Zur Wahl: Theorie und Praxis

Kurz­mel­dung
Über ihr Ver­hält­nis spe­zi­ell zu Schorn­dorf und den hie­si­gen Men­schen hier ha­ben wir vor zwölf Ta­gen al­len 4 Kan­di­da­tin­nen zur Bun­des­tags­wahl die glei­chen Fra­gen für ein Kurz­in­ter­view ge­schickt.

Von der CDU-Kan­di­da­tin er­hiel­ten wir keine Ant­wor­ten dar­auf, noch nicht ein­mal eine Ant­wort auf die An­frage an sich. Auf ih­rer Home­page zur Wahl schreibt sie: „Als Ihre Di­rekt­kan­di­da­tin für den Bun­des­tag stehe ich Ih­nen selbst­ver­ständ­lich gerne Rede und Ant­wort und freue mich auf den Dia­log mit Ih­nen. Gerne kön­nen Sie je­der­zeit auf mich zu­kom­men. Da­bei zählt für mich: Nah bei den Men­schen, kom­pe­tent in der Sa­che und en­ga­giert im Wahl­kreis.“

Die Kan­di­da­tin der Grü­nen ant­wor­tete eben­falls nicht. Auf ih­rer Home­page er­klärt sie: „Das Rems­tal und der schwä­bi­sche Wald sind mir be­son­ders ans Herz ge­wach­sen.“ – „Die große Auf­gabe un­se­rer Zeit ist es, meh­rere ge­wal­tige Her­aus­for­de­run­gen auf ein­mal be­wäl­ti­gen zu müs­sen: Die Kli­ma­krise, die Co­ro­na­krise und De­mo­kra­tie­krise.“ Und: „Ich stehe für mehr Trans­pa­renz im po­li­ti­schen Han­deln und für eine ehr­li­che po­li­ti­sche Kul­tur!“

Auch die Kan­di­da­tin von „Volt“ hat sich nicht ge­mel­det. Auf der Par­tei-Home­page äu­ßert sie: „Jede*r kann sich da­für ent­schei­den an­zu­pa­cken und et­was zu ver­än­dern.“ Zu­dem ist dort zu le­sen: „Uns bei Volt ist es wich­tig, dass jede Per­son sich von der Po­li­tik ge­hört und ver­stan­den fühlt.“

Was sind uns Kinder wert?

Ge­denk­tag
Heute ist Welt­kin­der­tag. Es gibt ihn seit 1954 auf Emp­feh­lung der UNO. Ziel ist un­ter an­de­rem, da­durch in den Fo­kus zu rü­cken, dass in der Kind­heit die Ba­sis für das spä­tere Le­ben ge­legt wird.

26 Sprach­för­der­kräfte sind laut An­ga­ben aus der Ver­wal­tung ak­tu­ell in Schorn­dorf an­ge­stellt. Sie hel­fen, dass Kin­der mit aus­län­di­schen Wur­zeln aus­rei­chende Sprach­kennt­nisse er­lan­gen, um am Un­ter­richt und folg­lich pro­blem­los am ge­sam­ten Ge­sell­schafts­le­ben teil­neh­men zu kön­nen. Diese Sprach­hel­fe­rIn­nen schaf­fen die Grund­lage ei­ner ge­lin­gen­den In­te­gra­tion, wel­che spä­tere Kos­ten im So­zi­al­be­reich auf­grund von Sprach­de­fi­zi­ten ver­mei­den hilft.

Der Ein­satz die­ser Sprach­hel­fe­rin­nen wird in Schorn­dorf durch Mi­ni­jobs und auf Ho­no­rar­ba­sis ver­gü­tet. Da­für stellt die Stadt jähr­lich 27.000 Euro an Steu­er­gel­dern zur Ver­fü­gung. Für sämt­li­che rund 400 Sprach­för­der­kräfte in ganz Ba­den-Würt­tem­berg wer­den dar­über hin­aus von der Lan­des­re­gie­rung jähr­lich ca. 2,6 Mil­lio­nen Euro aus­ge­ge­ben. Seit sie­ben Jah­ren sta­gniert die­ser Be­trag, und für die nächs­ten sie­ben Jahre stün­den laut Kul­tus­mi­nis­te­rin The­resa Schop­per (Grüne) auch nicht mehr Mit­tel im Lan­des­haus­halt zur Ver­fü­gung.

Zum Ver­gleich: Schorn­dorfs Ei­gen­be­trieb „Ci­ty­ma­nage­ment“, des­sen Auf­gabe es ist, die In­nen­stadt durch At­trak­tio­nen zu be­le­ben, ver­fügt über ei­nen Etat von 1,6 Mil­lio­nen Euro, dar­un­ter 511.000 Euro für Per­so­nal­kos­ten.

Zur Wahl: Brigitte Aldinger

Bri­gitte Al­din­ger

Kurz­in­ter­view
Am 26. Sep­tem­ber wäh­len wir die Per­so­nen, die un­sere An­lie­gen künf­tig im Bun­des­tag ver­tre­ten sol­len. Ihre po­li­ti­schen An­sich­ten ste­hen auf de­ren Web­sei­ten. Wir stel­len den Kan­di­da­tin­nen un­se­res Wahl­krei­ses 7 Fra­gen über ihr Ver­hält­nis spe­zi­ell zu Schorn­dorf und den hie­si­gen Men­schen.
Heute: Bri­gitte Al­din­ger

1. Was ist Ihr Lieb­lings­platz in Schorn­dorf und warum?
Schon als Kind war mein Lieb­lings­platz der Forst­brun­nen im Wald bei Manns­haup­ten, wo ich auf­ge­wach­sen bin. Die­ser liegt am Weg zum Kö­nigs­stein – ein Kleinod: Das Licht bricht sich, bis es auf dem Bo­den an­kommt. Der Ort wirkt wie ver­wun­schen, und die Mam­mut­bäume schüt­zen die­sen Platz.
Auf dem Weg dort­hin ge­nieße ich den freien Blick ins obere Rems­tal, bis hin zu den Kai­ser­ber­gen. Ganz be­son­ders be­ein­dru­ckend, wenn in Manns­haup­ten die Sonne scheint, die Spit­zen der Kai­ser­berge von der Sonne an­ge­strahlt wer­den und über dem Rems­tal eine Ne­bel­schicht liegt: Wie In­seln ra­gen die Er­hö­hung da her­aus, und der sonst üb­li­che Lärm ist stark ge­dämpft.

2. Was hat Schorn­dorf, das an­dere Städte nicht ha­ben?
Tra­di­tio­nell ei­nen sehr ho­hen Grad an bür­ger­schaft­li­chem En­ga­ge­ment. Ein­zig­ar­tig: die Ma­nu­fak­tur als po­li­ti­scher Im­puls­ge­ber. Ebenso das Kul­tur­fo­rum mit Bür­ger­be­tei­li­gung statt ei­nes Kul­tur-Amts. Auch eine Frau­en­geschichts­werk­statt gibt es in an­de­ren Städ­ten des Rems-Mur-Krei­ses nicht. Sie macht  die Kom­pe­ten­zen von Frauen in der Stadt sicht­bar. Das ist auch für mich Mo­ti­va­tion, un­sere heu­ti­gen Pro­bleme be­herzt in An­griff zu neh­men. Und zwar ge­mein­sam: Män­ner und Frauen.

„Zur Wahl: Bri­gitte Al­din­ger“ wei­ter­le­sen

Neue Bürgermeisterin: Dr. Astrid Loff

As­trid Loff © Mondelli Stu­dio, Re­gina Hahn

Kurz­mel­dung
Nach Pa­tri­zia Rall in All­mers­bach wurde am Sonn­tag eine wei­tere Frau im Rems-Murr-Kreis in ein Bür­ger­meis­ter­amt ge­wählt, jetzt sind es sie­ben an der Zahl.

Dr. As­trid Loff er­hielt in Schwaik­heim im ers­ten Wahl­gang 2.537 Stim­men (62,47%), bei ei­ner Wahl­be­tei­li­gung von 55,61%. Das er­war­tete Kopf-an-Kopf-Du­ell mit dem in Il­lin­gen noch am­tie­ren­den Bür­ger­meis­ter Ha­rald Ei­ber­ger blieb aus. Er konnte nur 20,46% der Wäh­le­rIn­nen über­zeu­gen.

Die pro­mo­vierte Wirt­schafts­wis­sen­schaf­te­rin, die an der PH Lud­wigs­burg Aka­de­mi­sche Ober­rä­tin ist, bringt Er­fah­rung als Ge­mein­de­rä­tin in Leu­ten­bach mit. Die „Fä­hig­keit, sich mit al­len Be­tei­lig­ten ab­zu­stim­men, so dass wir zu gu­ten Er­geb­nis­sen kom­men, ist eine mei­ner Stär­ken“, sagt die 50-jäh­rige Mut­ter zweier er­wach­se­ner Söhne über sich.

Eine ih­rer sechs Mit­be­wer­be­rIn­nen war An­drea Sie­ber aus Schorn­dorf, die in der dor­ti­gen Frak­tion der Grü­nen im Ge­mein­de­rat saß, diese je­doch kurz nach der Wahl 2019 ver­las­sen hatte. Sie er­hielt in Schwaik­heim 231 Stim­men, und kam da­mit auf ei­nen An­teil von 5,69 %.


Stimme für kleine Parteien ist nicht verschenkt

Kurz­mel­dung
Weil kleine Par­teien an der Fünf-Pro­zent-Hürde zu schei­tern dro­hen, wol­len man­che Men­schen sie bei der Bun­des­tags­wahl nicht wäh­len. Sie fürch­ten, sie ver­schen­ken da­mit ihre Stimme. Dem wi­der­spricht der Volks­wirt­schaft­ler Nor­bert Hä­ring aus zwei Grün­den: Zum ei­nen sei zu er­war­ten, dass am 26. Sep­tem­ber die klei­nen Par­teien zu­sam­men­ge­zählt auf über 10 Pro­zent al­ler Stim­men kom­men. Was ein deut­li­ches Si­gnal des Sou­ve­räns be­züg­lich der Zu­frie­den­heit mit den gro­ßen Par­teien aus­sen­den würde. Gin­gen diese Wäh­le­rin­nen nicht zur Wahl, sä­hen die gro­ßen Par­teien dies al­len­falls als Be­quem­lich­keit oder gar Zu­stim­mung für ihre Po­li­tik an.

Zum an­de­ren gebe es durch­aus ei­nen Ge­winn für die klei­nen Par­teien, näm­li­chen ei­nen fi­nan­zi­el­len: Be­reits ab ei­nem Stim­men­an­teil von 0,5 Pro­zent wer­den sie von der Par­tei­en­fi­nan­zie­rung be­dacht. Sie be­kom­men Geld für ihre wei­tere Par­tei­ar­beit.

Bei der vo­ri­gen Bun­des­tags­wahl hat­ten die „Tier­schutz­par­tei“ und „Die Par­tei“ diese nö­ti­gen 0,5 Pro­zent der Stim­men er­run­gen. Bei der kom­men­den Wahl sieht Hä­ring die glei­chen Chan­cen für die „eu­ro­pä­isch-mo­der­nis­ti­sche“ Par­tei „Volt“, für die „ba­sis­de­mo­kra­ti­sche und co­ro­na­maß­nah­men­kri­ti­sche“ Par­tei „die­Ba­sis“ so­wie die „kon­ser­va­tiv“ aus­ge­rich­te­ten „Freien Wäh­ler“.

Klaus Schauz gestorben

Kurz­mel­dung
Wie erst jetzt be­kannt wurde, ist Klaus Schauz am 7. Au­gust im Al­ter von 73 Jah­ren ver­stor­ben. Er war nicht nur Stadt­rat und Bau-Un­ter­neh­mer in Schorn­dorf, son­dern auch ein ganz be­son­de­rer Sport­ler. Jür­gen Wöhrle wür­digte ihn in der Chro­nik zum 100jährigen Be­stehen des Rin­ger­clubs ASV im Jahr 2008 mit die­sen Wor­ten:

„Un­ser Klaus Schauz, der letzte Ra­sen­kraft­sport­ler bei den Schwer­ath­le­ten in Schorn­dorf. Er war in den sieb­zi­ger Jah­ren ASV-Mit­glied und star­tete im Stein­sto­ßen (15 kg) auf Würt­tem­ber­gi­schen und Deut­schen Meis­ter­schaf­ten, wo er 1978 in Kas­sel mit der Vi­ze­meis­ter­schaft seine beste Plat­zie­rung er­zielte. In der Schauz’schen Spe­zia­li­tät, dem 50-Kampf für All­roun­der, wa­ren elf schwer­ath­le­ti­sche Dis­zi­pli­nen ent­hal­ten, in de­nen der Viel­sei­tig­keits­kö­nig aus Schorn­dorf seine Kon­kur­ren­ten, die Leicht­ath­le­ten, Schwim­mer, Schüt­zen, Rad­fah­rer, Eis­schnell­läu­fer etc. deut­lich di­stan­zierte und 1996 kla­rer Ge­samt­sie­ger wurde.“

Daimler-Kopf vom Sockel gefallen

Hier prangte der Daim­ler-Kopf, wie er in der Höll­gasse noch vor­han­den ist

Kurz­mel­dung
Vor zwei Jah­ren ließ die Ver­wal­tung ei­nen über­le­bens­gro­ßen Kopf von Gott­lieb Daim­ler als Denk­mal für den be­rühm­ten Sohn der Stadt an­fer­ti­gen. Da­mit be­auf­tragt wurde Ott­mar Hörl, der gern in Se­rien ar­bei­tet. Ne­ben 500 Daim­ler­fi­gu­ren in Gar­ten­zwerg­größe schuf er gleich vier der gro­ßen Köpfe. Sie fan­den ih­ren Platz im Rat­haus, vor dem Daim­ler-Ge­burts­haus, bei den Stadt­wer­ken so­wie im Schloss­park.

Die­ser ist jetzt von sei­nem So­ckel ge­fal­len. Am Mon­tag fan­den ihn Pas­san­ten im Gras lie­gen, so be­rich­tet die Stadt­ver­wal­tung. Er habe schon ei­nige Zeit ge­wa­ckelt, wie Bür­ger ihr ge­mel­det hat­ten. Die Zen­tra­len Dienste hät­ten den Kopf in­zwi­schen in Si­cher­heit ge­bracht.

Seine Schaf­fens­phi­lo­so­phie be­schreibt Hörl so: „Ein Bild­hauer de­fi­niert sich nicht da­durch, daß er ton­nen­weise Ma­te­rial hin­schüt­tet, Förm­chen dra­piert und sich auf der schma­len Werk­spur der Iden­ti­fi­zier­bar­keit selbst ver­wirk­licht, son­dern da­durch, daß er Ma­te­rie in Be­we­gung ver­setzt.“

Ein Zitat

„Wie kann es eigentlich sein, dass der Oberbürgermeister jetzt nach Esslingen geht und in der größten Pandemie aller Zeiten die Stadt Schorndorf im Stich lässt?!“

Aufgeschnappt in der Fußgängerzone

Dialog mit einem Plakat-Schänder

Glosse
Neu­lich sah ich nachts, wie ein jun­ger Mann sich am Un­te­ren Markt­platz an ei­nem Wahl­pla­kat zu schaf­fen machte. Ich sprach ihn an und fragte ihn, was er da tue.

Er: Diese Na­zis! Diese ver­damm­ten Na­zis! Weg da­mit!
Ich: Da steht aber AfD drauf.
Er: Die sind ja alle Na­zis.
Ich: Wo­her wis­sen Sie das?
Er: Das weiß man doch!
Ich: Aha.
Er: Das weiß doch je­der.
Ich: Wer denn zum Bei­spiel?
Er: Die Po­li­ti­ker,… äh,… Leute, die ich kenne,… äh…, äh. Alle eben.
Ich: Ha­ben Sie schon mal selbst mit ei­nem von der AfD ge­spro­chen?
Er (ent­rüs­tet): Mit so je­mand rede ich doch nicht!
Ich: Sie ver­las­sen sich also lie­ber auf das Ur­teil an­dere, als sich sel­ber eins zu bil­den?

„Dia­log mit ei­nem Pla­kat-Schän­der“ wei­ter­le­sen