Ankündigung«
Als Zeichen lebendiger Demokratie und Bürgerbeteiligung lässt die Rathausspitze die SchorndorferInnen über die Anschaffung neuer Parkbänke entscheiden. Diese sind am heutigen Mittwoch, 1. April, ab 16 Uhr vor dem Rathaus zum Probesitzen bereitgestellt.
Das Besondere an ihnen ist, dass sie mit einem Bezahlsystem ausgestattet sind. Auf diese Weise möchte die Stadtverwaltung einen Einnahmen-Ausgleich für Abschaffung der Auto-Parkplätze auf dem Archivplatz schaffen.
„Niemand hat die Absicht, die Bürgerinnen und Bürger zu schröpfen“, bekräftigt Oberbürgermeister Hornikel per Pressemitteilung. Doch sei es ein „Gebot der Stunde“, dass diese sich „verantwortungsvoll“ an der Tilgung der großen Schuldenlast, die auf seinen Schultern drückt, beteiligen.
Zur Auswahl stehen vier Modelle: Das von der Stadtverwaltung favorisierte „Pay&Sit“ (siehe Foto), bei dem die Sitzbank mit Dornen versehen wurde, die sich absenken, wenn man 50 Cent in den Automaten wirft (siehe Video).
Vor Ablauf der bezahlten Sitz-Zeit ertönt ein Signalton, so dass man entweder Geld nachwirft, oder aber rechtzeitig aufstehen kann, ohne körperlich Schaden zu erleiden.
Von der Firma Maksaapenkki stehen zwei Varianten zur Auswahl: Bänke mit Einzelklappsitze, die entweder zum Sitzen herunterklappen wie man es vom Kino her kennt, oder aber von unten nach oben in die be-sitzbare Position hochklappen.
Das italienische Modell „Pagasiedi“ hingegen verbindet die nüchterne Sitz-Funktion mit Kunst, indem es aus mehreren Rohren besteht, die sich in Rotation befinden, und für die Nutzung als Sitzbank gestoppt werden.
„Es kann nicht sein, dass wir dieses Einnahmen-Potenzial brachliegen lassen“, habe Bürgermeister Englert in einer nicht-öffentlichen Sondersitzung des Gemeinderats erklärt. Die Alternative wäre nämlich: Falls man diese Parkbänke nicht anschafft, bliebe ihm nichts anderes übrig, als in den gesamten Parks der Stadt Eintrittsgelder zu erheben.
Da die Bezahlbänke aber dem Konzept der konsumfreien Plätze als Treffpunkt, wie es die SPD-Fraktion fordert, zuwiderlaufen, wollte deren Vorsitzender Tim Schopf nur dann zustimmen, wenn zumindest Kinder, Jugendliche, Senioren und gehbehinderte Menschen von den Entgelten ausgenommen bleiben. Für sie solle es nun im Rathaus kostenlose Wertmarken für die Automaten geben.
Kritik an den Rathausplänen kommt von Joe Saling (Grüne): „Der Grund und Boden der Stadt gehört bereits den Bürgern. Die Bänke werden von ihren Steuern angeschafft. Die müssen daher nicht noch extra ‚gemietet‘ werden.“ Für ein Haus auf eigenem Grund und Boden zahle man ja auch keine zusätzliche Miete.
Hingegen erklärte Gerald Junginger (FDP/FW), dass er hinter der Einführung dieser Bezahlbänke stehe, „obwohl ich das der Bevölkerung gegenüber nicht vertreten kann“. Aber die Stadtverwaltung „braucht halt das Geld“, also handele es sich seiner Ansicht nach um eine Art „Notwehr“.
Zur Besänftigung der Bürger schlug er vor, neben jede Bank das Bild der neuen, über 20 Millionen Euro teuren Feuerwache zu stellen, so dass die Leute sehen, dass ihr eingeworfenes Geld einem guten Zweck dient.
Ihm widerspricht CDU-Rat Ingo Sombrutzki: Es könne nicht angehen, dass die Stadt ständig über ihre Verhältnisse lebt und beispielsweise immer noch in unnötige Prestigebauten investiert wie jetzt gerade in neue Museumsräume im Karlsquartier.
Angesichts steigender Lebenshaltungskosten sei es unverantwortlich, die Bürger noch zusätzlich zur Kasse zu bitten. Der Effekt werde sein, dass die Stadt und ihre Parks veröden, weil sich keiner mehr den Aufenthalt dort leisten kann.
„Die schwäbische Hausfrau ist eine Meisterin im Einteilen von Geld. Sie kommt mit dem aus, was sie hat. Ja: Am Ende hat sie sogar noch etwas beiseitegelegt für die Kinder zu Weihnachten“, befand er. Denn: „Sie kann klug wirtschaften.“ An ihr sollte sich die Verwaltung daher ein Beispiel nehmen.


