BürgerInnen wollen ihr Museum retten

S. Sa­ge­stan (Lan­des­stelle für Mu­seen), K. Konz und F. Oes­terle (Ver­wal­tung), H. Diet­rich (Hei­mat­ver­ein), Mu­se­ums­lei­te­rin Berg­ler, Ar­chi­tekt Stamm­ler und OB Hornikel stell­ten sich den Fra­gen der zahl­reich ge­kom­me­nen Bür­ger­schaft.

Zu Be­ginn des Info-Abends zum Ver­kauf des Mu­se­ums­ge­bäu­des am Mon­tag in just dem­sel­ben: der al­ten La­tein­schule, sprach OB Hornikel in wohl­ge­setz­ten Wor­ten da­von, dass das Thema Mu­seum „emo­tio­nal ist“ und der Um­gang mit dem „his­to­ri­schen Erbe“ der Bür­ger­schaft „nicht egal“ sei.

Gut zwei Stun­den spä­ter wusste er dann auch, wie sich dies in der Rea­li­tät an­fühlt: Das Mu­seum zu ver­kau­fen ist, als ob man die ei­gene Groß­mutter ver­kau­fen sollte. Dies wurde ihm von den rund 100 en­ga­gier­ten Bür­ge­rIn­nen im rap­pel­vol­len Mu­se­ums-Saal ein­drück­lich ver­mit­telt: Das geht gar nicht!

Gleich­zei­tig wurde spür­bar, was es heißt, dass das Wis­sen um die ei­gene Ge­schichte Wur­zeln schafft. Durch ihre Ver­bun­den­heit mit dem his­to­ri­schen Ge­bäude strahl­ten die­je­ni­gen, die sich in der Dis­kus­sion zu Wort mel­de­ten, die Ge­wiss­heit aus, dass den Zah­len und Pro­gno­sen aus dem Rat­haus mit Vor­sicht zu be­geg­nen ist.

Das Fach­werk der al­ten La­tein­schule ist ma­rode, die Sa­nie­rung koste 10,8 Mil­lio­nen Euro, hatte der OB ein­gangs er­wähnt. Kun­dige Ar­chi­tek­ten be­zwei­feln diese Summe. Es stellte sich denn auch her­aus, dass die Ver­wal­tung die Kos­ten für eine zu­sätz­li­che „tech­ni­sche und en­er­ge­ti­sche“ Sa­nie­rung von sat­ten 3,9 Mil­lio­nen Euro da ein­fach noch drauf­ge­sat­telt hatte.

Hornikel ar­gu­men­tiert, dass man sich den Er­halt der fast 400 Jahre al­ten La­tein­schule nicht leis­ten könne. Er selbst stehe „un­ter Druck“, weil er bis Juli 6 Mil­lio­nen Euro an In­ves­ti­tio­nen aus dem Haus­halts­plan strei­chen müsse.

Dort ist auf Seite 83 für un­ter den „TOP 10“ In­ves­ti­ti­ons­maß­nah­men für die Jahre 2025 bis 2029 un­ter „Stadt­mu­seum Fach­werk­sa­nie­rung“ die Zahl 3,8 Mil­lio­nen Euro als Kos­ten ver­zeich­net. Sprich: Diese von der Ba­cke zu ha­ben, be­deu­tet für ihn, fast zwei Drit­tel der Haus­auf­ga­ben er­füllt zu ha­ben.

Warum er aber des­halb das Ge­bäude gleich ganz ver­kau­fen will, er­klärte Hornikel nicht. Ei­nen nen­nens­wer­ten Er­lös würde man laut Wirt­schafts­för­de­rer Oes­terle nicht er­zie­len – falls es über­haupt ei­nen Käu­fer gibt.

Zwar er­klärte Frie­der Oes­terle, dass man in den nächs­ten fünf Jah­ren mit der Sa­nie­rung be­gin­nen müsse. Doch wur­den auch be­reits bei der Kel­ter in Schorn­bach vor zwei­ein­halb Jah­ren schon die Alarm­glo­cken ge­schla­gen, dass sie kurz vor dem Ein­sturz stünde. Und sie steht im­mer noch.

Hier wurde ein wei­tere Aspekt deut­lich: Man habe zwar vor zwei Jah­ren ei­nen Kauf­in­ter­es­sen­ten für die Kel­ter ge­won­nen, doch der Ver­trag sei im­mer noch nicht un­ter­schrie­ben. „Das ist ein zä­her Pro­zess“, meinte Oes­terle.

Auch be­züg­lich der La­tein­schule habe es schon „lose An­fra­gen“ ge­ge­ben. Wo­bei er nach­drück­lich ver­si­cherte, dass die Ent­schei­dung, falls so ein Kauf­ver­trag zu­stande käme, vom Ge­mein­de­rat ge­trof­fen werde: „ein trans­pa­ren­ter Pro­zess“, wie er ver­sprach.

Frei­lich hat beim Ver­kauf der Kel­ter Schorn­bach die ent­schei­dende Sit­zung hin­ter ver­schlos­se­nen Tü­ren für die Bür­ger­schaft statt­ge­fun­den, mit der Be­grün­dung, dass wirt­schaft­lich sen­si­ble Da­ten des Käu­fers ge­schützt wer­den müss­ten.

Viele An­we­sende be­zwei­fel­ten am Mon­tag­abend, ob sich für die ehe­ma­lige La­tein­schule über­haupt ein Käu­fer fin­den lässt. Rolf Gut­mann schlug da­her vor, dass man das Haus der Lan­des­re­gie­rung schen­ken könnte. Dann wäre man alle Sor­gen los.

Hin­sicht­lich mög­li­cher För­der­gel­der für die Sa­nie­rung winkte Ge­bäu­de­ma­na­ger Klaus Konz ab. Die seien „nur ein Trop­fen auf den hei­ßen Stein“, was be­deute: Fi­nan­zi­ell “sind wir mehr oder we­ni­ger auf uns selbst ge­stellt.“

Alte Schorn­dor­fer wis­sen noch, dass es einst­mals För­der­gel­der für die „Sa­nie­rung West­stadt“ gab. Doch diese hat der vor­he­rige Ober­bür­ger­meis­ter dann für den Bau der Bü­che­rei in der Ost­stadt ab­ge­zweigt.

Der Ar­chi­tekt Fe­lix Stamm­ler zeigte ein paar Vor­ent­würfe für den von der Stadt vor­ge­schla­ge­nen Al­ter­na­tiv­stand­ort für das Mu­seum am Karls­platz: mit Schau­käs­ten be­reits auf dem Vor­platz und ei­nem Café im Erd­ge­schoss. 160.000 Euro soll die jähr­li­che Miete für die rund 600 Qua­drat­me­ter um­fas­sende Flä­che dort be­tra­gen. Man­che hal­ten das für un­ge­wöhn­lich hoch: um­ge­rech­net 22 Euro pro Qua­drat­me­ter, was fast dop­pelt so hoch ist wie die der­zeit üb­li­che Miete für Woh­nun­gen.

Die Mu­se­ums­lei­te­rin An­drea Berg­ler nannte dazu noch die Zahl von 850.000 Euro für das Aus­stel­lungs­kon­zept, das für den neuen Stand­ort er­stellt wer­den muss. Sie er­klärte zu­dem, dass eine Um­frage er­ge­ben habe, dass die Men­schen am meis­ten ih­rer Fa­mi­lie und Freun­den ver­trauen, aber be­reits an zwei­ter Stelle den Mu­seen – noch vor Wis­sen­schaft, Bi­blio­the­ken und Par­teien. Mu­seen gä­ben ge­rade in Kri­sen­zei­ten Halt.

Al­ler­dings habe man un­längst ei­nen Teil der Aus­stel­lung im hie­si­gen Stadt­mu­seum in­ner­halb von drei Ta­gen räu­men müs­sen, nach­dem sich Schä­den im Fach­werk ge­zeigt hat­ten, un­ter an­de­rem sei dort ein Bal­ken gar nicht mehr mit den an­de­ren ver­bun­den ge­we­sen.

Pe­ter Ott, der sich selbst als „Ur­ein­woh­ner“ Schorn­dorfs be­zeich­nete, be­ru­higte sie: So schnell bricht ein Fach­werk­haus nicht zu­sam­men. Er sei selbst in ei­nem sol­chen in der Höll­gasse ge­bo­ren.

Er er­in­nerte zu­dem daran, dass man in den 1970-er-Jah­ren sämt­li­che alte Ge­bäude in den In­nen­städ­ten ab­rei­ßen und mo­derne Neu­bau­ten hin­stel­len wollte. „Gott­sei­dank ist das nicht so ge­kom­men“, sagte er in Be­zug auf Schorn­dorf.

Tat­säch­lich be­rich­ten Zeit­zeu­gen, dass der Ge­mein­de­rat sei­ner­zeit sehr streit­bar war und sich nicht so leicht von der Rat­haus­spitze ein­neh­men ließ. An­ders in Waib­lin­gen, wo im Stadt­kern das „Markt­drei­eck“ ent­stand.

Ott plä­dierte, wie viele an­dere an die­sem Abend da­für, dass man kei­nen „Schnell­schuss“ ma­chen solle, und riet vom Ver­kauf der La­tein­schule ab („Was weg ist, ist weg!“). Statt­des­sen emp­fahl er, die Sa­nie­rung „peu à peu“ in klei­nen Schrit­ten vor­zu­neh­men.

Auch Tho­mas Zey­her, der Sohn des Hei­mat­for­schers, warnte ein­dring­lich: „Wir dür­fen die Ge­bäude nicht aus der Hand ge­ben“. Man könne den lin­ken Teil des Mu­se­ums, die ehe­ma­lige Deut­sche Schule von der Sa­nie­rung ab­kop­peln.

„Wenn Sie das Feu­er­wehr­haus nicht bauen wür­den, könn­ten wir uns die Sa­nie­rung des Mu­se­ums leis­ten“, so be­rich­tete Hornikel, habe ihm je­mand auf dem Markt­platz vor­ge­hal­ten. Seine Ant­wort sei ge­we­sen: „Feu­er­wehr ist Pflicht“ und „Das Mu­seum ist 100 Pro­zent frei­wil­lig“.

Und in ei­nem wi­der­sprach Hornikel der Ver­mu­tung aus dem Pu­bli­kum ganz ent­schie­den, näm­lich, dass die Stadt­ver­wal­tung des­halb so gie­rig auf den neuen Mu­se­ums­stand­ort am Karls­platz sei, weil sie für die Kreis­bau dort der wich­tige „An­ker­mie­ter“ sei: „Der An­ker­mie­ter sind de­fi­ni­tiv wir nicht.“

Was an die­sem Abend deut­lich wurde, war, dass die Men­schen sich viele Ge­dan­ken ge­macht ha­ben, wie man das Geld für die Sa­nie­rung auf­trei­ben könnte.

Jür­gen Do­bler er­in­nerte an seine „Fundraising“-Aktion für die Kir­chen­sa­nie­rung, bei der 1,9 Mil­lio­nen Euro zu­sam­men­ge­kom­men seien. Es wurde vor­ge­schla­gen, eine Stif­tung zu grün­den, die sich die­ses Ziel setzt, Spen­den­ak­tio­nen der „Schorn­dor­fer Wei­ber“, die mit sol­chen schon öf­ter er­folg­reich wa­ren, wur­den ge­nannt, Gön­ner an­zu­spre­chen, von de­nen es in der Stadt ge­nü­gend gäbe.

Zu­nächst wie­gelte Hornikel alle diese Vor­schläge ab mit dem Ar­gu­ment, da­durch könne sein De­fi­zit von 6 Mil­lio­nen Euro im Haus­halt bis Juli nicht re­du­ziert wer­den.

Am Schluss be­dankte er sich dann aber mit ei­ner ge­wis­sen „Nach­denk­lich­keit“ für das En­ga­ge­ment der An­we­sen­den und ver­sprach, de­ren „Lei­den­schaft“ mit­zu­neh­men in die wei­te­ren Be­ra­tun­gen zum Thema.

[Man kann ja auch ein Na­mens­recht für das Mu­seum ver­kau­fen, so wie beim Hal­len­bad und beim Sport­zen­trum. Der Ad­min]

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