Kommentar«
Es gibt viele Gründe, das historische Gebäude des Stadtmuseums nicht zu verkaufen. Allein schon, weil die dortige Ausstellung für den neu geplanten Ort auf die Hälfte eingedampft werden müsste.
Was geschähe dann mit der restlichen Hälfte Archivalien? Werden sie verkauft, verschenkt oder gar zum Sperrmüll auf die Straße gestellt, als „altes Glomp“?
Es gibt nur einen einzigen Grund, warum die Rathausspitze das Gebäude verkaufen will: Sie braucht Geld. Und zwar, weil sie sich finanziell permanent übernommen hat.
Der Verwaltungschef argumentiert, in der jetzigen Situation habe man keine 10 Millionen Euro für die notwendige Renovieren des Fachwerks. Diese stand aber schon jahrzehntelang an. Sie wurde nur auf die lange Bank geschoben.
Dies natürlich nicht zuletzt auch deshalb, weil der vorherige OB das Stadtmuseum offen zum Stiefkind erklärt hatte (er brauche keine Geschichte, er lebe im Heute), und er stattdessen unsere Steuergelder lieber in den neuen „Sportpark“ steckte.
Es ist an der Zeit, dass wir in Schorndorf wegkommen von der Symptombekämpfung und uns endlich den Ursachen der hier grassierenden Finanzmisere zuwenden.
Es ist an der Zeit, dass die Stadtfinanzen wieder vorausschauend und umsichtig verwaltet werden. So wie es sich für einen anständigen Kämmerer gehört. Dass man für schlechte Zeiten vorbaut, statt immer nur munter ausgibt und hofft, es werde schon gutgehen.
Üblicherweise ist in einer Kommune der Bürgermeister immer der, der was Neues bauen will, und der Kämmerer als sein Gegenpart, derjenige, der bremst.
In Schorndorf gibt es seit geraumer Zeit keinen Kämmerer mehr.
Hans Pöschko, der Redaktionsleiter der „Schorndorfer Nachrichten“ schrieb vor fast sechs Jahren bereits in einem Kommentar über die Gefahren einer Machtkonzentration an der Verwaltungsspitze.
Er gab seinerzeit dem AfD-Fraktionsvorsitzenden Franz Laslo „ausnahmsweise recht“, der den Schiffbruch der Stadtwerke als warnendes Beispiel dafür anführte, was „bei einer zu starken und auf eine Person zugeschnittenen Machtkonzentration passieren kann“.
Auf Thorsten Englert entfielen, so schrieb Pöschko, ausgesprochen viele Zuständigkeiten in der Verwaltung: nämlich für Finanzen, Schulen und Vereine, Kindertagesstätten, Stadtentwicklung und Baurecht, Infrastruktur, Digitalisierung und dazu noch für so gut wie alle städtischen Eigenbetriebe, darunter auch die beiden großen Stadtwerke und Stadtbau.
Pöschkos Urteil über Englert: „Er ist ein Macher, aber er ist halt auch ein Machtmensch“. Und er schrieb dazu, dass Englerts Mitarbeiterführung „nicht unbedingt zu seinen herausragenden Stärken zählt“.
Weil im Sommer 2021 die Stelle des Ersten Bürgermeisters Hemmerich wegfiel, fürchtete Pöschko, dass der Gemeinderat es möglicherweise nicht mehr schaffen könnte, sich gegenüber der verbliebenen und „vermutlich noch selbstbewusster auftretenden Verwaltungsspitze“ zu „behaupten“ und seiner „Kontrollfunktion gerecht zu werden“.
Nachdem dann im selbigen Jahr sogar noch der damalige OB seinen Posten hier verließ, blieb nur noch Englert übrig.
Da der nachfolgende OB Hornikel als Quereinsteiger in der Kommunalpolitik notgedrungen auf dessen Fachwissen angewiesen ist, geht die Schorndorfer Stadtpolitik seither quasi nur noch von einem einzigen Menschen aus.
Als erstes überzeugte Englert den frischgewählten Hornikel, für den Neubau der Leihbücherei zu stimmen. Obwohl dieser im Wahlkampf das genaue Gegenteil versprochen hatte.
Auch andere Entwicklungen in der Stadtverwaltung geben seither zu denken, wie etwa, dass immer häufiger wichtige Themen im Gemeinderat unter Ausschluss der Öffentlichkeit beraten werden. Demokratie sieht anders aus. Transparenz auch.
Nicht minder verwerflich ist, dass man dem Stadtmuseum jahrelang das Geld für ein neues, attraktives Ausstellungskonzept verweigert hat, um jetzt herzugehen und zu sagen, dass die Besucherzahlen dort zu gering seien.
Ja prima! Schöner kann man eigentlich gar nicht eine „sich selbst erfüllende Prophezeiung“ herbeiführen! Oder anders gesagt: ein ganz mieser Taschenspielertrick.
Jetzt ist der Gemeinderat gefordert, das Problem der hohen Stadtverschuldung an der Wurzel zu packen und auszureißen – bevor immer noch weiterer Schaden entsteht. Gemäß der Volksweisheit: „Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende.“
Die größte Hürde dabei ist nur, dass sich das Gremium immer wieder von den Sirenengesängen des Herrn Englert einlullen lässt.
Dieser schmeichelt den Stadträten gern damit, dass sie stets „Herr des Verfahrens“ seien. Dass er selbst als braver Demokrat deren Entscheidung lediglich umsetze.
Dadurch übersehen diese leider zu oft, dass sie ihre Beschlüsse aufgrund von Informationen fassen, die er ihnen in den Sitzungsvorlagen liefert. Und in denen spricht dann meist alles für die von ihm selbst favorisierte Lösung.
Wenn das nicht reicht, kommt er mit dem klassischen „Wir haben kein Geld“. So dass man sich an jeden dargebotenen Strohhalm klammert.
Oder er lockt damit, dass das neue Gebäude am Karlsplatz eine Tiefgarage enthalten werde, die den Traum vom autofreien Unteren Marktplatz wahr werden lassen könne.
Die Bevölkerung ist, wie seinerzeit Odysseus, gefeit vor diesen Sirenengesängen. Wie er behält sie einen klaren Kopf.
Und sie fordert, dass jetzt beim Thema Stadtmuseum den Gegenargumenten mehr Gewicht gegeben wird. Sie fordert, dass alternative Lösungen gesucht werden.
Sie will, dass sich grundlegend was ändert.

