Dient es den Menschen?!

Kom­men­tar
Di­gi­tale Tech­nik ist et­was Wun­der­ba­res! Ohne sie gäbe es kein „Schoblatt“. Mit Hilfe die­ser Tech­nik wer­den uns auch z. B. Wahl­er­geb­nisse be­quem und top-ak­tu­ell ins Haus ge­lie­fert. Ob wir frei­lich im Schorn­dor­fer Rat­haus eine di­gi­tale Ge­sichts­er­ken­nung brau­chen, ist frag­lich. Der Nut­zen scheint sich in Gren­zen zu hal­ten.

Viele Bür­ge­rIn­nen wä­ren schon froh, wenn ihr An­lie­gen, mit dem sie dort an­fra­gen, um­ge­hend be­ar­bei­tet wird. Was nützte es ih­nen, un­ab­hän­gig von Öff­nungs­zei­ten die Ver­wal­tung zu er­rei­chen, wenn es da­nach nicht zü­gig vor­an­geht?

Und noch im­mer war­ten wir ver­geb­lich auf den Bür­ger­ser­vice, Ge­mein­de­rats­sit­zun­gen on­line ver­fol­gen zu kön­nen. Wer hö­ren möchte, was das Gre­mium zu ei­nem be­stimm­ten Thema sagt, muss sich per­sön­lich in die Sit­zung be­ge­ben, oft­mals noch stun­den­lang an­dere Ta­ges­ord­nungs­punkte über sich er­ge­hen las­sen. Die Tech­nik zur Über­tra­gung ist ja da. Doch frem­deln ein­zelne Rä­ten mit ihr, ha­ben of­fen­bar Angst, von ei­ner Ka­mera be­ob­ach­tet zu wer­den. Die Be­fürch­tung, dass sie im Rat kun­geln und sich nicht gern in die Kar­ten schauen las­sen, wird da­durch frei­lich nicht sehr schla­gend ent­kräf­tet.

„Die Tech­nik soll dem Men­schen die­nen“, hat In­nen­mi­nis­ter Tho­mas Stro­bel als De­vise aus­ge­ge­ben. For­mu­lie­run­gen wie „sollte, müsste, könnte“ rei­chen frei­lich nicht aus. Denn wer ga­ran­tiert de­ren Um­set­zung? Braucht es da­für wo­mög­lich ei­nen „Dem-Men­schen-die­nen-Be­auf­trag­ten“? Ei­nen, der die Ver­wal­tungs­leute daran er­in­nert, wer der Sou­ve­rän ist, wer mit sei­nen Steu­ern ihr Ge­halt fi­nan­ziert, wem sie also dem­nach zu die­nen ha­ben.

Nun, viel­leicht reicht es schon, dass sich alle Be­am­tIn­nen im Rat­haus täg­lich jene Ei­des­for­mel be­wusst ma­chen, die sie bei ih­rer An­stel­lung ge­leis­tet ha­ben: „Ich schwöre, dass ich mein Amt nach bes­tem Wis­sen und Kön­nen füh­ren, das Grund­ge­setz für die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, die Lan­des­ver­fas­sung und das Recht ach­ten und ver­tei­di­gen und Ge­rech­tig­keit ge­gen je­der­mann üben werde.“

Klingt lei­der sehr sper­rig. Viel zu ab­ge­ho­ben, viel zu abs­trakt. Kein Wun­der wird da gar kein Be­zug zum Sou­ve­rän her­ge­stellt. Bes­ser wäre also eine grif­fige Kurz­for­mel. Wie wär’s mit: „Dient das, was ich ge­rade tue, den Men­schen in un­se­rer Stadt?!“

Hier könnte die „Stabs­stelle Di­gi­ta­li­sie­rung“ im Rat­haus nütz­lich ak­tiv wer­den. Ei­ner der 30 Be­schäf­ti­gen dort, de­ren Per­so­nal­kos­ten laut Haus­halts­plan über 1,2 Mil­lio­nen Euro jähr­lich be­tra­gen, müsste diese For­mel nur auf je­dem ein­zel­nen PC in der Ver­wal­tung in­stal­lie­ren. So dass sie vor Ar­beits­be­ginn er­scheint. Und um zu ver­hin­dern, dass sie über­se­hen wird, weil man sei­nen Kaf­fee holt, so­lange der PC hoch­fährt, sollte der Satz im Laufe des Ta­ges im­mer wie­der mal auf den Bild­schir­men auf­pop­pen.
Tech­nisch mög­lich wäre das.

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