Lehrjahre

Kom­men­tar«
Man­ches würde er heute an­ders an­ge­hen, sagt Bernd Hornikel der Lo­kal­zei­tung auf die Frage nach der Halb­zeit­bi­lanz sei­ner Amts­zeit als Ober­bür­ger­meis­ter. „Ich habe da­zu­ge­lernt“, er­klärte er dort und auch, dass er frü­her wohl auch zu blau­äu­gig ge­we­sen sei.

Ges­tern vor 4 Jah­ren wurde er fei­er­lich von Stadt­rä­tin Bren­nen­stuhl ver­ei­digt, wo­bei sie ihm Karl Pop­pers Re­geln der Kom­mu­ni­ka­tion mit auf den Weg gab, wie z.B. „Wer nicht be­reit ist, seine Mei­nung in Frage stel­len zu las­sen und alte Über­zeu­gun­gen auf­zu­ge­ben, braucht nicht zu dis­ku­tie­ren.“

Ohne tie­fere Kennt­nisse von Kom­mu­nal­po­li­tik auf den Pos­ten ei­nes Stadt­ober­haupts ka­ta­pul­tiert zu wer­den, so­mit über 500 Mit­ar­bei­te­rIn­nen zu füh­ren und ei­nen Mil­lio­nen­etat an Steu­er­gel­dern ver­ant­wor­tungs­voll zu ver­wal­ten, war in der Tat eine große Her­aus­for­de­rung für den ge­lern­ten Ju­ris­ten.

Er habe die Stadt „ge­stal­ten“ wol­len, sagte er in sei­ner ers­ten Haus­halts­rede. Statt­des­sen habe er an­ge­sichts der pre­kä­ren Lage der städ­ti­schen Fi­nan­zen seine ers­ten Mo­nate als „sehr frus­trie­rend“ er­lebt: Pro­bleme schie­nen sich vor ihm „auf­zu­tür­men“ und „las­sen uns manch­mal so­gar rat­los zu­rück“.

Wäh­rend sei­ner 4 Jahre im Amt stie­gen die Schul­den im Stadt­haus­halt auf mitt­ler­weile über 200 Mil­lio­nen Euro, die er zum größ­ten Teil von sei­nem Vor­gän­ger ver­erbt be­kam.

Das Ru­der her­um­zu­rei­ßen, ist ihm bis­lang nicht ge­lun­gen, auch wenn er sich selbst als Ka­pi­tän sieht.

In­zwi­schen be­schei­ni­gen ihm ei­nige Men­schen in Schorn­dorf, dass er sich „ge­macht“ habe. Dass er nicht mehr gleich ex­plo­diert, wenn ihm et­was ge­gen den Strich geht. Auch, dass er sich in man­chen Punk­ten von Bür­ger­meis­ter Eng­lert und des­sen Wis­sens­vor­sprung eman­zi­piere. Dass er da­zu­ge­lernt habe.

Die Frage ist frei­lich, ob das reicht, bzw. wie lange diese Lehr­jahre noch dau­ern wer­den. Und vor al­lem: Wer da­bei das sprich­wört­li­che Lehr­geld be­zah­len muss.

Un­will­kür­lich drängt sich ei­nem da der be­rühm­teste Azubi der deut­schen Li­te­ra­tur auf: Goe­thes Zau­ber­lehr­ling.

Der hat sich auch an et­was ver­sucht, das er noch nicht be­herrschte und droht am Ende – „walle, walle, man­che Stre­cke, dass zum Zwe­cke Was­ser fließe“ – zu er­trin­ken. Weil er das, was er in Gang ge­setzt hatte, nicht mehr stop­pen konnte.

Er wurde ge­ret­tet durch den „al­ten Meis­ter“.

Das wünscht man sich für Schorn­dorf auch, da wir hier ge­rade in Schul­den zu „er­trin­ken“ dro­hen.

Doch mit die­sem Ret­ter ist das so eine Sa­che. Wer bei­spiels­weise das Re­gie­rungs­prä­si­dium als Auf­sichts­be­hörde um Hilfe bit­tet, macht durch­aus die Er­fah­rung, dass die­ses sein zu über­wa­chen­des Sub­jekt um eine Stel­lung­nahme bit­tet, und dann des­sen Ver­si­che­rung, nichts falsch ge­macht zu ha­ben, gern Glau­ben schenkt.

Der Ge­mein­de­rat wäre eine an­dere Op­tion. Lei­der er­in­nerte die­ser zu­neh­mend mehr an Kö­nig Ar­tus‘ Ta­fel­runde. Und dies nicht nur, weil in den Sit­zun­gen ne­ben den Re­de­bei­trä­gen mun­ter gemampft wird, was frü­her als un­ge­hö­rig an­ge­se­hen wurde.

Son­dern auch, weil des­sen Mit­glie­der oft­mals mehr Ge­folgs­treue ge­gen­über dem Vor­sit­zen­den an den Tag le­gen, als den Wil­len der Wäh­ler­schaft (samt kon­struk­ti­ver An­re­gun­gen) dort ein­zu­brin­gen.

Es muss also ein an­de­rer „Meis­ter“ her.
In ei­ner De­mo­kra­tie ist das – als „Sou­ve­rän“ – das Volk.
Mit sei­nem gro­ßen Er­fah­rungs­schatz.
Also: Wir.

Zum Thema Mu­se­ums­ver­kauf hat Hornikel da­von schon mal ei­nen Vor­ge­schmack be­kom­men. Beim Info-Abend wurde ihm auf­ge­zeigt, dass sein Plan uns teu­rer zu ste­hen kommt, weil er auf der Il­lu­sion be­ruht, dass ein Käu­fer für das his­to­ri­sche Ge­bäude ge­fun­den wird.

Denn an ei­nem sol­chen Vor­ha­ben ist be­reits sein Vor­gän­ger im Amt ge­schei­tert, als er das ehe­ma­lige Spi­tal, Palm-Straße 10, ver­kau­fen wollte und nicht los­wurde.

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