Leserbrief«
Betr.: Bürgerbegehren zum Museumsstandort
Zwei aufrechte Recken wollen sie sein und unerschrocken gegen die Ungerechtigkeit ankämpfen, dass die durch die Anwendung von Epoxidharz verursachte Schädigung des Fachwerks der beiden derzeit das Heimatmuseum behausenden Gebäude am Kirchplatz die Entkernung des Gebäudes und damit in jedem Fall einen Umzug des Museums erfordert.
Wäre Altbürgermeister Kübler nur einmal mit einem Architekten oder Bauingenieur rund um die Gebäude herumgelaufen (was ich getan habe), würde er verstehen, dass alle Balken auf ihe weitere Verwendbarkeit überprüft werden müssen und dazu zunächst das Fachwerk abgetragen werden muss.
Aber er war schon immer der bessere Architekt und hat im Ruhestand inzwischen sicher Architektur studiert.
Oder treibt Kübler das schlechte Gewissen, denn in seiner Amtszeit wurde die vermeintlich billigste Lösung mit Epoxidharz zur Sanierung des Fachwerks eingesetzt?
Für Sparen war er ja immer. Tragischerweise hat die vermeintlich billige Lösung nicht eine Sanierung bewirkt, sondern die vorhandenen Schäden vertieft.
Verwunderlich sind auch die Rechenkünste des Altstadtrats Manfred Bantel, der ständig aus einer Sitzungsvorlage mit den (damals) geschätzten Kosten für nur eines der beiden zusammengehörenden Häuser operiert und schon außer acht lässt, dass sich dieser Betrag zunächst um ca. 50 % erhöht, wenn man das andere Haus hinzunimmt (dort ist das Erdgeschoß nicht als Fachwerk ausgeführt).
Natürlich muss er nicht wissen, dass nach einer notwendigen Neuerrichtung der Häuser z. B. noch die Kosten eines zweiten Rettungswegs hinzukommen und eine energetische Sanierung auch zum Schutz des Museumsguts erforderlich wäre.
So oder so, wenn auch nur mit einem kleineren Betrag von wenigstens 5 Millionen Euro gerechnet wird, gebietet ehrbaren Kaufleuten die Einbeziehung der Kosten für die Aufnahme eines dann erforderlichen Kredits in die Gesamtrechnung.
Bantel jedoch lässt bei seinen Zahlenspielen die Zinsen außer acht, die mit der notwendigen Kreditaufnahme verbunden wären. Zinsrechnen können schon Hauptschüler, wieso nicht auch er?. Die Zinsen wären immer höher als die von Hornickel vorgeschlagenen Kosten einer Anmietung neuer Räume.
So passt es auch ins Bild organisierter Verantwortungslosigkeit„ wenn sich Kübler und Bantel heute scheuen, die Kosten des von ihnen gewollten Wegs zu beziffern.
Zum Irrlichtern gehört auch der Verweis auf das Bürgerbegehren in Esslingen. Dort hatte die Initative ausgeführt, dass eine Ablehnung des Umzugs zu keinen Mehrkosten führt, und die Stadtverwaltung hatte das bestätigt.
Das ist vorliegend anders, wie nun Kübler und Bantel mittelbar dadurch einräumen, dass sie sich außer Stande sehen, die mit einem Verbleib des Museums am Ort und damit der Sanierung des Gebäudes verbundenen Kosten zu beziffern. Genauso funktioniert Populismus.
Im Übrigen sei zur Unzulässigkeit des Bürgerbegehrens auf einen Beschluss des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg vom 13.6.2018 – 1 S 1132/18 – verwiesen, wonach ein Kostendeckungsvorschlag entbehrlich ist, wenn keine Kosten anfallen, mit der Realisierung des Bürgerbegehrens sogar Einsparungen verbunden sind oder eine Kostenentwicklung nicht voraussehbar ist. Vorliegend wären mit einem Verbleib des Museums am Kirchplatz Sanierungskosten verbunden.
Rolf Gutmann, Zeppelinstr. 6
73614 Schorndorf

