Gedenktag«
Heute vor 77 Jahren, am 23. Januar 1949, starb Lina Holland in Schorndorf. Sie war die erste Leiterin der 1914 in Peking gegründeten „Deutschen Schule“.
Von ihrem Vater, dem Hauptmann Holland, erzählte man sich vor über 100 Jahren in Schorndorf, dass er, als der „Lachenbantel“ einmal die Abortgrube am Haus des Hauptmanns leerte, diesen beschimpft habe: „Sie, Mann, das stinkt ja fürchterlich!“ Woraufhin der Angesprochene nur strohtrocken entgegnete: „Herr Hauptmann, von mir isch nix derbei.“
Lina Holland kam am 26. April 1867 in Ludwigsburg, wo Joseph Holland im 3. Infanterie-Regiment diente, als seine Erstgeborene zur Welt.
Im Jahr darauf folgte Emma (die später an der Schorndorfer Realschule im Ersten Weltkrieg als Lehrerin aushalf) und 1869 Clementine, welche nicht einmal fünf Monate alt wurde.
1887, als Lina 20 Jahre alt war, zog die Familie nach Schorndorf, in das „Kraiß’sche Haus“ in der Karlstraße 15. Der Vater war hier als „Bezirksoffizier“ tätig, also zuständig für das Meldewesen. Eine andere Quelle nennt das Wehrersatzkommando als seine Dienststelle.
Linas Mutter galt in der Stadt als „sehr gepflegte Dame“ mit wunderschönem weißen Haar. Stadtbekannt war freilich auch ihr permanenter Dienstbotenmangel, weil es die meisten Mädchen dort nicht lange aushielten und bereits in den ersten Tagen wieder kündigten.
In Schorndorf witzelte man daher, dass die „Frau Hauptmann“ dereinst die allergrößte „Leich“ bekommen werde, weil so viele ehemalige Angestellte an ihrer Beerdigung teilnehmen würden.
Wo Lina Holland ihre Ausbildung zur Lehrerin erhielt, konnte noch nicht ermittelt werden. In Frage kommen das Buhl‘sche Lehrerinnenseminar in Markgröningen oder das Höhere Lehrerinnenseminar am Katharinenstift in Stuttgart.
Im Jahr 1910 war Lina Holland dann Vorsteherin des Königin-Paulinenstifts in Friedrichshafen, allerdings nur bis 1911.
Anschließend unterrichtete sie im chinesischen Tsingtao, der Hauptstadt der dortigen deutschen Kolonie Kiautschou.
Als diese Stadt im November 1914 unter japanische Besatzung geriet, war Lina Holland aber schon nicht mehr dort, da sie bereits am 16. Februar 1914 als erste Leiterin der frischgegründeten „Deutsche Schule“ in Peking ihren Dienst begonnen hatte.
Der Schulbetrieb dort startete mit neun Schülern im Alter von 6 bis 10 Jahren in einer Militärbaracke auf dem Stützpunkt der Kaiserlichen Marine-Infanterie, unweit der Deutschen Gesandtschaft.
Als im August der Erste Weltkrieg begann, kamen weitere Kinder aus der Kolonie dazu, die mit ihren Müttern nach Peking geflüchtet waren. Somit wurden 49 SchülerInnen unterschiedlichsten Alters unterrichtet, wobei die Lehrkräfte von freiwilligen Helfern unterstützt wurden.

Auf einem Foto aus dem Jahr 1918 sind neben der Schulleiterin Lina Holland (1) eine weitere Lehrerin, Emma Arbs (2), sowie 32 Schülerinnen und Schüler zu sehen.
Als der Krieg beendet war, wurde der Unterricht im November 1918 vorübergehend ausgesetzt und im Februar 1919 die Schule dann ganz geschlossen wegen der Repatriierungsbefehle der alliierten Siegermächte.
Wo Lina Holland anschließend arbeitet, war noch nicht zu ermitteln. Es heißt, dass sie 1939 zu ihrer Schwester nach Schorndorf zurückzog, nachdem ihre Mutter im Jahr 1938 mit 91 Jahren gestorben war.
Lina Holland starb am 23. Januar 1949 im Altern von 82 Jahren. Ihre Schwester Emma überlebte sie bis 1955 und wurde 87 Jahre alt.

