Was auf den Tisch kommt…

Kom­men­tar«
In der Ge­mein­de­rats­de­batte um den Mu­se­ums­stand­ort vo­rige Wo­che drohte OB Hornikel den Grü­nen, die eine Ver­ta­gung der Ent­schei­dung be­an­tragt hat­ten, mit der dra­ko­ni­schen Kon­se­quenz: „Euer An­trag stellt ein Mu­seum in Schorn­dorf in Frage.“

Wenn je­mand ganz un­ver­mit­telt ein der­art ri­gi­des Ver­hal­ten an den Tag legt, deu­ten Psy­cho­lo­gen dies oft als Wie­der­ho­lung des­sen, was der­je­nige als Kind selbst er­lit­ten hat. In die­sem Falle eine Er­fah­rung à la: „Ge­ges­sen, wird, was auf den Tisch kommt! Wenn dir das nicht passt, dann geht’s heute ohne Abend­brot ins Bett!“

Da­bei hat­ten die kri­ti­schen Stadt­rä­tIn­nen le­dig­lich die Schwä­chen der ih­nen prä­sen­tier­ten Kos­ten­rech­nung auf­ge­zeigt: Eine Jah­res­miete von bis zu 200.000 Euro im Neu­bau am Bus­bahn­hof sum­miert sich al­lein schon in der 15-jäh­ri­gen Lauf­zeit des Miet­ver­trags auf 3 Mil­lio­nen Euro.

Die­ses Geld aber fehle, so heißt es sei­tens der Ver­wal­tung, um die La­tein­schule zu sa­nie­ren.

Das er­gibt tat­säch­lich kei­nen Sinn.

Und wenn die Rat­haus­spitze ar­gu­men­tiert, dass das Stadt­mu­seum we­nig Be­su­cher ver­zeich­net, ge­hört der Voll­stän­dig­keit hal­ber auch dazu, dass man er­wähnt, für die jahr­zehn­te­lan­gen Bit­ten zur Mo­der­ni­sie­rung des Aus­stel­lungs­kon­zepts auf bei­den Oh­ren taub ge­we­sen zu sein.

Doch jetzt auf ein­mal will die Rat­haus­spitze für ein sol­ches Kon­zept 800.000 Euro lo­cker­ma­chen. Und man fragt sich: Wo­her soll das Geld kom­men? Die Stadt­kasse ist doch leer.

Skep­ti­ker mei­nen, dass hier der ur­alte Trick an­ge­wandt wird: Wenn ein Bür­ger­meis­ter ein Pro­jekt un­be­dingt will, wird es dem Ge­mein­de­rat im­mer als su­per­güns­tig er­klärt, z.B. weil man nicht gleich alle Kos­ten auf den Tisch legt.

Bes­tes Bei­spiel da­für ist der Um­bau der Meie­rei als neues Do­mi­zil für die Leih­bü­che­rei. Na­tür­lich wa­ren die Schä­den im Fach­werk be­reits seit lan­gem be­kannt. Der Öf­fent­lich­keit und dem Ge­mein­de­rat wurde dies als un­er­war­tete Über­ra­schung prä­sen­tiert. Mit der Mah­nung, dass man jetzt nicht mehr ab­bre­chen könne. Und brav ha­ben die Stadt­rä­tIn­nen ab­ge­nickt.

Im Fall Mu­seum ist der Trick noch of­fen­sicht­li­cher. Da wird be­haup­tet, die Sa­nie­rung der La­tein­schule koste 10,8 Mil­lio­nen Euro, ob­wohl sie seit Jah­ren mit 3,2 bis 3,8 Mil­lio­nen im Haus­halts­plan be­zif­fert wird.

Hier er­le­ben wir Teil 2 des ur­alten Tricks: Wenn der Bür­ger­meis­ter et­was nicht will, wer­den da­für über­zo­gen hohe Kos­ten ins Feld ge­führt. Un­längst erst bei der Baum­schutz­ver­ord­nung ganz ge­nauso prak­ti­ziert.

Von ver­schie­de­ner Seite wird mitt­ler­weile of­fen ge­sagt, dass es Hornikel gar nicht um die Sa­nie­rung der La­tein­schule geht, son­dern dass er un­be­dingt will, dass das „Karls­quar­tier“ neu ent­steht, weil es näm­lich eine Tief­ga­rage ent­hal­ten soll.

Diese käme ihm ja so was von ge­le­gen für seine Pläne, den Un­te­ren Markt­platz in ei­nen Platz mit „Auf­ent­halts­qua­li­tät“ (in frü­he­ren Zei­ten auch „Lust­gar­ten“ ge­nannt) um­zu­funk­tio­nie­ren. Er könnte ihn au­to­frei be­kom­men, in­dem die Fahr­zeuge in der Tief­ga­rage ab­ge­stellt wer­den.

Er hat noch nicht mit­be­kom­men, dass eben­erdige Kurz­park­plätze es­sen­ti­ell sind für viele In­nen­stadt-Be­triebe und de­ren Er­halt. Auch weiß er nicht, dass Frauen ihr Auto lie­ber im Freien ab­stel­len als in ei­ner Tief­ga­rage; be­son­ders, wenn es dun­kel ist.

Und darf man fra­gen: Wer be­zahlt ei­gent­lich diese Tief­ga­rage?

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