat­per­son un­ter­wegs war, und dass er auch nur vom Markt­platz bis zur Ecke Palm-/Ar­chiv­straße am Ende des Zugs ne­ben Thors­ten Eng­lert mit­ge­gan­gen sei. Mit Men­schen in­ner­halb des Zugs sei er da­her nicht ins Ge­spräch ge­kom­men. Zum ei­nen we­gen der Kürze der Weg­stre­cke, zum an­de­ren aber auch, „weil ich keine of­fi­zi­elle Rolle habe. Ich kann mich da im Mo­ment noch nicht ein­mi­schen“.

Er habe die Spa­zier­gän­ger als fried­lich wahr­ge­nom­men, „im Sinne von feh­len­der öf­fent­li­cher Ag­gres­sion“. Ob Schorn­dorf mit die­ser Fried­fer­tig­keit, die auch von Po­li­zei­seite bis­lang stets at­tes­tiert wurde, eine Aus­nahme in der deutsch­land­wei­ten Be­we­gung dar­stellt, könne er we­der be­stä­ti­gen noch ne­gie­ren: „Ich war bei kei­nem an­de­ren Spa­zier­gang da­bei.“

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Eine Seilbahn nach Schlichten?

Kurz­mel­dung
Stadt­rat Pe­ter Schwan (FDP/​FW) hat sich Ge­dan­ken ge­macht, wie Schorn­dorf bis 2035 kli­ma­neu­tral wer­den kann. In der ak­tu­el­len Aus­gabe von „Schorn­dorf ak­tu­ell“ schlägt der Elek­tro-Fach­mann für un­se­ren ört­li­chen Per­so­nen­nah­ver­kehr eine „Ur­bane Seil­bahn“ vor, die Schlich­ten, Ober- und Un­ter­ber­ken „an die Stadt­mitte an­bin­den“ könnte, „mit Zwi­schen­stopp in Schorn­bach, Schorn­dorf-Nord und Kran­ken­haus“. Sie sei kli­ma­freund­lich, da „mit grü­nem Strom be­trie­ben“, es brau­che kei­nen Fahr­plan, weil die Ka­bi­nen stän­dig „im Um­lauf“ seien, und För­der­gel­der gebe es oben­drein.

Gänz­lich neu ist diese Idee nicht. Be­reits am 12. De­zem­ber 1914 war im „Schorn­dor­fer An­zei­ger“ zu le­sen, dass der „durch seine For­schun­gen auf ver­schie­de­nen Ge­bie­ten der Na­tur­kunde be­kannte und ver­diente würt­tem­ber­gi­sche Ge­lehrte Geh. Hof­rat Prof. Dr. Au­gust von Schmidt“ bei ei­ner Sit­zung des Würt­tem­ber­gi­schen Be­zirks­ver­eins Deut­scher In­ge­nieure (in An­we­sen­heit von Graf Zep­pe­lin) in Stutt­gart ein ähn­li­ches Pro­jekt vor­stellte: den Bau „ei­ner Draht­seil­bahn Ber­lin-Kon­stan­ti­no­pel-Bag­dad zur Be­för­de­rung von Mas­sen­gü­tern an Stelle der Be­nüt­zung des See­wegs“.

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Thorsten Englert beim Montagsspaziergang

Beim jüngs­ten Mon­tags­spa­zier­gang wa­ren in Schorn­dorf laut Po­li­zei „ge­schätzt 380 Leute“, laut Be­tei­lig­ten 500 Men­schen in der Stadt un­ter­wegs. Nach Aus­kunft von Stadt­rat Lars Haise hatte Thors­ten Eng­lert, der Erste Bür­ger­meis­ter, am Vor­mit­tag im Äl­tes­ten­rat er­klärt, dass er die All­ge­mein­ver­ord­nung vom 24. De­zem­ber 2021 und da­mit das Ver­bot sol­cher Spa­zier­gänge auf­ge­ho­ben habe. Als Grund da­für habe er ge­nannt, dass ein ähn­li­ches Ver­bot in Bad Mer­gen­theim vom Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart am 12. Ja­nuar ge­kippt wurde.

In sei­ner Be­grün­dung schreibt das Ge­richt, „dass die All­ge­mein­ver­fü­gung al­ler Vor­aus­sicht nach des­halb rechts­wid­rig sei, weil das prä­ven­tive Ver­samm­lungs­ver­bot nicht den ver­fas­sungs­recht­li­chen Vor­ga­ben der Ver­samm­lungs­frei­heit ge­nüge“. Au­ßer­dem stelle ein Ver­stoß ge­gen die An­mel­de­pflicht „noch keine un­mit­tel­bare Ge­fähr­dung der öf­fent­li­chen Si­cher­heit dar“. Und: „Schließ­lich werde durch die All­ge­mein­ver­fü­gung auch die Ver­samm­lungs­frei­heit von Ver­samm­lungs­teil­neh­mern be­schränkt, die nicht die Ab­sicht hät­ten, ge­walt­tä­tig zu wer­den.“

Thors­ten Eng­lert selbst ging am Abend am Ende des Zugs mit. Auch Bernd Hornikel, der ge­wählte Ober­bür­ger­meis­ter, ver­schaffte sich dort ei­nen Ein­druck von der Ver­samm­lung. Des­glei­chen wa­ren die Land­tags­ab­ge­ord­nete Pe­tra Häff­ner (Grüne) und der Bun­des­tags­ab­ge­ord­nete Jür­gen Braun (AfD) da­bei. Auf An­frage, wie das ak­tu­elle Stadt­ober­haupt die Ge­scheh­nisse ein­schätzt, schickte die städ­ti­sche Pres­se­stelle eine Pres­se­mit­tei­lung zur Auf­he­bung des Spa­zier­gang-Ver­bots mit dem Hin­weis „Herr Eng­lert wird sich nicht wei­ter dazu äu­ßern.“

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Gefährliches Gedankengut

Kom­men­tar
Der Satz an sich kommt schein­bar völ­lig harm­los da­her: „Bes­ser ist es, über ein­zelne Maß­nah­men zu dis­ku­tie­ren.“ So ge­schrie­ben von ZVW-Re­dak­teur Hin­der­ber­ger in der Sams­tags­aus­gabe der „Schorn­dor­fer Nach­rich­ten“. Dass er sich selbst da­mit in höchste Ge­fahr ge­bracht hat, wird ihm da­her zu­nächst nicht be­wusst sein.

Viel­leicht ist es Zu­fall. Viel­leicht weiß er gar nicht, dass die­ser Vor­schlag ge­nau das ist, wozu das Orga-Team der Quer­den­ker-De­mos in Schorn­dorf be­reits im April vo­ri­gen Jah­res auf­ge­ru­fen hat: dass man ei­nen Dia­log be­gin­nen solle über die Maß­nah­men der Po­li­tik zur Pan­de­mie­be­kämp­fung. Alle hie­si­gen Stadt­rä­tin­nen und Stadt­räte wur­den dazu ein­ge­la­den, der Ober­bür­ger­meis­ter so­wieso.

Wenn Hin­der­ber­ger nun ins glei­che Horn stößt, be­gibt er sich auf höchst ge­fähr­li­ches Ter­rain. Schließ­lich ist sein Kol­lege Roth ein Re­cher­che-As, eine Art Trüf­fel­schwein, das auf der Su­che nach po­li­tisch bri­san­tem Ma­te­rial selbst das kleinste Fit­zel­chen an Be­weis­ma­te­rial zu­tage för­dern kann, mag es auch noch so ver­bor­gen sein.

Wenn er nun die­sen Satz ent­deckt, wird er sei­nem Kol­le­gen un­wei­ger­lich die „Ver­brei­tung von Ge­dan­ken­gut der Quer­den­ker“ at­tes­tie­ren müs­sen. Falls die­ser Arme sich dann nicht schnells­tens da­von di­stan­ziert, steht zu be­fürch­ten, dass er sich wohl über kurz oder lang „auf ei­ge­nen Wunsch“ eine neue Ar­beits­stelle su­chen muss.

Die Jahreslosung für 2022

„Je­sus Chris­tus spricht: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht ab­wei­sen“, so lau­tet die Jah­res­lo­sung für 2022. An­ge­sichts herr­schen­der Hy­gie­never­ord­nun­gen stellt dies eine große Her­aus­for­de­rung für die Kir­che dar. Doch wurde der Jah­res­spruch be­reits vor 3 Jahre fest­ge­legt, wie auf der Home­page des Ver­lags am Birn­bach steht. Dort kann man auch das von Ste­fa­nie Bah­lin­ger ge­stal­tete Mo­tiv her­un­ter­la­den.

Pas­send zu die­ser Lo­sung lie­fert der Theo­loge Dr. Eu­gen Dre­wer­mann eine Neu­jahrs­an­spra­che mit dem Ti­tel „Auf­ein­an­der zu­ge­hen in Zei­ten der Spal­tung“. Sein An­satz: Je­sus hat sich über die zu sei­ner Zeit gel­ten­den Rein­heits­vor­schrif­ten hin­weg­setzt und Aus­sät­zige be­rührt (Mk 1,41).

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Paula Haushahn

Foto: Fa­mi­lie Haus­hahn

Ge­denk­tag
Heute vor 123 Jah­ren kam Paula Haus­hahn zur Welt. Sie war Schorn­dorfs erste Lo­kal­jour­na­lis­tin. 1888 hatte ihr Va­ter, der Buch­dru­cke­rei­be­sit­zer Adolf Haus­hahn, die de­mo­kra­ti­sche Zei­tung „Schorn­dor­fer Volks­blatt“ ge­grün­det, für das sie Be­richte ver­fasste und als An­zei­gen­lei­te­rin fun­gierte.

Als Haus­hahns Ver­lag samt Buch­dru­cke­rei im Jahr 1940 von der NS-Presse über­nom­men wurde, musste sie ih­ren Le­bens­un­ter­halt ge­zwun­ge­ner­ma­ßen beim „Schorn­dor­fer Kreis­blatt“ ver­die­nen. Be­acht­lich ist, dass sie dort dem Ver­lags­lei­ter Vik­tor Ma­thio­szek, der nach ih­ren Aus­sa­gen ein „ty­pi­scher Nazi mit dem gol­de­nen Par­tei­ab­zei­chen“ war, in der Ge­schäfts­stelle Haus­ver­bot er­teilte, und ihn schließ­lich aus sei­nem Amt ver­trieb. Und dies, ob­wohl der Schrift­lei­ter der Zei­tung, Dr. Böh­mer, „nie ge­wagt hat, ihm die Türe zu wei­sen, auch wenn er ihn noch so be­lei­digt und ge­quält hat“.

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Lina und Emil sind am beliebtesten

Laut Sta­tis­tik des Schorn­dor­fer Stan­des­amts wurde im ver­gan­ge­nen Jahr der Name „Lina“ am häu­figs­ten für neu­ge­bo­rene Mäd­chen ge­wählt. In den bei­den Jah­ren zu­vor war es „Emma“ ge­we­sen. Die­ser Name ist in­zwi­schen auf Rang 7 „ab­ge­stie­gen“, kam statt 12-mal nur noch 4‑mal in der Liste vor. Bei den Jun­gen hat „Emil“ den Spit­zen­rei­ter von 2020, „Luca“, ab­ge­löst. Die­ser wurde statt 9‑mal jetzt nur noch zwei­mal ver­ge­ben.

2021 ka­men in Schorn­dorf ins­ge­samt 677 Kin­der zur Welt. Das sind 29 mehr als im Vor­jahr. Die Rang­folge der be­lieb­tes­ten Vor­na­men bei Mäd­chen sieht so aus:
Lina (8‑mal), Ella und Emi­lia (je 7‑mal), Lea, Ma­rie und Mila (je 5‑mal). Je 4‑mal: Emma, Merle, Mia, Nora, Paula und So­phie; je 3‑mal: Ame­lie, Anna, Clara, Elena, He­len, Isa­bella, Lena, Lilly, Ma­lia, Ma­ria, Me­lina, Nele, Ronja und Sara. Je 2‑mal: Alisa, An­to­nia, Aria, Edda, Finja, Fiona, Frida, Frieda, Han­nah, Ju­lia, Lara, Leni, Leo­nie, Leya, Lia, Liana, Lotta, Luana, Luisa, Lynn, Maila, Ma­lin, Neyla, Romy, So­phia, Va­len­tina und Vic­to­ria.

„Lina und Emil sind am be­lieb­tes­ten“ wei­ter­le­sen
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