Umzug des Museums erst mal abgewendet

Die Bür­ger­initia­tive zum Er­halt des Stadt­mu­se­ums am Kirch­platz ver­zeich­net ei­nen ers­ten Teil­erfolg. Der Ge­mein­de­rat hat vo­rige Wo­che auf­grund ei­nes kurz­fris­tig ein­ge­reich­ten „in­ter­frak­tio­nel­len An­trags“ sei­nen Be­schluss vom März, das Mu­seum zu hal­bie­ren und an den Bus­bahn­hof um­zu­sie­deln, vor­erst ein­mal „aus­ge­setzt“.

Die über­wie­gende Mehr­heit der Stadt­rä­tIn­nen, näm­lich 24 an der Zahl, stimmte für die­ses Vor­ge­hen. 2 Mit­glie­der ent­hiel­ten sich und 5 Mit­glie­der vo­tier­ten da­ge­gen.

OB Hornikel er­läu­terte, was das be­deu­tet: näm­lich die „Auf­he­bung des Miet­ver­trags mit der Kreis­bau“ (um de­ren Räume es am Bus­bahn­hof ge­gan­gen war). Er kor­ri­gierte sich dann da­hin­ge­hend, dass viel­mehr der Miet­ver­trag von ihm „nicht un­ter­schrie­ben“ werde.

Zu­dem habe er nun Ge­sprä­che mit der Kreis­bau zu füh­ren, denn „wir müs­sen da gut raus­kom­men“.

Das Bür­ger­be­geh­ren an sich wurde vom Ge­mein­de­rat laut Pro­to­koll mit ei­ner Mehr­heit von 21 sei­ner Mit­glie­der für „un­zu­läs­sig“ er­klärt, bei je­weils 5 Ge­gen­stim­men und Ent­hal­tun­gen. Ei­nige Räte be­grün­de­ten letz­te­res da­mit, dass sie sich nicht für be­fugt hal­ten, die Sa­che fach­ge­recht ein­schät­zen zu kön­nen, mit: „Ich bin kein Ju­rist.“

Hornik­els Haupt­grund, das Bür­ger­be­geh­ren für un­zu­läs­sig zu er­klä­ren, war der feh­lende Kos­ten­de­ckungs­vor­schlag auf den Un­ter­schrif­ten-Lis­ten.

„Wenn ich die Wahl habe zwi­schen A und B“, so ar­gu­men­tierte er, dann brau­che jede Va­ri­ante „ein Preis­schild“. Sei­ner An­sicht nach fehle je­doch die­ses „Preis­schild“, bei der Va­ri­ante der Bür­ger­initia­tive, die kei­nen Um­zug des Mu­se­ums will.

Er habe ex­tra noch Rechts­an­walt Sche­nek en­ga­giert, der auf sol­che Fra­gen spe­zia­li­siert sei, und die­ser habe ihm Recht ge­ge­ben.

Sei­nem Amts­vor­gän­ger, Alt-OB Kü­b­ler, der das Bür­ger­be­geh­ren in­iti­iert hatte, un­ter­stellte Hornikel, er habe „auf der Straße“ mit der Un­ter­schrif­ten­ak­tion „Stim­men ge­fischt“. Was im Pu­bli­kum mit Un­mut und dem Ruf „Un­ver­schämt!“ quit­tiert wurde.

Hornikel sagte, Kü­b­ler habe gar „mit der Be­haup­tung, ich wolle das Haus ab­rei­ßen oder das Mu­seum schlie­ßen“ ope­riert, und be­fand: „Das ist be­wusst wahr­heits­wid­rig.“

Kü­b­ler be­stritt den Vor­wurf ganz ent­schie­den: „Wir ha­ben nicht mit un­lau­te­ren Be­haup­tun­gen ge­ar­bei­tet.“

In ei­ner kur­zen Rede vor der Ab­stim­mung zur Zu­läs­sig­keit des Bür­ger­be­geh­rens zeigte sein Mit­strei­ter Man­fred Ban­tel auf, dass der Ge­mein­de­rat drei Op­tio­nen in die­ser Frage hat: 1. die Auf­he­bung des Ge­mein­de­rats­be­schlus­ses von März („Das ist die ele­gan­teste“), 2. die Zu­las­sung des Bür­ger­ent­scheids („Das ist die de­mo­kra­tischste“) und 3. das Bür­ger­be­geh­ren für un­zu­läs­sig er­klä­ren: „Das ist rechts­wid­rig.“

Der Bür­ger­initia­tive eine Brü­cke bauen, woll­ten die Ge­mein­de­rats­frak­tio­nen (mit Aus­nahme von AfD und „Bür­ger­stimme“, die da­bei nicht ein­be­zo­gen wur­den) durch ih­ren in­ter­frak­tio­nel­len An­trag, in­dem da­mit „das be­rech­tigte öf­fent­li­che In­ter­esse“ zum Thema Mu­seum „ernst ge­nom­men“ werde, aber gleich­zei­tig „die Ent­schei­dungs­ho­heit des Ge­mein­de­rats ge­wahrt“ bleibe.

Zu­sätz­lich wird die Ver­wal­tung darin be­auf­tragt, dem Ge­mein­de­rat „bis zum Herbst 2026“ ver­schie­dene „trag­fä­hige Zu­kunfts­sze­na­rien für das Stadt­mu­seum“ samt ih­rer fi­nan­zi­el­len, bau­li­chen und or­ga­ni­sa­to­ri­schen Aus­wir­kun­gen vor­zu­le­gen.

Vier Va­ri­an­ten sol­len da­bei un­ter­sucht wer­den: 1. Er­halt des Mu­se­ums­stand­orts durch Sa­nie­ren, 2. ohne Sa­nie­rung, 3. „ge­ord­nete Schlie­ßung des Stadt­mu­se­ums“ und 4. die Ver­la­ge­rung des Mu­se­ums­be­triebs in „wech­selnde Pop-up-Aus­stel­lun­gen“.

Die CDU-Frak­tion be­an­tragte schließ­lich, man möge im in­ter­frak­tio­nel­len An­trag das Wort „aus­set­zen“ strei­chen und statt­des­sen „auf­he­ben“ schrei­ben. Thors­ten Lei­ter warb für die­sen Vor­schlag, um das Thema „zu be­frie­den“, so dass man ent­spannt in die Som­mer­pause ge­hen könne.

„Nein, den Som­mer kön­nen wir nicht ge­nie­ßen!“, kon­terte Hornikel. Und Bür­ger­meis­ter Eng­lert er­klärte warum: Weil der OB dann die­sem Ge­mein­de­rats­be­schluss wi­der­spre­chen müsse.

Der CDU-An­trag, den Ge­mein­de­rats­be­schluss vom März auf­zu­he­ben, schei­terte knapp mit 14 Ja- zu 17 Nein-Stim­men.

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