Kommentar«
Oberbürgermeister Hornikel hat sich öffentlich zu den Koalitionsverhandlungen in Stuttgart geäußert. Per Pressemitteilung informiert er, die künftige Landesregierung ermahnt zu haben: „Wer Aufgaben ausweitet, muss auch die Finanzierung sauber regeln.“
Wörtlich: „Die Stadt Schorndorf erwartet deshalb, dass die kommunale Handlungsfähigkeit in den Koalitionsverhandlungen nicht als Randthema behandelt wird.“
Konkret würde „das geplante kostenfreie und verbindliche letzte Kindergartenjahr“ – wenngleich ein „politisch gut klingendes Vorhaben“ – in der Umsetzung vor Ort „zur strukturellen Belastung“. Denn das Sondierungspapier benenne zwar das Ziel, „nicht aber den vollständigen Kostenausgleich“.
Es ist löblich, dass sich Hornikel für Schorndorf einsetzt. Er spricht vielen aus dem Herzen, wenn er kritisiert, dass Regierungsmitglieder meist nur „warme Worte“ für die Bevölkerung haben, und diese „allgemeinen Absichtserklärungen“ nichts nützen, wenn „belastbare Regeln“ fehlen.
Noch überzeugender wäre diese Kritik freilich, wenn sie von einem Oberbürgermeister kommt, der sich selbst nach diesem Grundsatz richtet und mit entsprechendem Beispiel vorangeht.
Diesbezüglich bestehen freilich Zweifel. Nicht nur, weil Hornikel sich im Wahlkampf dezidiert gegen Prestigebauten ausgesprochen hat, und – kaum im Amt – die teure neue Bücherei auf den Weg gebracht hat.
Nicht nur, weil er vollmundig erklärte, dass „Kinder unsere Zukunft“ sind – aber sich seit vier Jahren keineswegs für ein kostenfreies Kindergartenjahr eingesetzt hat.
Sondern auch, weil er in seinen Reden wiederholt betonte, der „Oberbürgermeister für alle“ sein zu wollen. Denn aktuell ist er es unübersehbar nur für diejenigen, die von weniger Autos und mehr Plätzen mit „Aufenthaltsqualität“ in der Innenstadt träumen.
Die berechtigten Interessen älterer Menschen, die das Seniorenforums in Hinblick auf Parkplätze auf dem Spitalhof vorbrachte, hat er ebenso ignoriert, wie die Tatsache, dass der Innenstadthandel auf solche Plätze angewiesen ist.
Gerade in Zeiten, wo das Internet zur Konkurrenz wurde, dürfen den Geschäften dort nicht zusätzliche Steine in den Weg gelegt werden. Denn sonst ist die Innenstadt bald tot.
Wer selbst seine Hausaufgaben (noch) nicht gemacht hat, sollte besonders achtsam sein mit dem, was er sagt. Sonst könnte der Eindruck entstehen, dass er mit seiner Kritik an den Stuttgarter Politikern einfach nur Tatkraft simuliert oder im schlimmsten Fall von eigenen Mängeln ablenken möchte.
Denn wie heißt es so treffend: „Wenn du mit dem Finger auf jemanden zeigst, zeigen immer drei Finger auf dich selbst.“

