Ingo Sombrutzki: Chance nicht genutzt

Gast­bei­trag«
CDU-Stadt­rat Ingo Som­brutzki hat sich im Ge­mein­de­rat bei der Ab­stim­mung zur Frage, ob das Bür­ger­be­geh­ren zu­läs­sig ist, der Stimme ent­hal­ten mit der Be­grün­dung: „Ich bin kein Ju­rist.“

In den „Schorn­dor­fer Nach­rich­ten“ warf ihm Jutta Pöschko-Kopp vor, ge­gen­über der Mehr­heit im Gre­mium „ein­ge­knickt“ zu sein. Gleich­wohl wünschte sie sich seine „Zu­rück­hal­tung“ öf­ter: „Spä­tes­tens das nächste Mal, wenn Som­brutzki Ver­kehrs­exper­ten tap­fer er­klärt, wie Rad­we­ge­pla­nung geht.“

In sei­ner Ent­geg­nung dazu er­gänzt Som­brutzki, dass die CDU mit ih­rem An­trag, den Be­schluss zum Mu­se­ums-Um­zug ganz auf­zu­he­ben (statt nur aus­zu­set­zen), „zur Be­frie­dung der auf­ge­heiz­ten De­batte in un­se­rer Stadt“ bei­tra­gen wollte. Was je­doch OB und Gre­mi­ums­mehr­heit als Chance „un­ge­nutzt ver­strei­chen las­sen“ hät­ten.

Hier seine Stel­lung­nahme im Wort­laut:

„Ich habe in der Sit­zung aus­drück­lich dar­ge­legt, dass ich mich als Nicht­ju­rist mit der Ein­schät­zung schwer tue, das Bür­ger­be­geh­ren nach mei­nem Rechts­ver­ständ­nis je­doch für zu­läs­sig halte. Meine Auf­fas­sung ist: Das Stadt­mu­seum ist der­zeit ge­öff­net. Wird der Ge­mein­de­rats­be­schluss zum Um­zug auf­ge­ho­ben, ent­ste­hen da­durch un­mit­tel­bar keine zu­sätz­li­chen Kos­ten.

Des­halb ist aus mei­ner Sicht auch kein Kos­ten­de­ckungs­vor­schlag er­for­der­lich. Gleich­zei­tig habe ich aber ebenso klar er­klärt, dass ich als Ge­mein­de­rat die ge­gen­tei­lige Rechts­auf­fas­sung des Re­gie­rungs­prä­si­di­ums als zu­stän­di­ger Rechts­auf­sichts­be­hörde nicht ein­fach igno­rie­ren kann.

Aus ge­nau die­sem Grund habe ich mich bei der Ab­stim­mung ent­hal­ten. Das war keine vor­nehme Zu­rück­hal­tung, son­dern die be­wusste Ab­wä­gung zwi­schen mei­ner ei­ge­nen recht­li­chen Ein­schät­zung und der Be­wer­tung der zu­stän­di­gen Be­hörde.

Ebenso un­er­wähnt bleibt, dass ich be­reits im März ge­gen den Um­zug des Stadt­mu­se­ums ge­stimmt habe – mit der Be­grün­dung: „Wir ha­ben das Geld nicht und ge­ben es trotz­dem aus.“

Diese Po­si­tion habe ich kon­se­quent ver­tre­ten, lange be­vor das Bür­ger­be­geh­ren über­haupt ein­ge­reicht wurde. Die da­ma­lige Ent­schei­dung für ein neues Stadt­mu­seum war an­ge­sichts der an­ge­spann­ten Haus­halts­lage aus mei­ner Sicht schon da­mals fi­nanz­po­li­tisch nicht ver­tret­bar.

Ein Hei­mat­mu­seum lebt für mich zu­dem nicht in ers­ter Li­nie von ei­nem mo­der­nen Ge­bäude am Karls­platz oder ei­ner at­trak­ti­ven Leucht­re­klame. Es lebt von sei­ner his­to­ri­schen Ein­bet­tung, sei­ner At­mo­sphäre und sei­nem ge­wach­se­nen Stand­ort am Kirch­platz.

Frau Pöschko-Kopp lei­tet aus mei­ner dif­fe­ren­zier­ten Hal­tung die Emp­feh­lung ab, ich möge mich künf­tig auch bei an­de­ren The­men lie­ber zu­rück­hal­ten. Da­mit ver­kennt sie die Auf­gabe ei­nes Ge­mein­de­rats.

Kom­mu­nal­po­li­tik be­steht ge­rade darin, fach­li­che Ein­schät­zun­gen sorg­fäl­tig ab­zu­wä­gen, un­ter­schied­li­che In­ter­es­sen zu be­rück­sich­ti­gen und an­schlie­ßend ei­gen­ver­ant­wort­lich po­li­ti­sche Ent­schei­dun­gen zu tref­fen. Ex­per­ten lie­fern wich­tige Grund­la­gen – ent­schei­den müs­sen am Ende je­doch die de­mo­kra­tisch ge­wähl­ten Man­dats­trä­ger.

Wer aus Re­spekt vor ei­ner fach­li­chen Stel­lung­nahme nicht blind de­ren Auf­fas­sung über­nimmt, son­dern sie kri­tisch ein­ord­net, han­delt nicht an­ma­ßend, son­dern ver­ant­wor­tungs­voll. Die­selbe Dif­fe­ren­zie­rung dürf­ten auch die Le­se­rin­nen und Le­ser von ei­ner pro­fes­sio­nel­len Be­richt­erstat­tung er­war­ten.

Die CDU-Frak­tion hat üb­ri­gens ge­schlos­sen den An­trag ge­stellt, den Um­zugs­be­schluss auf­zu­he­ben – um eine Brü­cke zur Be­frie­dung der auf­ge­heiz­ten De­batte in un­se­rer Stadt zu bauen und eine mög­li­che Klage der In­itia­to­ren des Bür­ger­be­geh­rens zu ver­mei­den.

Diese Chance ha­ben Ober­bür­ger­meis­ter und Ge­mein­de­rats­mehr­heit lei­der un­ge­nutzt ver­strei­chen las­sen.“

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