„Ich schließe mich dieser Hysterie nicht an“

Gast­bei­trag«
Die Kri­tik ei­nes hie­si­gen Ehe­paars an der Wer­bung für „Reichs Bräu“ im „Re­stau­rant Him­mel­reich“ hat kürz­lich in Schorn­dorf die Runde ge­macht.

Dass des­we­gen die­ses Re­stau­rant, weil es „pa­trio­tisch“ sei, ge­mie­den wer­den solle, hält die Di­plom Psy­cho­lo­gin Hanna Buck für über­trie­ben. Da sie an der Sor­bonne in Pa­ris stu­diert hat, ist ihr Frank­reich sehr ver­traut und sie zeigt auf, wie es die Fran­zo­sen mit dem Pa­trio­tis­mus hal­ten:

„Das Him­mel­reich hat also eine pa­trio­tisch na­tio­nale Ge­sin­nung. Prost Mahl­zeit. Ich lebe ge­rade stän­dig un­ter pa­trio­tisch na­tio­nal Ge­sinn­ten.

Ganz Frank­reich wim­melt nur so von die­sen Bür­gern. Da weht an je­dem Rat­haus dau­er­haft die Tri­co­lore, da­mit man es schon von wei­tem er­kennt. Da hän­gen an Markt­ta­gen die „Bleu- Blanc-Rouge“-Fähnchen am Markt­brun­nen in Pe­ze­nas. Da hängt mein Nach­bar am Wo­chen­ende seine Tri­co­lore Stan­darte über den Zaun.

Da sind auf je­dem Kon­fi­tü­ren­gläs­chen der Marke „Re­flets de France“ die Häub­chen und Bän­del in blau-weiß-rot ge­hal­ten. Die Men­schen sind stolz dar­auf, die­ser Na­tion, die sie für die große hal­ten, an­zu­ge­hö­ren.

Am 14. Juli dre­hen sie dann ganz groß auf. Da wird die ab­so­lut blut­rüns­tige Mar­seil­laise aus tau­sen­den lau­ten Mün­dern ge­sun­gen mit ab­so­lu­ter Hin­gabe.

Li­berté, Ega­lité, Fra­ter­nité steht an je­dem öf­fent­li­chen Ge­bäude. Man ist Ci­toyen, man ist wer! Als Bür­ger. Man be­geg­net dem Müll­ar­bei­ter ge­nau gleich wie dem Herrn Pro­fes­sor von der Uni­ver­si­tät. Der ist auch nur ein Bür­ger die­ser Na­tion!

Der FN oder jetzt „Ras­sem­blem­ent Na­tio­nale“ mit Ma­rine Le Pen ist ja deut­lich schär­fer als al­les, was hier bei der AfD rum­springt. Ge­gen die Le Pen ist die Wei­del eine „Re­li­gieuse“.

Falls die mit ih­rer Nichte Ma­rion Ma­rechal-Le Pen an die Macht kom­men sollte, dann kön­nen wir das Kreuz an­zie­hen. Sie ist durch und durch ger­ma­no­phob.

Sie hasst al­les, was deutsch ist. Deutsch-fran­zö­si­sche Freund­schaft ade. Man spürt das be­reits. Ich kriege es im­mer nur am Rande mit, wenn ich in Frank­reich bin, aber wie ge­sagt, da­ge­gen sind die AfD-ler bei uns Wai­sen­kna­ben, so­weit ich das zu be­ur­tei­len mir zu­traue.

Trotz al­lem: Nie­mals würde ein Fran­zose ob Me­lan­chon (links) oder Le Pen (rechts) der je­weils an­de­ren Seite den Dia­log ver­wei­gern. Die Fran­zo­sen kön­nen die­ses Brand­mauer- und Nazi-Ge­schrei nicht nach­voll­zie­hen.

Ge­nauso we­nig wie ich. Denn das, was die rich­ti­gen Nazi-Ver­bre­cher wa­ren, wird ja durch die­ses Dau­er­ge­schrei und „ge­gen Rechts“-Getue so re­la­ti­viert, dass mir übel wird.

Ich kenne noch die Er­zäh­lun­gen mei­ner El­tern, die 1938 erst nach Deutsch­land ka­men. Meine El­tern wa­ren die gu­ten Deut­schen. Des­halb wa­ren wir auch gleich nach dem Krieg, so um 1952 rum, schon in Frank­reich, in Hol­land und in Dä­ne­mark ein­ge­la­den von Fa­mi­lien, de­nen meine Mut­ter ge­hol­fen hat.

Mein Va­ter war ja ge­zwun­ge­ner­ma­ßen im Krieg bis 1945.

Wenn jetzt Pis­to­rius und Merz un­ver­fro­ren das Wort „kriegs­tüch­tig“ im Munde füh­ren, ver­stößt das ge­gen das Grund­ge­setz und des­sen Prä­am­bel, in der steht; Das deut­sche Volk ist „von dem Wil­len be­seelt, als gleich­be­rech­tig­tes Glied in ei­nem ver­ein­ten Eu­ropa dem Frie­den der Welt zu die­nen“.

Also Bä­ren lasse ich mir we­der von rechts noch von links auf­bin­den.

Ich finde, man kann der­zeit durch­aus alle Re­stau­rants in Schorn­dorf be­su­chen, ohne sich auf diese un­säg­li­che Zwie­tracht ein­las­sen zu müs­sen.

Als alte Ver­brau­cher­schutz-Ak­ti­vis­tin habe ich mal zu „Reichs Bräu“ re­cher­chiert. Auf de­ren Home­page steht, dass der Name Reichs­bräu sich ab­lei­tet von de­ren Fa­mi­li­en­na­men Reich. Also: das Ge­bräu der Fa­mi­lie Reich.

Da es sich um ein al­tes frän­ki­sches Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men han­delt, ha­ben die da­mals die Na­tio­nal­far­ben in ihr Fir­men­logo ge­setzt, bis heute.

Wenn man jetzt – wie bei uns kürz­lich – be­reits die Na­tio­nal­flagge ver­bie­tet, dann kann man auch die Wör­ter Na­tio­nal­hymne, Na­tio­nal­mann­schaft bis hin zu dem Wort „na­tio­nal“ und „deutsch“ ver­bie­ten. Weil, das könnte mal rechts­ra­di­kal kon­no­tiert wer­den.

Diese Hys­te­rie er­in­nert an die Pseudo-Po­grome der Mc­Car­thy Ära in den USA, wo je­der, der nicht drei­mal in der Wo­che zur Kir­che ging, ein Kom­mu­nist war.

Wir hat­ten ei­nen rich­ti­gen Nazi-Kanz­ler: Kie­sin­ger, dem Beate Klars­feld – ich kenne sie von Pa­ris – eine Ohr­feige ge­setzt hat. Bravo!

Auch Fil­bin­ger war ein Nazi und hat noch 1945 To­des­ur­teile un­ter­zeich­net. Er war Mi­nis­ter­prä­si­dent von Ba­den-Würt­tem­berg.

Ich werde mich die­ser Hys­te­rie nicht an­schlie­ßen und rede mit je­dem an­stän­di­gen Bür­ger, so­lange der oder die un­se­ren Staat nicht ab­schaf­fen will.

Ich bin auch nur eine nor­male Bür­ge­rin mei­nes Lan­des.“

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