NZZ: Bürgerentscheide überwinden Spaltung

Kurz­mel­dung«
Wäh­rend Ober­bür­ger­meis­ter Hornikel vo­ri­gen Mon­tag die Bür­ger­initia­tive ge­gen ein Heiz­kraft­werk in der Grau­halde bei ih­rer Un­ter­schrif­ten-Über­gabe nicht ge­rade sehr be­geis­tert emp­fing, ist für Mi­chael Rasch, Re­dak­teur der „Neuen Zür­cher Zei­tung“ (NZZ), die di­rekte De­mo­kra­tie das Ge­bot der Stunde.

Er ist der Über­zeu­gung, dass es „in Zei­ten plu­ra­ler und zer­ris­se­ner Ge­sell­schaf­ten“ ge­rade die Volks­ab­stim­mun­gen sind, die „die Ver­här­tun­gen der po­li­ti­schen La­ger auf­zu­wei­chen“ ver­mö­gen.

Als eine Ur­sa­che da­für, dass eins­tige „Volks­par­teien“ im­mer mehr in der Be­deu­tungs­lo­sig­keit ver­schwin­den, sieht er eine ver­stärkte In­di­vi­dua­li­sie­rung der Ge­sell­schaft: Weil die Men­schen ihre sämt­li­chen Prä­fe­ren­zen nicht mehr von ei­ner ein­zel­nen Par­tei ab­ge­deckt se­hen.

So finde sich etwa in Eu­ropa keine Par­tei für den­je­ni­gen, der „ei­nen star­ken Kli­ma­schutz für un­ab­ding­bar hält, aber ge­gen eine Mas­sen­ein­wan­de­rung von Mi­gran­ten ist“. Glei­ches gelte für die The­men Atom­kraft und Min­dest­lohn.

Und ge­nau hier zeige sich die Über­le­gen­heit der di­rek­ten De­mo­kra­tie. Bei Volks­ab­stim­mun­gen kön­nen die Bür­ger ihre Prä­fe­renz bei je­dem Thema „prä­zise zum Aus­druck brin­gen“.

Die Schweiz mit ih­rer dies­be­züg­li­chen Tra­di­tion, in der eine Misch­form aus di­rek­ter und in­di­rek­ter De­mo­kra­tie seit Jahr­zehn­ten er­folg­reich funk­tio­niert, diene hier als Vor­bild.

Im Üb­ri­gen seien auch aus die­sem Grund Schwei­zer Po­li­ti­ker kaum über ihre Lan­des­gren­zen hin­aus be­kannt: „Weil sie viel we­ni­ger Macht ha­ben als in an­de­ren Län­dern.“

Denn die Bür­ger­schaft ist es, die dort über wich­tige Fra­gen ent­schei­det, und so­gar mit­hilfe von Volks­in­itia­ti­ven jene The­men „in den po­li­ti­schen Pro­zess ein­brin­gen“ könne, die ih­nen selbst sehr wich­tig sind, die aber „von den Par­teien ver­nach­läs­sigt wer­den“.

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