Gedenktag«
Vorigen Mittwoch verglichen die „Grünen“ bei ihrem politischen Aschermittwoch den noch amtierenden Ministerpräsidenten Kretschmann mit ihm: Eberhard im Bart, der heute vor 530 Jahren, am 25. Februar 1496 starb, kurz nachdem Württemberg zum Herzogtum erhoben worden war.
Der Graf wurde als 12-Jähriger Landesfürst, nachdem sein Vater mit 38 Jahren an der Pest gestorben war. Eberhard schaffte 1482 die Wiedervereinigung Württembergs, das sich nach einem Streit im Fürstenhaus zuvor in zwei Teile aufgesplittert hatte.
Im Alter von 23 Jahren unternahm er eine Pilgerreise nach Jerusalem, auf der er gelobte, sich seinen Bart fortan nicht mehr schneiden zu lassen – woher sein Name rührt.
Anno 1477 gründete er die Tübinger Universität. Dort ist er zwischenzeitlich einigen als Namensgeber peinlich, da Eberhard – wie sein Zeitgenosse Martin Luther – Antisemit war. Denn im Jahr der Universitätsgründung begann er, alle Juden aus Württemberg vertreiben zu lassen und verbot ihnen, sich dort je wieder anzusiedeln.
Von seinen Untertanen wurde Eberhard damals über die Maßen geliebt, wie uns durch die inoffizielle Hymne der Württemberger überliefert ist. Darin wetteifern die Landesfürsten vom Rhein, von Sachsen und Bayern, wer der reichste von ihnen sei. Sie werfen dabei Silbervorkommen, Wein, große Städte und Klöster in die Waagschale.
Alles Dinge, die Eberhard nicht aufweisen kann. „Doch ein Kleinod hält’s verborgen“, erklärt er schließlich, nämlich: „Dass in Wäldern, noch so groß, ich mein Haupt kann kühnlich legen jedem Untertan in Schoß.“ Woraufhin die anderen Fürsten ausrufen: „Graf im Bart! Ihr seid der Reichste! Euer Land trägt Edelstein!“
Beim politischen Aschermittwoch der „Grünen“ vorige Woche präsentierte die Musikband „HornFlakes“ eine auf Winfried Kretschmann zugeschnittene Version dieser Hymne aus Anlass seines bevorstehenden Abschieds aus der Politik nach 15 Amtsjahren.
Nämlich, dass auch „Winfried mit weißen Haaren, Baden-Württembergs geliebter Herr,“ sein Haupt getrost jedem Untertan in den Schoß legen könne.
Sie hatten dabei großzügig vergessen, dass Kretschmann sich im Jahr 2022 von Demonstranten vor seinem Haus – obwohl er selbst gar nicht anwesend war zu diesem Zeitpunkt – bedroht fühlte, und der Leiter der Demo daraufhin in einem „beschleunigten“ Gerichtsverfahren erstinstanzlich zu 30.000 Euro Strafe verurteilt wurde.
Wobei es sich bei dem noch nicht einmal um einen Räuber im finsteren Wald (wie bei Eberhard) handelte, sondern um einen Menschen, der mit anderen sein Grundrecht auf Meinungsfreiheit ausübte, was uns damals Anlass für eine Glosse war.
Angesichts der historischen Dimension dieses letzten Besuchs von Winfried Kretschmann als Landesvater in Schorndorf darf man auch die Worte der Moderatorin Anne Kowatsch nicht auf die Goldwaage legen, die da begeistert ausrief: „Wir können einfach so stolz sein auf unser Land.“
In der Euphorie war es durchaus verzeihlich, dieses schwäbische Zugehörigkeitsgefühl hochleben zu lassen, ungeachtet der Warnung des Ministerpräsidenten in seiner vorausgegangenen Rede: „Der Nationalismus ist das gefährlichste politische Gift der Moderne.“
Und wenn die MusikerInnen dort sangen: „Wir im Süden stellen die hochwertigeren Kraftfahrzeuge her“, bezog sich das ja nur aufs „Ländle“, handelte sich demzufolge also nur um ein kleines schwäbisches „Nationalismüsle“.
Und so hatten die Musiker dann auch kein Problem mit dem „V“-Wort“, das, wenn es andere Parteien verwenden, sofort mit Nationalsozialismus gleichgesetzt wird: „Es gibt ein kleines Volk im Süden, das hat‘s ein kleines bisschen besser drauf.“


