Glosse«
Lohnt es sich wirklich, dass unsere Stadt auf der CMT-Messe eine Woche lang für Schorndorf wirbt? Rechnet sich dieser Personal- und Kostenaufwand?
Schorndorf lebt nicht vom Tourismus – im Gegensatz zu Städten wie beispielsweise Venedig.
Da die Zahl der BesucherInnen bei uns überschaubar ist, könnte man sich diesen Werbeaufwand eigentlich sparen. Angesichts der leeren Stadtkasse muss man ihn sich sogar sparen. Zu den Pflichtaufgaben zählt er nicht.
Überdies scheint im Rathaus die rechte Hand nicht zu wissen, was die linke tut.
Während die einen noch mit historischen Stadtführungen für Schorndorf auf der CMT werben, wollen andere die ehemalige Lateinschule, welche unser Stadtmuseum beherbergt, verkaufen.
Ja, wie kann man denn nur den Ast absägen, auf dem man sitzt?
Wie kann man einerseits auf der CMT neue Gäste mit dem Versprechen, hier lebendig Geschichte zu erfahren, anlocken und gleichzeitig die Kulisse dazu zerstören?!
Wie das „Schorndorfer Online-Blatt“ jedoch inzwischen investigativ ermittelt hat, tut man der Stadtverwaltung Unrecht, wenn man ihr Kurzsichtigkeit vorwirft.
Denn: Dahinter steckt eine neue Strategie.
Bürgermeister Englert hat nämlich für den Messestand ein Werbebanner in Auftrag gegeben mit dem Schriftzug „Besuchen Sie Schorndorf, solange es noch steht!“.
Er weiß, dass die Strategie der „Verknappung“ immer zieht. Dass, wenn bei einer Ware „nur noch 3 Stück auf Lager“ sind, die Leute schneller zugreifen, um sich das Hochbegehrte nicht entgehen zu lassen.
Englert verknappt also auf gleiche Weise die Pfunde, mit denen unsere Stadt wuchern kann.
Besuchen Sie Schorndorf, solange das Stadtmuseum noch steht.
In Venedig hat der Slogan geklappt.
Dort wurde erklärt, dass die Stadt bald untergehen wird.
Warum also das Erfolgsrezept nicht auch für uns nutzen?
Somit wird Englert fortan stetig steigende Gästezahlen im Tagestourismus verbuchen können.
Gemäß dem Motto: Nach mir die Sintflut.

