Wie eine Gemeinde Schulden vermeidet

Win­ter­bach ist eine von 96 Ge­mein­den in Ba­den-Würt­tem­berg, die von Ver­wal­tung und Ge­mein­de­rat schul­den­frei ge­hal­ten wur­den, wie das Sta­tis­ti­sche Lan­des­amt mit­teilt. Wir frag­ten Haupt­amts­lei­ter Mat­thias Kolb nach sei­nem Ge­heim­re­zept. Der lacht und sagt, dass es ein sol­ches nicht gebe, son­dern die Kom­mune „über viele Jahr­zehnte spar­sam ge­wirt­schaf­tet“ habe, und: „Dem Ge­mein­de­rat war es im­mer sehr wich­tig, dass man nicht über seine Ver­hält­nisse lebt.“ Dies sei et­was, das im Ort „von Ge­nera­tion zu Ge­nera­tion wei­ter­ge­ge­ben wird“, so­zu­sa­gen die „Win­ter­ba­cher Grund­sätze“. Dar­un­ter falle auch der Be­griff „Be­schei­den­heit“.

Man könne nicht alle fi­nan­zi­el­len Ent­wick­lun­gen be­ein­flus­sen, doch gelte es in Kri­sen­zei­ten, „küh­len Kopf zu be­wah­ren“. Und so habe Win­ter­bach ei­nen ge­wis­sen Grund­stock ge­schaf­fen, um li­quide zu blei­ben. Auch lasse man sich dort nicht „von der gro­ßen Po­li­tik ver­lei­ten“, wenn diese För­der­gel­der an­bie­tet für Pro­jekte, „die ge­rade ‚hipp‘ oder ‚in‘ sind“, son­dern im­mer fragt, was die tat­säch­li­chen Be­dürf­nisse der Ge­meinde seien. Da müsse es auch nicht im­mer gleich „ein top neues Ge­bäude“ sein, son­dern man su­che, ob es auch noch an­de­ren Lö­sun­gen gebe.

Von Vor­teil sei, dass Ent­schei­dun­gen im Ge­mein­de­rat von Win­ter­bach „nicht po­li­tisch“ ge­fällt wür­den son­dern sach­ori­en­tiert. Das sei in grö­ße­ren Ort­schaf­ten an­ders, wo „viel Po­ten­zial ver­spielt oder blo­ckiert wird“, wie er meint, wenn Par­tei­po­li­tik über die In­ter­es­sen der Bür­ger ge­stellt wür­den. Win­ter­bach hin­ge­gen frage sich bei In­ves­ti­tio­nen stets: „Was kann ich mir leis­ten? Klotze ich oder fahre ich auf Sicht?“ Vor al­lem: „Was kann ich ge­gen­über der Be­völ­ke­rung be­grün­den? Denn es sind ja ihre Steu­er­gel­der.“

Laut Pres­se­mit­tei­lung des Sta­tis­ti­schen Lan­des­amts fällt es klei­ne­ren Kom­mu­nen grund­sätz­lich leich­ter, Schul­den zu ver­mei­den. Win­ter­bach hat der­zeit 7.600 Ein­woh­ner. Al­ler­dings fin­det sich auch Bie­tig­heim-Bis­sin­gen auf der Liste der schul­den­freien Kom­mu­nen. Diese Stadt über­steigt mit 43.222 Ein­woh­ne­rIn­nen die Größe von Schorn­dorf um ein We­ni­ges.

Die durch­schnitt­li­che Pro-Kopf-Ver­schul­dung al­ler 1.101 Kom­mu­nen in Ba­den-Würt­tem­berg lag Ende vo­ri­gen Jah­res bei 1.355 Euro. Mit 4.524 Euro Schul­den pro Kopf ha­ben in Schorn­dorf Ver­wal­tung und Ge­mein­de­rat in­zwi­schen mehr als das Drei­fa­che die­ses Durch­schnitts­werts an­ge­häuft.

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