Kurzmeldung« Mit 7 Kandidatinnen weist die AfD auf ihrer Liste für die Gemeinderatswahl am 9. Juni einen Frauenanteil von einem Drittel auf. Vor fünf Jahren waren es 5 Frauen gewesen, was 26 Prozent der seinerzeit 19 Namen auf der Liste entsprach. In diesem Jahr kandidieren insgesamt 21 Personen für diese Partei.
Auf Platz 1 wurde bei der Listenaufstellung wieder Lars Haise gewählt, der seit 2019 als Vorsitzender der 3 Männer umfassenden Fraktion seiner Partei im Schorndorfer Gemeinderat fungiert.
Ankündigung« Zum Internationalen Frauentag am Freitag, 8. März, lädt das Frauenforum in die Manufaktur ein. Dort wird um 17 Uhr der Film „Blue Jean“ gezeigt – kostenfrei. Er handelt von einer lesbischen Lehrerin, die in den 1980-er-Jahren in England lebt (hier der Trailer).
Ab 18.30 Uhr trifft frau sich zu „Kunst – Sekt – Gespräch“ im „Roten Salon“ neben dem Kino im 1. Stockwerk. Dabei wird die Schorndorfer Bildhauerin Ebba Kaynak ihre Skulptur „Frau.Leben.Freiheit.“ vorstellen und erläutern.
Um 19 Uhr beginnt eine Lesung aus dem Buch „Heute ist ein guter Tag das Patriarchat abzuschaffen“, das sieben Essays von „Feministinnen der 3. Generation“ enthält, unter ihnen laut Verlagsangaben „die muslimische Feministin, die werdende Mutter, ein:e nonbinäre Science-Fiction-Autorx“. Die anschließende Diskussion wird von der SPD-Stadträtin Sabine Reichle moderiert.
„Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe“, schreibt der Apostel Paulus in seinem 1. Korintherbrief. Diesen Satz hat die „Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen“ zur Losung für 2024 ausgewählt. Als einen „herausfordernden Satz“ empfindet ihn Pfarrfrau Renate Karnstein und fragt in ihrer Auslegung: „Meint Paulus mit ‚Alles‘ auch wirklich Alles?“
Hinzu kommt für sie, dass man sich stets selbstkritisch hinterfragt, ob das, was man mitunter meint, aus Liebe zu tun, möglicherweise mehr mit Eitelkeit oder Macht zu tun hat, etwa wenn in der Gemeinde „ein Amt so zur persönlichen Herzenssache wird, dass kein Raum bleibt für andere Sichtweisen“. Die Durchsetzung egoistischer Eigeninteressen komme nicht selten „als selbstloser Dienst getarnt“ daher.
Marguerite Porete, die vor über 700 Jahren in Frankreich als Wanderbegine lebte, setzte die Liebe komplett mit Gott gleich. In ihrem Buch „Der Spiegel der einfachen Seelen“ lässt sie die Seele sagen: „Ich bekenne es Euch, Frau Liebe: Es gab eine Zeit, da stand ich im Dienst der Tugenden, aber jetzt hat Eure Vornehmheit mich daraus befreit.“
Gedenktag« Heute vor 81 Jahren wurden Hans und Sophie Scholl hingerichtet, weil sie ab 1942 Flugblätter mit Kritik an ihrer Regierung verfasst und verteilt hatten. Im Burg Gymnasium Schorndorf ist aus diesem Anlass eine Ausstellung zu sehen, und zwar noch bis 1. März.
Neben den Scholls tötete der Staat damals fünf weitere Studenten aus der Gruppe der „Weißen Rose“ unter dem Vorwurf des „Volksverrats“. Einige Mitstreiterinnen kamen mit Gefängnis-Strafen davon, wie beispielsweise Susanne Hirzel, Gisela Schertling, Katharina Schüddekopf und Traute Lafrenz. Letztere bekam im Jahr 2019 den Verdienstorden der Bundesrepublik verliehen.
Zu ihrer aktiven Zeit damals galten diese politischen Aktivistinnen allerdings keineswegs als Helden der Demokratie. So erschienen etwa nach der Verurteilung der Geschwister Scholl in den „Münchner Neuesten Nachrichten“ Annoncen von Menschen mit gleichem Nachnamen, denen es wichtig war, darauf hinzuweisen, dass sie mit den Verurteilten weder verwandt noch bekannt seien.
Glosse« Schorndorf ist mal wieder Spitzenreiter im Lande. Diesmal in Sachen Künstlicher Intelligenz (KI). Diese segensreiche Erfindung, so sagt man uns, werde künftig Wahlen überflüssig machen, weil sie von sich aus ermitteln kann, wie die Menschen abstimmen werden.
In Schorndorf ist das bereits Realität. Im Technischen Ausschuss wird am heutigen Dienstag über die „Berichtigung des Flächennutzungsplans“ für die geplante Obdachlosenunterkunft in der Altlache beraten werden. Der Sitzungsvorlage ist auf Seite 2 zu entnehmen, dass dies nötig sei, weil der Gemeinderat „in seiner öffentlichen Sitzung am 14.03.2024 den Bebauungsplan ‚Altlache‘ beschlossen hat“.
Kommentar« Drei FDP-Abgeordnete aus dem Remstal stellen sich solidarisch neben die Grünen-Vorsitzende Ricarda Lang, die nach der Aschermittwoch-Veranstaltung in der Manufaktur Beschimpfungen erlebt hat. Doch dieser Schuss geht nach hinten los.
Denn: Wie können sie sich zu etwas äußern, bei dem sie nicht selbst dabei waren? Hat irgendeiner dieser drei Politiker zumindest mit denen gesprochen, die dort protestiert haben? Und vor allem: Wer die Bevölkerung dafür rügt, dass sie ihre Meinung kundtut, ist nicht gerade ein vorbildlicher Demokrat. Gut: Es kommt auf das Wie an, auch auf die Frage, wer protestiert. Doch dazu später.
Ankündigung« Ab Mitte Mai soll die Fußgängerzone in der Weststadt bis zum Stadtmauerrest verlängert werden. Diese temporäre Verkehrsberuhigung ist auf zwei Jahre angelegt. Darüber, wie der Bereich baulich gestaltet und mit welchen Events er bestückt wird, will das Citymanagement gemeinsam mit dem Weststadtverein am Montag, 19. Februar, um 18.30 Uhr im Rathaus informieren.
Nicht nur die rund 150 Meter Daimlerstraße sollen zu einer „Sommermeile“ mit „eine ganz neue Aufenthaltsqualität“ werden, sondern auch die ersten etwa 100 Meter Schlichtener Straße. Zusätzlicher positiver Effekt dort: Dann darf man mit dem Rad auch entgegen der seitherigen Einbahnstraße fahren, wodurch „die Zugänglichkeit zur Innenstadt verbessert“ wird.
Ankündigung« Zu seinem 9. „Politischen Aschermittwoch“ lädt der Rems-Murr-Kreisverband der Grünen am Mittwoch, 14. Februar, in die Manufaktur nach Schorndorf ein. Beginn ist um 19 Uhr
Mit dabei sein werden die Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Ricarda Lang, und der baden-württembergische Landtagsabgeordnete Erwin Köhler sowie Michael Bloss, Mitglied des Europäischen Parlaments und dort klimapolitischer Sprecher.
Laut eigenen Angaben werde dort „für noch mehr Stimmung auf der Bühne“ die Musikgruppe „ErpfenBrass sorgen.
Kommentar« Als Diana Lutz vorgestern zu Beginn der Gemeinderatssitzung in ihr Amt als nachgerückte Stadträtin für die Grünen verpflichtet wurde, verwendete OB Hornikel den Begriff der „kommunalen Familie“, in die sie damit aufgenommen worden sei. Was von ihm gut gemeint war, könnte freilich auch zu großer Sorge Anlass geben.
Man braucht sich dabei den Gemeinderat nicht gleich als „la famiglia“ im mafiösen Sinne vorstellten. Es bedarf keiner krummen Geschäfte, Bestechungen oder Mord und Totschlag. Es reicht bereits, sich eine stinknormale Familienzusammenkunft in deutscher Tradition auszumalen – das ganz alltägliche Grauen.