Jahresrückblick 2025 (Teil 2)

In der Tra­di­tion von Pa­zi­fis­tin­nen wie Frida Per­len und He­lene Stö­cker set­zen sich ak­tu­ell ver­mehrt wie­der Frauen für den Frie­den ein. Und wie jene da­mals wer­den auch sie heute be­schimpft. Das er­lebte im Mai Eva-Ma­ria Gi­deon, die ehe­ma­lige Schorn­dor­fe­rin, als sie in Schwä­bisch Gmünd eine Rede zu 80 Jahre Kriegs­ende hielt.

Ihr Wunsch, aus die­sem Krieg zu ler­nen, wurde in der dor­ti­gen Lo­kal­zei­tung ver­zerrt wie­der­ge­ge­ben, wes­halb wir ihre Rede mit dem Ti­tel „Wie schön wäre es“ als Gast­bei­trag im Wort­laut ver­öf­fent­lich­ten.

Dar­auf­hin er­reichte uns ein Le­ser­brief von Do­ro­thea Nie­wienda, die von herz­er­grei­fen­den Ver­söh­nungs­sze­nen bei ih­rer Reise nach Russ­land be­rich­tete, bei der Men­schen bei­der Na­tio­nen an dor­ti­gen Ge­denk­stät­ten und Sol­da­ten­fried­hö­fen ge­mein­sam trau­er­ten.

Im Be­ton-An­bau für Schorn­dorfs neue Leih­bü­che­rei wur­den die Fens­ter ein­ge­setzt und der Trink­brun­nen am Rat­haus spen­det nach jah­re­lan­ger Dürre wie­der Was­ser – be­vor er ak­tu­ell wie­der dicht­ge­macht wurde.

Im Juni lobte Uwe Glund, Grün­dungs­mit­glied der ört­li­chen Frie­dens­in­itia­tive, dass pro­mi­nente Ge­nos­sen der SPD mit ei­nem Ma­ni­fest an die Öf­fent­lich­keit ge­gan­gen sind, in dem sie „die hem­mungs­lo­sen Auf­rüs­tungs­pläne der Bun­des­re­gie­rung scharf kri­ti­sie­ren“.

Par­al­lel dazu mo­nierte Alt­his­to­ri­ker Eu­gen Flaig in der Sen­dung „Kul­tur­zeit“ auf 3sat am 2. Juni „die Un­wil­lig­keit von El­tern, ihre Kin­der als Sol­da­ten zu se­hen, die even­tu­ell ge­op­fert wer­den für das Ge­mein­we­sen“.

Dem Schorn­dor­fer Ge­mein­de­rat wurde sei­tens der Stadt­ver­wal­tung er­klärt, dass der Rechts­an­spruch auf Ganz­tags­be­treu­ung nicht an al­len der hie­si­gen Schu­len um­ge­setzt wer­den könne, weil dazu das Geld fehle.

Gleich­zei­tig er­klärte die Rat­haus-Pres­se­stelle, dass mit­hilfe ei­nes „be­glei­ten­den Fach­bü­ros“ ein 10 Me­ter lan­ger und 2 Me­ter brei­ter Durch­gang zwi­schen der Stra­ßen­be­stuh­lung vor dem Café Mo­ser am Bahn­hof ein­ge­rich­tet wurde.

Da­durch wür­den die Men­schen „zum Fla­nie­ren ein­ge­la­den“,  und so­mit der Han­del und samt Gas­tro­no­mie „flo­rie­ren“. Dass Stadt­pla­ne­rIn­nen nur we­nig ver­traut wird, wie eine re­prä­sen­ta­tive Um­frage er­gab, er­staunte we­nig.

Dass das Re­gie­rungs­prä­si­dium den Schorn­dor­fer Haus­halt nicht ge­neh­migte, er­staunte ebenso we­nig. Un­ser Kom­men­tar dazu war über­schrie­ben mit „End­lich!“.

Im Juli mel­dete die Stadt­ver­wal­tung Voll­zug: Sie hatte den An­trag der SPD-Frak­tion aus dem Jahr 2023 um­ge­setzt und zu­sätz­li­che Fahr­rad­ab­stell­plätze in der Alt­stadt ge­schaf­fen – zum Teil mit aus­ge­lie­he­nen Stän­dern, zum Teil mit­hilfe von För­der­gel­dern.

Sol­che fi­nan­zi­el­len Zu­wen­dun­gen be­trach­tet der Chef­re­dak­teur des Kom­mu­nal-Ma­ga­zins, Chris­tian Er­hardt-Macie­jew­ski als de­mo­kra­tie­ge­fähr­dend. Weil es dem Prin­zip der kom­mu­na­len Selbst­ver­wal­tung wi­der­spre­che, dass de­ren Ver­tre­ter wie „Bitt­stel­ler“ An­träge bei der Re­gie­rung ein­rei­chen müss­ten und von dort Geld in Form von „Al­mo­sen“ emp­fin­gen.

Bes­ser wäre, so meint er, ih­nen die­sen An­teil der Steu­er­gel­der pau­schal aus­zu­zah­len. So könne jede Kom­mune ge­nau das fi­nan­zie­ren, was dort grad drin­gend nö­tig ist – statt dem, was der Re­gie­rung in Ber­lin wich­tig ist.

Ein sol­ches Bei­spiel ist das För­der­pro­gramm „De­mo­kra­tie le­ben“ des Bun­des­fa­mi­li­en­mi­nis­te­ri­ums. Aus die­sem er­hielt die Stadt Schorn­dorf 140.000 Euro. Nun sucht sie Pro­jekte, für die sie das aus­ge­ben kann.

Der Ge­mein­de­rat be­schloss den Bau ei­nes neuen Feu­er­wehr­hau­ses – wie schon bei der Bü­che­rei zu ei­nem „Fest­preis“ von knapp 22 Mil­lio­nen Euro. Wir war­ten ge­spannt dar­auf, wel­che „un­vor­her­seh­ba­ren“ Um­stände auch diese Preis­ga­ran­tie plat­zen las­sen wer­den.

Wir ha­ben al­les rich­tig ge­macht“, ver­kün­dete Bür­ger­meis­ter Eng­lert im Au­gust, als der Ge­mein­de­rat den ge­kürz­ten Haus­halt ver­ab­schie­dete, da­mit er schließ­lich doch noch ge­neh­migt wird.

Das Sta­tis­ti­sche Lan­des­amt ver­öf­fent­lichte den of­fi­zi­el­len Schul­den­stand der Stadt zum Jah­res­ende 2024, und man sieht, dass die Schul­den im­mer schnel­ler stei­gen. Über 209 Mil­lio­nen Euro be­tra­gen sie, was ei­ner Pro-Kopf-Ver­schul­dung von 5.048 Euro ent­spricht.

An der ehe­ma­li­gen Meie­rei be­gann der Neu­auf­bau des ab­ge­ris­se­nen Fach­werks für die Leih­bü­che­rei. Zu­dem be­schloss der Ge­mein­de­rat ei­nen „Lärm­ak­ti­ons­plan“. Man­gels Geld kann die Ver­wal­tung den Lärm nicht durch „Flüs­ter­asphalt“ re­du­zie­ren, wes­halb man den in­ner­städ­ti­schen Ver­kehrt auf Tempo 30 run­ter­bremst.

Un­ser Kom­men­tar dazu trug die Über­schrift: „Be­denke die Fol­gen“. Und weil das Ab­stim­mungs-Er­geb­nis im Ge­mein­de­rat dem Ober­bür­ger­meis­ter Hornikel nicht be­hagte, legte er Wi­der­spruch ge­gen den Be­schluss des Gre­mi­ums ein.

Die „Som­mer­meile“ in der West­stadt, die zur Be­le­bung die­ses Are­als durch Ver­an­stal­tun­gen ein­ge­rich­tet wurde, teilte mit, dass sie bis Sep­tem­ber Som­mer­pause ma­che.

Ein Licht­blick wa­ren de­fi­ni­tiv die wun­der­ba­ren Rück­mel­dun­gen auf die Frage „Was schät­zen Sie am Schoblatt?“ an­läss­lich des­sen fünf­jäh­ri­gen Be­stehens.

Bei­spiels­weise: „Ich lese das Schoblatt, weil es mit ei­nem un­trüg­li­chen Blick für das We­sent­li­che schreibt, ohne die schril­len Auf­ge­regt­hei­ten der heu­ti­gen Me­di­en­land­schaft. Weil das Schoblatt ge­le­gent­lich spitz­zün­gig da­her­kommt, je­doch nie bös­ar­tig; in­tel­li­gent, je­doch nie be­vor­mun­dend oder gar be­leh­rend.“

OHNE MOOS NIX LOS!

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