„Keine Holschulden der Bürger“

Kurz­mel­dung«
Stutt­gart über­trägt seine Ge­mein­de­rats-Sit­zun­gen im In­ter­net, Karls­ruhe, Mann­heim und Hei­del­berg tun es, ja selbst die kleine Ge­meinde Op­pen­wei­ler für seine rund 4.500 Ein­woh­ne­rIn­nen.

Der Jura-Pro­fes­sor Dr. Oli­ver Junk hält eine sol­che Über­tra­gung nicht nur für ei­nen zeit­ge­mä­ßen Ser­vice, son­dern er­klärt: „Wer das Ge­setz ge­nau liest stellt fest, dass die Über­tra­gung so­gar kom­mu­nale Pflicht­auf­gabe ist“. Denn die Ge­währ­leis­tung der Öf­fent­lich­keit ist ein Grund­pfei­ler der De­mo­kra­tie.

Dem­entspre­chend seien „In­for­ma­tion und Par­ti­zi­pa­tion keine Hol­schul­den der Be­völ­ke­rung“, schreibt er in ei­nem Gast­bei­trag im „Kom­mu­nal Ma­ga­zin“.

Es gelte, sich ei­ner „ge­wan­del­ten Me­di­en­land­schaft“ an­zu­pas­sen, kon­kret: das In­ter­net an­zu­er­ken­nen als Haupt­quelle der In­for­ma­ti­ons­be­schaf­fung.

Er for­dert da­her von Kom­mu­nal­po­li­ti­kern und ‑ver­wal­tung die „Si­cher­stel­lung“ ei­nes sol­chen Live­stream-An­ge­bots. Nicht zu­letzt könnte den no­to­ri­schen Kla­gen über ein man­geln­des In­ter­esse der Be­völ­ke­rung an Kom­mu­nal­the­men so­mit ein kon­kre­ter Schritt zur Ab­hilfe fol­gen. Was sich dann auch bei der Kan­di­da­ten­su­che für Ge­mein­de­rats­wah­len po­si­tiv be­merk­bar ma­chen würde.

In Op­pen­wei­ler kam die In­itia­tive zur Live-Über­tra­gung der Sit­zun­gen aus dem Gre­mium selbst: Lu­cas Röhrle, der seit 2019 für die Freie Wäh­ler­ver­ei­ni­gung im Gre­mium sitzt, rich­tete sie in Co­rona-Zei­ten ein, wie die Back­n­an­ger Zei­tung vor zwei Jah­ren schrieb.

Als Soft­ware-Ent­wick­ler lag es für ihn nahe, diese Tech­nik zu nut­zen, das nö­tige Fach­wis­sen brachte er mit. Seine 13 Rats­kol­le­gIn­nen hat­ten keine Ein­wände, und so in­stal­lierte er eine Ka­mera.

Dass die Über­tra­gung bis heute bei­be­hal­ten wird, be­grün­det Röhrle mit den vie­len po­si­ti­ven Rück­mel­dun­gen aus der Be­völ­ke­rung: „Das Ver­hält­nis von Auf­wand und Nut­zen passt ein­fach“.

Im Schnitt wür­den 20 Men­schen den Live­stream an­schauen, be­rich­tet er und weiß von Leu­ten, die den Stream ne­ben­her beim Ar­bei­ten in der Werk­statt lau­fen las­sen und ihn „quasi wie ei­nen Pod­cast hö­ren“. Bei man­chen The­men ver­zeich­net er so­gar bis zu 60 Zu­schaue­rin­nen bzw. ‑hö­rer.

Die Stadt­ver­wal­tung von Karls­ruhe be­grün­det ihr ent­spre­chen­des An­ge­bot für die Bür­ger­schaft da­mit, dass die Auf­zeich­nun­gen der Ge­mein­de­rats­sit­zun­gen der „trans­pa­ren­ten Nach­voll­zieh­bar­keit der Be­ra­tun­gen und Ent­schei­dungs­pro­zesse“ des Ge­mein­de­rats die­nen:

„Sie sol­len al­len In­ter­es­sier­ten die Mög­lich­keit ge­ben, an den öf­fent­li­chen Sit­zun­gen on­line teil­zu­neh­men und die Ent­schei­dungs­fin­dung nach­zu­ver­fol­gen.“

Und Hei­del­berg be­wirbt die Live-Mit­schnitte der öf­fent­li­chen Ge­mein­de­rats­sit­zung mit den Wor­ten: „Un­ver­än­dert, un­ge­schönt, un­ge­fil­tert.“

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