Ein „neues Aufblühen ersprießlicher Arbeit“

Zu Sil­ves­ter 1919 ha­ben Schrift­lei­tung und Ver­lag des „Schorn­dor­fer An­zei­gers“ fol­gen­den Neu­jahrs­gruß ent­bo­ten:

„Dunk­ler als zu ir­gend ei­ner Zeit liegt dies­mal das neue Jahr vor uns und ban­gen­den Her­zens und sor­gen­vol­len Bli­ckes schauen wir der Zu­kunft ent­ge­gen. Ist drau­ßen auch des Krie­ges wilde Flamme er­lo­schen, so glimmt doch die haßer­füllte Rach­gier der Geg­ner noch un­ter der Asche fort, be­reit, auf den lei­ses­ten Wind­hauch wie­der em­por­zu­lo­dern.

Wohl wird von al­len Sei­ten das Ta­gen ei­nes neuen deut­schen Mor­gens, ei­nes Mor­gens der ‚Frei­heit‘ und des ‚Rechts‘ an­ge­kün­digt, doch scheint seine Däm­me­rung zur Vor­sicht zu mah­nen und eine allzu ro­sige Er­schei­nung nicht an­zu­deu­ten.

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„Frauen sichtbar machen!“

Die Frau­en­geschichts­werk­statt (FGW) Schorn­dorf hat jetzt eine ei­gene Home­page. Der Haupt­grund da­für: Frauen und ihre Ge­schichte sol­len auf diese Weise sicht­bar ge­macht wer­den.

Die Liste „Söhne und Töch­ter Schorn­dorfs“ auf der In­ter­net­seite der Stadt um­fasste vor fünf Jah­ren 44 Män­ner und nur 2 Frauen. Im neuen „Per­so­nen­le­xi­kon“ auf der FGW-Home­page sind nun 33 Na­men von Frauen auf­ge­lis­tet, die hier ge­bo­ren wur­den, hier leb­ten oder ihre letzte Ruhe fan­den. Un­ter ih­nen sind jene 13 Schorn­dor­fe­rin­nen, die be­reits vom Frau­en­stadt­rund­gang her be­kannt sind, wie etwa Dr. Ilse Beiss­wan­ger, die Würt­tem­bergs erste Rich­te­rin war, oder die Stif­te­rin des Pfarr­töch­ter­heims, Ma­rie Schmid. Aber auch Per­so­nen, de­ren Er­for­schung noch ganz am An­fang steht, sind da auf­ge­führt: bei­spiels­weise Anna Eber­hard, die rüh­rige Grün­de­rin des land­wirt­schaft­li­chen Haus­frau­en­ver­eins 1916, die auch po­li­tisch ak­tiv war, oder die Schrift­stel­le­rin Hanna Chris­tal­ler, die hier ge­bo­ren wurde.

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Selma Maier

Ge­denk­tag
Heute vor 30 Jah­ren starb Selma Maier.
Die Schwes­ter von Rein­hold Maier (Ba­den-Würt­tem­bergs ers­tem Mi­nis­ter­prä­si­den­ten) war eine der ers­ten sie­ben Frauen, die in Würt­tem­berg ein Phar­ma­zie-Stu­dium ab­sol­vier­ten.

1892 in Schorn­dorf als vier­tes von fünf Kin­dern des Bau­un­ter­neh­mers und Stadt­bau­meis­ters Gott­lieb Maier ge­bo­ren, machte Selma Maier 1914 zu­sam­men mit ih­rer Schwes­ter Emma (geb. 1896) das Ab­itur an der Ober­re­al­schule Ess­lin­gen. Sie war ma­the­ma­tisch au­ßer­or­dent­lich be­gabt und wollte Ar­chi­tek­tur stu­die­ren. Aus wirt­schaft­li­chen Grün­den ent­schloss sie sich dann aber zu ei­ner Apo­the­ker­aus­bil­dung. Auf vier Jahre Lehr- und Ge­hil­fen­zeit folgte ein 4‑semestriges Stu­dium.

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Weihnachtsgedanken vor gut 100 Jahren

Zu Be­ginn des vo­ri­gen Jahr­hun­derts er­lebte Eu­ropa eine ähn­lich be­drückte Weih­nachts­zeit wie wir heute. Da­mals wa­ren die Na­tio­nen in ei­nen un­sin­ni­gen Krieg ge­zo­gen, den sie nicht ge­win­nen konn­ten.
Am 24. De­zem­ber 1919 schrieb der ge­bür­tige Ess­lin­ger Ge­org Hein­rich von Planck in sei­ner Funk­tion als Prä­lat von Ulm im „Schorn­dor­fer An­zei­ger“ dies:

„Weih­nach­ten ist wie­der ge­kom­men. Ob wir uns da­vor ge­fürch­tet, ob wir uns dar­auf ge­freut – es ist da, und wir ver­neh­men wie­der  das Wort aus En­gels­mund: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Er­den und den Men­schen ein Wohl­ge­fal­len!

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„Wo würden wir Jesus heute finden?“

Zwei his­to­ri­sche Er­eig­nisse stan­den im Mit­tel­punkt der Weih­nachts-Frie­dens-Demo, ver­an­stal­tet von der In­itia­tive „El­tern für Auf­klä­rung und Frei­heit“ ges­tern Abend auf dem Markt­platz: die Ge­burt Christi so­wie der Auf­stand der „Schorn­dor­fer Wei­ber“ anno 1688.

„Ihr Wei­ber von Schorn­dorf seid Ihr hier?“ rief An­drea W. ins Mi­kro­phon, was aus der Menge der ca. 150 An­we­sen­den mit kla­rem „Ja!“ be­ant­wor­tet wurde. Die Red­ne­rin er­in­nerte daran, wie im De­zem­ber vor 332 Jah­ren an glei­cher Stelle, di­rekt vor dem Rat­haus, mu­tige Frauen da­für sorg­ten, dass Schorn­dorf nicht für fran­zö­si­sche Trup­pen zur Plün­de­rung frei­ge­ge­ben wurde.

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Weihnachts-Friedens-Demo

An­kün­di­gung
Zu ei­ner „weih­nacht­li­chen Ver­samm­lung“ mit Pas­tor Eber­hard Schütt lädt die In­itia­tive „El­tern für Auf­klä­rung und Frei­heit“ am Diens­tag, 22. De­zem­ber, auf den Obe­ren und Mitt­le­ren Markt­platz. Be­ginn ist um 16,30 Uhr. An­ge­fragt als Red­ner für diese „Weih­nachts-Frie­dens-Demo“ ist zu­dem Pas­tor Chris­tian Stock­mann. Die mu­si­ka­li­sche Um­rah­mung liegt in den Hän­den von Pe­ter Meincke und Tromm­lern aus Wend­lin­gen. Auf dem „Frie­dens­boot“ wird Kin­dern eine Bühne ge­ge­ben.
Ei­gene Sitz­mög­lich­kei­ten und De­cken sol­len mit­ge­bracht wer­den, des­glei­chen al­ko­hol­freie Heiß­ge­tränke so­wie Ker­zen und „Frie­den im Her­zen“.

Klara Palm

Klara Palm   (Foto: Palm-Ar­chiv)

Ge­denk­tag
Heute vor 158 Jah­ren kam Klara Palm, geb. Reuss, zur Welt.
Sie ist Schorn­dorfs erste Ge­mein­rä­tin.

1919 ließ sich die da­mals 56-Jäh­rige, die seit zwei Jah­ren ver­wit­wet war und die Apo­theke am Markt­platz al­leine wei­ter­ge­führt hatte, von der „Würt­tem­ber­gi­schen Bür­ger­par­tei“ zur Wahl des Ge­mein­de­rats auf­stel­len.
Sie ver­fehlte den Ein­zug in die­ses Amt nur knapp und trat es am 18. Mai 1922 als Nach­rü­cke­rin an. In die­ser Funk­tion sorgte sie un­ter an­de­rem da­für, dass die Frau­en­ar­beits­schule an die elek­tri­sche Strom­ver­sor­gung an­ge­schlos­sen wurde.

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Die Zeiten ändern sich

Kom­men­tar
Wenn es um Men­schen- und Frei­heits­rechte ging, konnte man sich im­mer auf die SPD ver­las­sen.
Sie war es, die das Frau­en­wahl­recht ein­führte, und so­mit ein gro­ßes Un­recht an der Hälfte der Be­völ­ke­rung aus­räumte.

Sie war es, die 1933 ge­schlos­sen ge­gen das Er­mäch­ti­gungs­ge­setz stimmte.
Aus ih­ren Rei­hen kam die APO, die 1968 die Not­stands­ge­setze mas­siv kri­ti­sierte.
Ihr Ein­satz für Ent­rech­tete und Aus­ge­beu­tete brachte ihr den üb­len Vor­wurf von CDU-Ge­ne­ral­se­kre­tär Geiß­ler ein, sie sei die „5. Ko­lonne Mos­kaus“.
Diese Un­ter­stel­lung, sie lasse sich von Russ­land in­stru­men­ta­li­sie­ren, schüt­telte sie ab und setzte sich un­er­schro­cken wei­ter für eine ge­rech­tere Welt ein.

Auch in Schorn­dorf ist die SPD im­mer Weg­be­rei­te­rin für De­mo­kra­tie und Bür­ger­nähe ge­we­sen.
Sie war trei­bende Kraft in den An­fän­gen der Ma­nu­fak­tur, die fri­schen Wind in die Stadt­po­li­tik brachte – im­mer un­be­quem, und der Ob­rig­keit ein Dorn im Auge.
Ihr ist es zu ver­dan­ken, dass wir eine Frau­en­be­auf­tragte be­ka­men.

Und vor­ges­tern stand sie wie­der auf der Straße, hatte dazu auf­ge­ru­fen, öf­fent­lich Hal­tung zu zei­gen, weil „Quer­den­ker“ die Co­rona-Maß­nah­men der Re­gie­rung als will­kür­lich, über­trie­ben und un­mensch­lich be­zeich­nen, und mit Ver­glei­chen zur NS-Dik­ta­tur de­ren Op­fer ver­un­glimpf­ten.

Wie ha­ben sich doch die Zei­ten ge­än­dert:
Heute sagt kei­ner mehr: Sie lässt sich in­stru­men­ta­li­sie­ren.
Und von der Ob­rig­keit gibt’s ein fet­tes Lob.