Literaturnobelpreis für Annie Ernaux

An­nie Ernaux „ist eine kleine, fra­gile Frau, die aber ei­nen wun­der­ba­ren Schalk im Na­cken hat, und die sich vor nichts und nie­man­den fürch­tet.“ Sie zu tref­fen sei „als dürfte man Pippi Lang­strumpf ken­nen­ler­nen“, er­klärte Li­te­ra­tur­kri­ti­ker De­nis Scheck am Don­ners­tag ge­gen­über der Ta­ges­schau, be­fragt zu ih­rer Aus­zeich­nung.

Die 82-jäh­rige Fran­zö­sin ist erst die 17. Frau, de­ren Schaf­fen mit dem Li­te­ra­tur­no­bel­preis ge­wür­digt wird – ge­gen­über ins­ge­samt 101 Män­nern, de­nen er seit 1901 be­reits ver­lie­hen wurde.

An­nie Ernaux be­schreibt in ih­ren Bü­chern ei­gene Er­fah­run­gen, in de­nen sich an­dere Frauen aber auch des­halb wie­der­fin­den, weil ihr Stil sehr plas­tisch und leicht zu le­sen ist. So be­ginnt sie ih­ren Ro­man „Er­in­ne­run­gen ei­nes Mäd­chens“ fol­gen­der­ma­ßen: „Es gibt Men­schen, die über­wäl­tigt wer­den von der Ge­gen­wart an­de­rer, von ih­rer Art zu spre­chen, die Beine über­ein­an­der­zu­schla­gen, eine Zi­ga­rette an­zu­zün­den. Die ge­bannt sind von ih­rer Prä­senz. Ei­nes Ta­ges, viel­mehr ei­nes Nachts, wer­den sie mit­ge­ris­sen vom Be­geh­ren und Wil­len ei­nes an­de­ren, ei­nes Ein­zi­gen. Was sie zu sein glau­ben, ver­schwin­det. Sie lö­sen sich auf und se­hen ein Ab­bild ih­rer selbst han­deln, ge­hor­chen, er­fasst vom un­be­kann­ten Wil­len des An­de­ren. Er ist ih­nen im­mer ein Stück vor­aus. Sie ho­len ihn nie ein.“

In der Stadt­bi­blio­thek Schorn­dorf ist das Buch der­zeit ent­lie­hen. Wei­tere Ex­em­plare sind be­stellt. Er­fah­rungs­ge­mäß dau­ert es nach Ver­kün­dung der Preis­trä­ge­rin meis­tens zwei Wo­chen, bis ge­nü­gend Ex­em­plare zum Ver­kauf be­reit­ste­hen, er­klärt die Fi­li­al­lei­te­rin der Buch­hand­lung Osi­an­der, Sa­rah Schä­fer. Mög­li­cher­weise könnte durch die ak­tu­elle Pa­pier­knapp­heit diese Spanne noch ver­län­gert wer­den.

Im Aus­wahl­ko­mi­tee für den Li­te­ra­tur­no­bel­preis, das aus fünf Mit­glie­dern der Schwe­di­schen Aka­de­mie be­steht, sit­zen zur Zeit ne­ben drei Män­nern die Schrift­stel­le­rin­nen El­len Matt­son und Anne Swärd.

Al­fred No­bel hat in sei­nem Tes­ta­ment ver­fügt, dass der von ihm ge­stif­tete Preis für Li­te­ra­tur an den­je­ni­gen ver­lie­hen wer­den solle, der „das Vor­züg­lichste in idea­lis­ti­scher Rich­tung ge­schaf­fen hat“.

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