Kurzmeldung
Unsere gestrige Ankündigung, dass Brigitte Aldinger für den Posten der Oberbürgermeisterin kandidiert, war ein Aprilscherz. Ihre Kandidaturabsicht war von uns frei erfunden. Sie selbst wusste nichts von ihrem „Glück“. Wir haben sie für diese Meldung instrumentalisiert, um die Kommunalpolitik und ihre Akteure ein bisschen auf die Schippe zu nehmen. Brigitte Aldinger hat sich über deren – natürlich ebenso frei erfundene – Stellungnahmen amüsiert und fand sie gelungen, zumal sie der Ansicht ist, dass der Humor zurzeit viel zu kurz komme.
Brigitte Aldinger kandidiert bei OB-Wahl
Kurzmeldung
Brigitte Aldinger wirft für die Oberbürgermeisterwahl 2022 ihren Hut in den Ring. Sie habe vor der Landtagswahl an ihrem Info-Stand für „die Basis“ vielfach gehört, dass die Leute sich eine Veränderung in der Politik wünschen, und dachte sich: „Warum damit nicht hier in meiner Heimatstadt anfangen?“ Hier kenne sie sich aus. Zudem ist sie Profi, hat sie doch an der Verwaltungsfachhochschule studiert, spezialisiert auf Finanzwesen.
Hermann Beutel meint dazu: „Die Brigitte ist eine Frau mit Herz und Verstand. Sie hat ja für den Gemeinderat auf unserer Liste kandidiert. Natürlich können wir sie nicht offiziell unterstützen, wenn sie jetzt einer anderen Partei angehört, aber wir begrüßen diesen Schritt.“ Werner Neher hingegen befand: „Ich sehe in ihrer Kandidatur keinen Sinn. Wenn wir erst ‚Smart City‘-Modellkommune sind, kommt sowieso Künstliche Intelligenz ins Rathaus.“
Und Gerhard Nickel erklärte: „Das kann sie gern tun. Wir können ja, wenn uns das Wahlergebnis nicht gefällt, immer noch den ‚Roten Knopf‘ drücken.“ Aus SPD-Kreisen war zu hören: „Unser OB ist super. Es gibt gar keinen Besseren für Schorndorf!“ Wohingegen dieser souverän reagierte: „Ich habe Sportwissenschaften studiert. Und wenn ich etwas kann, dann sind es Wettkämpfe.“
s.a. „April! April!“ vom 2. April
Dagmar Heilsberg berichtet aus Florida

Dagmar Heilsberg saß in den 70er-Jahren für die SPD im Gemeinderat von Schorndorf. Bis 2010 war sie Regionalgeschäftsführerin der SPD Baden-Württemberg. Ihren Ruhestand verbringt sie den Winter über an ihrem Zweitwohnsitz in Florida. Hier schreibt sie, wie das Leben ohne Lockdown dort aussieht:
„Ich habe die erste Impfung mit Pfizer. Hurra! Die zweite werde ich am 7. April bekommen. Das ging ganz fix und wurde von der Feuerwehr in einem Theater abgewickelt. Begleitet von guter Stimmung und witzigen Kommentaren. Ich kenne nur ein paar von den Alten, die sich noch nicht haben impfen lassen, weil sie auf den Impfstoff von „Johnson und Johnson“ warten (den muss man nur einmal impfen). Ansonsten geht das nun auch bei den unter 65-Jährigen sehr schnell mit den Impfterminen. Auch Drogerien und ein Supermarkt impfen.
„Dagmar Heilsberg berichtet aus Florida“ weiterlesenKein Kaffee, keine Currywurst?

Kurzmeldung
Kathrin Fischers Café-Anhänger und „Brutzel-Ole“ sollen am kommenden Samstag auf dem Markt fehlen. Die Stadtverwaltung hat ihnen verboten zu erscheinen. Begründung: Sie fürchtet, dass sich vor ihren Ständen Ansammlungen bilden. Kathrin Fischer wehrt sich gegen diese Diskriminierung
Auch Stadträtin Kirsten Katz hält das Verbot für verfehlt, wie sie in einer E‑Mail an den Bürgermeister und seinen Ordnungsamtsleiter schreibt: „Die geplante Maßnahme erscheint willkürlich und nicht zu Ende gedacht.“ Samstags gingen die Menschen primär zum Einkaufen auf den Markt. Das Verbot der Imbissstände würde ihre Zahl nicht reduzieren.
Ja, es werde sogar das Gegenteil erreicht: Gerade durch das fehlende Angebot auf dem Marktplatz müssten die Leute gezwungenermaßen auf andere Gastronomien ausweichen. Dort entstünden dann umso größere Ansammlungen. Eine Verteilung auf mehrere Stellen hält sie für sinnvoller.
Prima! Nehmen wir!
Kommentar
Es klang einfach zu verlockend: „Smart City“. Da sagte sich mancher Stadtrat: Das hat irgendwas mit Intelligenz zu tun. Das ist gut. Können wir brauchen. Prima! Nehmen wir! Und vor allem: Es wird auch noch bezahlt. Durch Fördergelder. Da wär‘ man doch blöd, dieses Angebot auszuschlagen! Also haben 22 RätInnen am Donnerstag zugestimmt, dass Schorndorf sich als Modellkommune einer „Smart City“ bewirbt.
Es gab freilich manche, die sagten: Was da genau hinter diesem Projekt steht, hab ich nicht verstanden. Diejenigen, die gewohnt sind, selbst zu denken und zu erkennen, dass irgendetwas nicht stimmt, wenn in der Vorlage viele Worte gemacht werden, aber am Ende kein Sinn rauskommt. Man könnte es als Respektlosigkeit der Verwaltung gegenüber dem Gemeinderat interpretieren: Sich nicht die Mühe machen, einen Sachverhalt so darzustellen, dass ihn jede und jeder im Gremium verstehen kann.
„Prima! Nehmen wir!“ weiterlesen„Smart City“ könnte Demokratie ersetzen
Am Donnerstag soll der Gemeinderat dem Vorschlag der Verwaltung zustimmen, dass Schorndorf sich als Modellkommune für das Projekt „Smart Cities 2021“ bewirbt. Die Idee der „Smart City“ kommt aus dem Innen- und Heimatministerium des Bundes. In der Charta dazu wird das Ziel beschrieben, nämlich digitale Technik „intelligent“ im öffentlichen Leben der Stadt einzusetzen. Darunter aber auch als „Visionen eines hypervernetzten Planeten“ auf Seite 43: „Da wir genau wissen, was Leute tun und möchten, gibt es weniger Bedarf an Wahlen, Mehrheitsfindungen oder Abstimmungen. Verhaltensbezogene Daten können Demokratie als das gesellschaftliche Feedbacksystem ersetzen.“
Der Verein „Digitalcourage“ sieht in dem Projekt Gefahren für die Selbstbestimmung der Menschen, und hat es daher mit dem „Big-Brother-Award“ ausgezeichnet. In seiner Begründung heißt es: „Der Begriff ‚Smart City‘ ist eine schillernd-bunte Wundertüte – er verspricht allen das, was sie hören wollen: Innovation und modernes Stadtmarketing, effiziente Verwaltung und Bürgerbeteiligung, Nachhaltigkeit und Klimaschutz, Sicherheit und Bequemlichkeit, für Autos grüne Welle und immer einen freier Parkplatz.“ – Tatsächlich verberge sich dahinter aber die Errichtung umfassender Überwachungsstrukturen.
„„Smart City“ könnte Demokratie ersetzen“ weiterlesenProtest auf der Rathaustreppe

Kurzmeldung
In der Nacht auf Montag haben Eltern ihrem Protest gegen die neu geltende Maskenpflicht an Grundschulen vor dem Rathaus Ausdruck verliehen. Die Kinder waren dort symbolisch mit ihren Schuhen vertreten. Auch hatten sie selbstgemalte Bilder abgelegt. Auf kleinen Plakaten wurde ein „Sofortiges Ende der Maskenpflicht für Kinder“ gefordert, ebenso: „Hände weg von unseren Kindern“ und „Lasst die Kinder atmen“.
„Der kleine grüne Kakapo“ – ein Herzensprojekt

(Foto: M. Sigmund)
Die gebürtige Schorndorferin Sabine Layh hat ein Kinderbuch geschrieben. Hauptdarsteller ist ein seltener Vogel, der Kakapo, der tatsächlich unter diesem Namen existiert. „Als ich vor vier Jahren eine Dokumentation über Neuseeland sah, habe ich mich sofort in diesen pummeligen, flugunfähigen ‚Verlierertypen‘ verliebt“, erklärt sie. „In Zeiten überbordender Selbstoptimierung hat mich dieser unvollkommene Vogel, der trotzdem so treuherzig und vertrauensvoll in die Welt blickt, sehr gerührt.“
Ein Kinderbuch zu schreiben, war schon lange ein Traum der gelernten Grafikerin. Seit vielen Jahren ist sie an den Schauspielbühnen in Stuttgart für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich. Nach der Inspiration durch den Fernsehbericht nahm ihr Herzensprojekt Form an. Zusammen mit Dirk Waanders entwickelte sie die Idee. Der Hauptteil der Schreibarbeit lag in ihren Händen. Herausgekommen ist ein „Kinderbuch mit Witz und Poesie“. Die liebevollen Illustrationen stammen von Kalliopi Fouskas – ebenfalls eine echte Schorndorferin.
„„Der kleine grüne Kakapo“ – ein Herzensprojekt“ weiterlesenDemokratie ist jeden Tag
Kommentar
Vorgestern durften wir wieder einmal spüren, dass wir „der Souverän“ sind. Nach wenigen Wochen, in denen wir von Wahlplakaten angelächelt und mit schönen Worten umschmeichelt wurden, setzten wir ein Kreuz für die von uns favorisierte Person oder Partei auf einen Wahlzettel. Zwei Striche, jeweils kaum länger als einen Zentimeter. Und das war’s dann. Jetzt werden wir fünf Jahre lang nicht mehr gefragt.
Bis zur nächsten Wahl könnten wir allenfalls noch per Volksentscheid zu einzelnen Themen eingreifen, wenn das, was unsere VolksvertreterInnen tun, unserem Votum zuwiderläuft. Es ist zu wünschen, wenn diese bei jeder Entscheidung daran denken, woher das Geld kommt, das sie ausgeben. Dass es von unzähligen Menschen hart erarbeitet wurde. Wenn Abgeordnete ihr Gehalt selbst erhöhen in Zeiten, da andere Menschen um ihre Existenz bangen, ist das, gelinde gesagt, unsensibel.
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