Kommentar«
Nur noch 28 Prozent der Menschen im Land vertrauen unseren staatlichen Institutionen – und deren Vertretern. Den Medien vertrauen gerade mal noch 22 Prozent, den Parteien 17 Prozent.
Sprich: Fast drei Viertel der Bevölkerung misstraut mittlerweile denen, die unsere Steuergelder verantwortungsvoll verwalten sollen.
Da muss man sich ja mal fragen, warum das Volk noch nicht schon längst aufbegehrt hat, um diesen Zustand zu ändern. Fühlt es sich immer noch als Untertan der Obrigkeit?
Oder wirkt hier ein Gewöhnungseffekt? Im Bundestag erhöhen sich die Gehälter inzwischen automatisch analog zur Inflation. Welcher einfache Angestellte kommt in den gleichen Genuss? Die Bundesregierung wirft unsere Steuergelder zum Fenster raus, während nötige Aufgaben – auch auf kommunaler Ebene – immer häufiger ehrenamtlich geleistet werden müssen.
Die Landesregierung erklärt dreist, dass die Bundeswehr sich bei künftigen Bauvorhaben nicht mehr an Recht und Gesetz halten muss, sich also über Denkmalschutz und Umweltbelange hinwegsetzen kann.
Und auch in unserer Stadt geschehen Dinge, die das Etikett „demokratisch“ nicht verdienen. Etwa, dass der Oberbürgermeister immer häufiger bei Beratungen die Öffentlichkeit ausschließt.
Das war so beim Thema „Kelter in Schornbach“, das war bei der Erhöhung der Hallenbad-Eintrittspreise, das war beim Thema Windkraft. Und zuletzt wurde der jüngste Einfall aus dem Rathaus, nämlich die ehemalige Lateinschule zu verkaufen, in der das Stadtmuseum residiert, ebenfalls in nicht-öffentlicher Sitzung vorberaten.
Man bekommt den Eindruck, dass die Verwaltungsspitze kein Tafelsilber mehr hat, was sie verscherbeln kann, um das Loch in der Stadtkasse zu stopfen. Jetzt geht es an die Gebäude.
Nachdem die Grünen-Fraktion einen Antrag stellte, das eine Entscheidung über das Museumsgebäude bis Juli nächsten Jahres zurückzustellen, stellte die Verwaltung selbst einen Antrag auf Vertagung, und zwar bis Februar. Dem stimmte das Gremium mit 21 zu zwei Stimmen zu, bei fünf Enthaltungen.
Leider geschieht es immer häufiger, dass jene, die noch auf die Einhaltung demokratischer Grundsätze pochen, inzwischen verunglimpft werden, sie würden den Staat „delegitimieren“. Ja, sogar, wenn sie einzelne Politiker schlicht nur kritisieren.
Das lässt tief blicken. Wenn Politiker meinen, sie selbst seien der Staat. Das hat man zuletzt vom französischen Sonnenkönig Ludwig XIV. gehört: „L’État c’est moi.“
Was heißt hier überhaupt „delegitimieren“? Wenn wir sagen: „Das ist legitim“, halten wir etwas für angebracht, anständig, sinnvoll: Und genehmigen es. Wir sind das Volk.
Wenn dies nicht der Fall ist, kritisieren wir ein solches Verhalten. Das gesteht uns die Meinungsfreiheit im Grundgesetz ausdrücklich zu. Dies als „Delegitimierung“ zu bezeichnen, zeugt von einem stark gestörten Demokratieverständnis.
Nein, nicht der Überbringer solcher „Botschaften“ ist am Vertrauensverlust in der Bevölkerung schuld, sondern diejenigen, die für diese Missstände sorgen.
Und sie machen es nur noch schlimmer, wenn sie alles, was ihnen nicht in den Kram passt, verbieten wollen. Das war schon 1933 keine gute Idee, als die SPD verboten wurde.
Von einem Kämmerer erwarten wir Weitblick, zumindest einen guten Überblick. Da macht es keinen wirklich guten Eindruck, dass das hiesige Exemplar die Schäden an der Lateinschule jahrzehntelang ignoriert hat.
Ja, noch schlimmer: die Fördergelder für Sanierungen in der Weststadt eben nicht für die Instandhaltung des Museums eingesetzt hat, sondern dafür sorgte, dass sie für den Bücherei-Neubau – in der Oststadt! – zweckentfremdet wurden.

