Glosse«
Noch bis Montag, 2. November, können Vorschläge eingereicht werden, an wen der Künkelinpreis 2027 verliehen werden soll. An eine Frau, die so mutig ist, wie Barbara Künkelin und ihre Mitstreiterinnen anno 1688 waren, als sie den Befehl der Obrigkeit aus Stuttgart vereitelten, Schorndorfs Stadttore den französischen Soldaten zur Plünderung zu öffnen.
Weil sie durch dieses beherzte Tun die Bürgerschaft vor großem Schaden bewahrten, werden sie bis heute zu Recht verehrt. Ihr großer Coup war es, die Männer des hiesigen Magistrat samt der Boten aus Stuttgart im Rathaus gefangen zu halten, damit sie kein Unheil anrichten. Auf dem Marktplatz hielten sie bei eisiger Kälte Wacht vor dem Gebäude.
Wer nun auf den irren Gedanken kommt, nach aktuellen Beispielen für solche Taten zu suchen, gerät sehr schnell auf Abwege.
Bei der Recherche via Google unter dem Stichwort „Frauen sperren Männer ein“ findet sich der Fall einer Frau in Belgien, die ihren Mann in einen Hundezwinger sperrte, sowie die Meldung der „Stuttgarter Nachrichten“ vom 7. August dieses Jahres, wonach ein Mann, der in einem Regionalzug drei Frauen beleidigt und bespuckt hat, von Fahrgästen im Klo eingesperrt wurde.
Zu bedenken ist auch, dass sich die „Schorndorfer Weiber“ damals tatsächlich diverser Straftaten schuldig gemacht haben, allem voran: Freiheitsberaubung. Dazu Widerstand gegen die Staatsgewalt und Zusammenrottung auf dem Marktplatz.
Dementsprechend aussichtslos wäre es daher, jene Frauen für den Preis vorzuschlagen, die in Corona-Zeiten vor dem Rathaus Demos organisierten, um u.a. über Falschbehauptungen der Regierung aufzuklären. Denn dabei widersetzte sie sich dem Masken- und Abstandsbefehl der Staatsgewalt.
Auch sogenannte „Mut-Ärztinnen“, die ihre PatientInnen per Attest vor den Schäden durch Tragen eines solchen Mundschutzes bewahrten, wie etwa Perin Dinekli und andere, die von der Staatsanwaltschaft verfolgt und inhaftiert wurden, hätten aus dem gleichen Grund keine Chance, in die nähere Auswahl der Preisträgerinnen zu kommen.
Desgleichen Sahra Wagenknecht, die im Februar 2023 durch ihre legendäre Friedensdemonstration mit Tausenden Menschen in Berlin vor dem Brandenburger Tor den Unmut des amtierenden Vize-Kanzlers Habeck hervorrief.
Und falls Ihnen jetzt bei der Vorstellung, dass anno 1688 durch das Schließen der Stadttore fremdländische Männer draußen bleiben mussten, spontan Frau Weidel einfällt – vergessen Sie’s!

