Prima! Nehmen wir!

Kom­men­tar
Es klang ein­fach zu ver­lo­ckend: „Smart City“. Da sagte sich man­cher Stadt­rat: Das hat ir­gend­was mit In­tel­li­genz zu tun. Das ist gut. Kön­nen wir brau­chen. Prima! Neh­men wir! Und vor al­lem: Es wird auch noch be­zahlt. Durch För­der­gel­der. Da wär‘ man doch blöd, die­ses An­ge­bot aus­zu­schla­gen! Also ha­ben 22 Rä­tIn­nen am Don­ners­tag zu­ge­stimmt, dass Schorn­dorf sich als Mo­dell­kom­mune ei­ner „Smart City“ be­wirbt.

Es gab frei­lich man­che, die sag­ten: Was da ge­nau hin­ter die­sem Pro­jekt steht, hab ich nicht ver­stan­den. Die­je­ni­gen, die ge­wohnt sind, selbst zu den­ken und zu er­ken­nen, dass ir­gend­et­was nicht stimmt, wenn in der Vor­lage viele Worte ge­macht wer­den, aber am Ende kein Sinn raus­kommt. Man könnte es als Re­spekt­lo­sig­keit der Ver­wal­tung ge­gen­über dem Ge­mein­de­rat in­ter­pre­tie­ren: Sich nicht die Mühe ma­chen, ei­nen Sach­ver­halt so dar­zu­stel­len, dass ihn jede und je­der im Gre­mium ver­ste­hen kann.

Man könnte frei­lich auch arg­wöh­nen, dass das Ab­sicht war: Ver­wir­rung stif­ten, um et­was durch­zu­drü­cken, was mit rei­nen Ar­gu­men­ten keine Mehr­heit fände. Dar­auf bauen, dass sich ein Rats­mit­glied keine Blöße ge­ben will, zu sa­gen: „Das ver­stehe ich nicht“ – und also den In­for­mier­ten nur mimt und läs­sig die Hand zur Zu­stim­mung hebt.

Viel­leicht ist dies eine Un­ter­stel­lung, und die Rat­haus­spitze hegt über­haupt gar keine böse Ab­sich­ten, son­dern hat das Kon­zept von „Smart City“ selbst nicht aus­rei­chend hin­ter­fragt, und sich ge­dacht: Das klingt schick! Das peppt die Stadt auf. In­tel­li­genz kön­nen wir im Rat­haus brau­chen: Es soll die Ver­wal­tungs­ar­beit er­leich­tern. Und be­zahlt wird es auch noch. Prima! Neh­men wir!

Zu­mal der Be­wer­bungs­schluss be­reits am 14. März war. Da musste der Ober­bür­ger­meis­ter noch schnell zu­schla­gen, um die För­der­gel­der zu si­chern. Frei­lich be­kräf­tigt er, dass der Ge­mein­de­rat, auch wenn er jetzt nur nach­träg­lich ab­seg­nen sollte, was be­reits Fakt ist, den­noch „Herr des Ver­fah­rens“ sei. Oh, da­mit ha­ben wir ja in der Ver­gan­gen­heit schon äu­ßerst gute Er­fah­run­gen ge­macht! Aus dem Kreis der Ge­treuen des Ober­bür­ger­meis­ters ist der „Rote Knopf“ noch plas­tisch in Er­in­ne­rung, und auch der Rat­haus-Chef selbst hat dies­be­züg­lich be­reits so man­che „Ober­bür­ger­meis­ter­leis­tung“ ab­ge­lie­fert.

Wie gut, dass es Rä­tin­nen wie Kirs­ten Katz und Ju­lia Schil­ling gibt, die noch ge­nug ei­ge­nen Ver­stand be­sit­zen und dar­auf po­chen, dass ein Thema in Ruhe dis­ku­tiert wird, be­vor sie ihm zu­stim­men – ei­gent­lich ja eine Selbst­ver­ständ­lich­keit.

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