
Zu Beginn des Info-Abends zum Verkauf des Museumsgebäudes am Montag in just demselben: der alten Lateinschule, sprach OB Hornikel in wohlgesetzten Worten davon, dass das Thema Museum „emotional ist“ und der Umgang mit dem „historischen Erbe“ der Bürgerschaft „nicht egal“ sei.
Gut zwei Stunden später wusste er dann auch, wie sich dies in der Realität anfühlt: Das Museum zu verkaufen ist, als ob man die eigene Großmutter verkaufen sollte. Dies wurde ihm von den rund 100 engagierten BürgerInnen im rappelvollen Museums-Saal eindrücklich vermittelt: Das geht gar nicht!
Gleichzeitig wurde spürbar, was es heißt, dass das Wissen um die eigene Geschichte Wurzeln schafft. Durch ihre Verbundenheit mit dem historischen Gebäude strahlten diejenigen, die sich in der Diskussion zu Wort meldeten, die Gewissheit aus, dass den Zahlen und Prognosen aus dem Rathaus mit Vorsicht zu begegnen ist.
Das Fachwerk der alten Lateinschule ist marode, die Sanierung koste 10,8 Millionen Euro, hatte der OB eingangs erwähnt. Kundige Architekten bezweifeln diese Summe. Es stellte sich denn auch heraus, dass die Verwaltung die Kosten für eine zusätzliche „technische und energetische“ Sanierung von satten 3,9 Millionen Euro da einfach noch draufgesattelt hatte.
Hornikel argumentiert, dass man sich den Erhalt der fast 400 Jahre alten Lateinschule nicht leisten könne. Er selbst stehe „unter Druck“, weil er bis Juli 6 Millionen Euro an Investitionen aus dem Haushaltsplan streichen müsse.
Dort ist auf Seite 83 für unter den „TOP 10“ Investitionsmaßnahmen für die Jahre 2025 bis 2029 unter „Stadtmuseum Fachwerksanierung“ die Zahl 3,8 Millionen Euro als Kosten verzeichnet. Sprich: Diese von der Backe zu haben, bedeutet für ihn, fast zwei Drittel der Hausaufgaben erfüllt zu haben.
Warum er aber deshalb das Gebäude gleich ganz verkaufen will, erklärte Hornikel nicht. Einen nennenswerten Erlös würde man laut Wirtschaftsförderer Oesterle nicht erzielen – falls es überhaupt einen Käufer gibt.
Zwar erklärte Frieder Oesterle, dass man in den nächsten fünf Jahren mit der Sanierung beginnen müsse. Doch wurden auch bereits bei der Kelter in Schornbach vor zweieinhalb Jahren schon die Alarmglocken geschlagen, dass sie kurz vor dem Einsturz stünde. Und sie steht immer noch.
Hier wurde ein weitere Aspekt deutlich: Man habe zwar vor zwei Jahren einen Kaufinteressenten für die Kelter gewonnen, doch der Vertrag sei immer noch nicht unterschrieben. „Das ist ein zäher Prozess“, meinte Oesterle.
Auch bezüglich der Lateinschule habe es schon „lose Anfragen“ gegeben. Wobei er nachdrücklich versicherte, dass die Entscheidung, falls so ein Kaufvertrag zustande käme, vom Gemeinderat getroffen werde: „ein transparenter Prozess“, wie er versprach.
Freilich hat beim Verkauf der Kelter Schornbach die entscheidende Sitzung hinter verschlossenen Türen für die Bürgerschaft stattgefunden, mit der Begründung, dass wirtschaftlich sensible Daten des Käufers geschützt werden müssten.
Viele Anwesende bezweifelten am Montagabend, ob sich für die ehemalige Lateinschule überhaupt ein Käufer finden lässt. Rolf Gutmann schlug daher vor, dass man das Haus der Landesregierung schenken könnte. Dann wäre man alle Sorgen los.
Hinsichtlich möglicher Fördergelder für die Sanierung winkte Gebäudemanager Klaus Konz ab. Die seien „nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, was bedeute: Finanziell “sind wir mehr oder weniger auf uns selbst gestellt.“
Alte Schorndorfer wissen noch, dass es einstmals Fördergelder für die „Sanierung Weststadt“ gab. Doch diese hat der vorherige Oberbürgermeister dann für den Bau der Bücherei in der Oststadt abgezweigt.
Der Architekt Felix Stammler zeigte ein paar Vorentwürfe für den von der Stadt vorgeschlagenen Alternativstandort für das Museum am Karlsplatz: mit Schaukästen bereits auf dem Vorplatz und einem Café im Erdgeschoss. 160.000 Euro soll die jährliche Miete für die rund 600 Quadratmeter umfassende Fläche dort betragen. Manche halten das für ungewöhnlich hoch: umgerechnet 22 Euro pro Quadratmeter, was fast doppelt so hoch ist wie die derzeit übliche Miete für Wohnungen.
Die Museumsleiterin Andrea Bergler nannte dazu noch die Zahl von 850.000 Euro für das Ausstellungskonzept, das für den neuen Standort erstellt werden muss. Sie erklärte zudem, dass eine Umfrage ergeben habe, dass die Menschen am meisten ihrer Familie und Freunden vertrauen, aber bereits an zweiter Stelle den Museen – noch vor Wissenschaft, Bibliotheken und Parteien. Museen gäben gerade in Krisenzeiten Halt.
Allerdings habe man unlängst einen Teil der Ausstellung im hiesigen Stadtmuseum innerhalb von drei Tagen räumen müssen, nachdem sich Schäden im Fachwerk gezeigt hatten, unter anderem sei dort ein Balken gar nicht mehr mit den anderen verbunden gewesen.
Peter Ott, der sich selbst als „Ureinwohner“ Schorndorfs bezeichnete, beruhigte sie: So schnell bricht ein Fachwerkhaus nicht zusammen. Er sei selbst in einem solchen in der Höllgasse geboren.
Er erinnerte zudem daran, dass man in den 1970-er-Jahren sämtliche alte Gebäude in den Innenstädten abreißen und moderne Neubauten hinstellen wollte. „Gottseidank ist das nicht so gekommen“, sagte er in Bezug auf Schorndorf.
Tatsächlich berichten Zeitzeugen, dass der Gemeinderat seinerzeit sehr streitbar war und sich nicht so leicht von der Rathausspitze einnehmen ließ. Anders in Waiblingen, wo im Stadtkern das „Marktdreieck“ entstand.
Ott plädierte, wie viele andere an diesem Abend dafür, dass man keinen „Schnellschuss“ machen solle, und riet vom Verkauf der Lateinschule ab („Was weg ist, ist weg!“). Stattdessen empfahl er, die Sanierung „peu à peu“ in kleinen Schritten vorzunehmen.
Auch Thomas Zeyher, der Sohn des Heimatforschers, warnte eindringlich: „Wir dürfen die Gebäude nicht aus der Hand geben“. Man könne den linken Teil des Museums, die ehemalige Deutsche Schule von der Sanierung abkoppeln.
„Wenn Sie das Feuerwehrhaus nicht bauen würden, könnten wir uns die Sanierung des Museums leisten“, so berichtete Hornikel, habe ihm jemand auf dem Marktplatz vorgehalten. Seine Antwort sei gewesen: „Feuerwehr ist Pflicht“ und „Das Museum ist 100 Prozent freiwillig“.
Und in einem widersprach Hornikel der Vermutung aus dem Publikum ganz entschieden, nämlich, dass die Stadtverwaltung deshalb so gierig auf den neuen Museumsstandort am Karlsplatz sei, weil sie für die Kreisbau dort der wichtige „Ankermieter“ sei: „Der Ankermieter sind definitiv wir nicht.“
Was an diesem Abend deutlich wurde, war, dass die Menschen sich viele Gedanken gemacht haben, wie man das Geld für die Sanierung auftreiben könnte.
Jürgen Dobler erinnerte an seine „Fundraising“-Aktion für die Kirchensanierung, bei der 1,9 Millionen Euro zusammengekommen seien. Es wurde vorgeschlagen, eine Stiftung zu gründen, die sich dieses Ziel setzt, Spendenaktionen der „Schorndorfer Weiber“, die mit solchen schon öfter erfolgreich waren, wurden genannt, Gönner anzusprechen, von denen es in der Stadt genügend gäbe.
Zunächst wiegelte Hornikel alle diese Vorschläge ab mit dem Argument, dadurch könne sein Defizit von 6 Millionen Euro im Haushalt bis Juli nicht reduziert werden.
Am Schluss bedankte er sich dann aber mit einer gewissen „Nachdenklichkeit“ für das Engagement der Anwesenden und versprach, deren „Leidenschaft“ mitzunehmen in die weiteren Beratungen zum Thema.
[Man kann ja auch ein Namensrecht für das Museum verkaufen, so wie beim Hallenbad und beim Sportzentrum. Der Admin]

