Mit gutem Beispiel voran

Kom­men­tar«
Es er­in­nert schon schwer an „Was­ser pre­di­gen und Wein trin­ken“, wenn un­ser Ober­bür­ger­meis­ter von der Bür­ger­schaft Ver­zicht ver­langt und ihr Ge­büh­ren­er­hö­hun­gen zu­mu­tet, aber sich selbst mun­ter im­mer wei­ter aus dem Steu­er­topf be­dient und seine per­sön­li­che En­tou­rage ver­grö­ßert.

Die Schaf­fung ei­ner Stelle für ei­nen Jus­ti­ziar wurde dem Ge­mein­de­rat einst da­mit be­grün­det, dass man da­durch die Ho­no­rare für ex­terne An­wälte ein­spare. In der Aus­schrei­bung für den Pos­ten stand dann al­ler­dings, dass „die Zu­sam­men­ar­beit mit Rechts­be­ra­tern“ von da aus „ko­or­di­niert“ wer­den solle.

Wenn ei­ner­seits der er­mä­ßigte Kita-Ge­büh­ren­satz für Ein­kom­mens­schwa­che ge­stri­chen wird, ist völ­lig un­ver­ständ­lich, dass der OB sich an­de­rer­seits eine „So­cial Me­dia Ma­na­ge­rin“ leis­tet, die ihn da­bei filmt, wie er in der Ge­gend spa­zie­ren fährt.

Die Ein­rich­tung ei­ner „Stab­stelle Kli­ma­schutz“ wurde dem Ge­mein­de­rat mit – in Aus­sicht ge­stell­ten – För­der­gel­dern schmack­haft ge­macht. Es gab dann am Ende aber nur für eine der fünf Pos­ten ei­nen Zu­schuss, und der ist mitt­ler­weile auch aus­ge­lau­fen.

Doch das Per­so­nal wurde wei­ter auf­ge­stockt.

Der Be­völ­ke­rung wird er­zählt, die dort Be­schäf­tig­ten dien­ten der Klima-Ret­tung, da­bei konn­ten sie noch nicht ein­mal das Fas­sa­den­grün am Hirsch­brun­nen ret­ten.

In die­sem Jahr hat es der wilde Wein, der über den Win­ter stets ge­stutzt wird, nicht mehr ge­schaffte, den Hirsch­brun­nen in der Fuß­gän­ger­zone zu be­grü­nen.

Und der Rad­we­ge­ko­or­di­na­tor hat in der öf­fent­li­chen Wahr­neh­mung auch noch nicht viel mehr als ein Über­hol­ver­bot in der Feu­er­see­straße und ei­nen Hal­te­griff für Rad­ler an der Am­pel der Burg­straße (Kreu­zung Schlich­te­ner Straße) be­werk­stel­ligt.

Für ei­nige Stadt­rä­tIn­nen war nun im Ge­mein­de­rat eine rote Li­nie über­schrit­ten, als Hornikel die Ge­wer­be­trei­ben­den noch mehr zur Kasse bit­ten wollte, ob­wohl die Kom­mune laut CDU-Stadt­rat Klaus Do­bler seit 2014 be­reits dop­pelte so viel Geld aus der Ge­wer­be­steuer ein­nimmt, näm­lich in­zwi­schen 34 Mil­lio­nen Euro (da­mals 17 Mil­lio­nen Euro).

Der An­he­bung der Ge­wer­be­steuer von 405 auf 420 Pro­zent ver­wei­gerte sich eine Mehr­heit aus den Frak­tio­nen von CDU, FW/​FDP und AfD zu­sam­men mit der „Bür­ger­stimme“ (BSS).

Zu Recht.

Diese 16 Mit­glie­der des Ge­mein­de­rats ha­ben sich dar­auf be­son­nen, dass sie Ver­tre­ter der Bür­ger­schaft und nicht der Rat­haus­ver­wal­tung sind. Dass sie Ver­tre­ter des „Sou­ve­räns“, also des Vol­kes sind.

Und dass sie die­je­ni­gen im Rat­haus, die von die­sem Sou­ve­rän fi­nan­ziert wer­den, kon­trol­lie­ren sol­len und dar­auf drän­gen, dass sich die „Obe­ren“ der Stadt von den Spar­zwän­gen nicht aus­neh­men, son­dern mit gu­tem Bei­spiel voran ge­hen.

Re­gie­rungs­prä­si­den­tin Su­sanne Bay hat den Weg vor­ge­zeich­net: Sie rät drin­gend zur „zeit­li­chen Stre­ckung“ von In­ves­ti­tio­nen, sprich: diese zu ver­schie­ben.

Ganz kon­kret bie­tet sich da das Pres­ti­ge­pro­jekt der Ar­chiv­platz-Be­grü­nung an.

CDU-Stadt­rat Stef­fen Krötz hat vor­ge­rech­net, dass man da­durch nicht nur die In­ves­ti­tion für die Um­ge­stal­tung ein­spart, son­dern auch das Geld für spä­te­ren Un­ter­halt.

Zu­sätz­lich lie­ßen sich so­gar noch Ein­nah­men für Park­ge­büh­ren ge­ne­rie­ren und der Ein­zel­han­del in der Alt­stadt könnte auf­at­men, weil die Um­sätze wie­der zum (Über-)Leben rei­chen.

Es er­for­dert al­ler­dings in der Ver­wal­tung Mut und Größe, sich vom per­sön­li­chen Traum ei­nes Wohl­tä­ters, Mä­zens oder auch Welt­ret­ters zu ver­ab­schie­den.

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