Kurzmeldung«
Dass der Einzelhandelsumsatz in Schorndorf gemäß gemäß einer Prognose der IHK bis Ende des Jahres um 7,2 Millionen Euro auf 345,4 Millionen Euro steigen wird, hält OB Hornikel laut Pressemitteilung „gerade angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen für den stationären Einzelhandel“ für „eine gute Nachricht“.
Dass kleine und mittlere Händler in der Innenstadt kontinuierlich Umsatzrückgänge beklagen, steht dazu im krassen Widerspruch.
Des Rätsels Lösung: In der Prognose sind sie gar nicht vertreten.
„Wir fokussieren uns auf die großen Betriebe“, sagt Michael Bauer, dessen Institut die Prognose erstellt hat. Diese basiere auf Schätzverfahren, bei denen dieser Fokus ausreiche, um zu einem aussagekräftigen Ergebnis zu kommen.
Die Prognose ermittelt vor allem die Kaufkraft, sprich: wieviel Geld die Menschen für Einkäufe ausgeben. Diese steigt aktuell pro EinwohnerIn des Rems-Murr-Kreises um 210 Euro auf 8.501 Euro.
Eine weitere Untersuchung dient der Frage, ob die Stadt zusätzlich Kunden aus dem Umland für Einkäufe anzieht, was mit einer Zahl über 100 beziffert wird.
Diese sogenannte Zentralitätskennziffer liegt für Schorndorf bei 112,8. Für OB Hornikel bedeutet das, „dass Schorndorf als Einkaufsstadt eine starke Position hat“.
Freilich ist auch sie ebenfalls stetig im Sinken: Vor drei Jahren lag sie noch bei 124,1.
Zum Ende des Jahres wird das Traditionshaus „Betten Veil“ schließen, weil unter anderem, wie dessen Eigentümerin Mareike Pisall erklärte, die Parkplätze vor dem Haus fehlen.
Desgleichen hört man von Kunden der Metzgerei Kurz, die extra nach Winterbach fahren, um in der dortigen Filiale im Abramzik-Markt einzukaufen, weil sie da vor dem Haus parken können.
Besonders die inhabergeführten Geschäfte in der Innenstadt stehen unter Druck: Weniger Umsätze bei steigenden Personalkosten bzw. Mühen, kompetente Leute dafür zu finden.
Und nun will die Stadtverwaltung auch noch die Gewerbesteuer anheben, um ihren Haushalt auszugleichen.
Einer dieser Geschäftsinhaber sagt, dass die Probleme spätestens in zwei Jahren „massiv“ werden, falls nicht gegengesteuert wird.
Inzwischen sind bereits einzelne Läden dazu übergegangen, ihr Geschäft montags gar nicht mehr oder nur noch bis Mittag zu öffnen.
Dies löst zwangsläufig einen Domino-Effekt aus, weil durch die zurückgehende Besucher-Frequenz in der Stadt auch in weiteren Läden der Kundenstrom nachlässt, weshalb sich die Öffnung nicht mehr lohnt.
Vor solchen Entwicklungen warnt der stellvertretende Leiter der IHK-Bezirkskammer Rems-Murr, David Fais: „Wenn Geschäfte verschwinden, verlieren unsere Zentren mehr als nur Verkaufsfläche“.

