Mit 20 Ja-Stimmen hat der Gemeinderat am Donnerstag den Umzug des Stadtmuseums aus der ehemaligen Lateinschule am Kirchplatz in das frühere Kaufhaus Frech am Busbahnhof beschlossen – mithin eine Halbierung der Ausstellungsfläche. Eröffnungstermin: frühestens 2029.
Geschlossen für diesen Plan stimmten die Fraktionen von AfD, SPD und FDP/FW – letztere laut deren Vorsitzendem Junginger ausdrücklich obwohl „die Stadt weder das Geld für die Miete noch für den Umzug hat“.
Gegen den Plan votierten 8 Ratsmitglieder: von den Grünen Friederike Köstlin, Joe Saling, Kathrin Hübner und Tobias Schmid sowie von der CDU Klaus Dobler, Thorsten Leiter, Matthias Müller-Eißfeldt und Ingo Sombrutzki. Grünen-Rätin Simone Höfer enthielt sich.
Vor Beginn der Debatte hatte Gudrun Friedrich auf das „große Interesse“ hingewiesen, das die Bürgerschaft am Beibehalten des bisherigen Museumsstandorts hat: An nur 2 Samstag-Vormittagen habe die „Arbeitsgemeinschaft Schorndorfer Weiber“ mit dem Heimatverein zusammen dafür 555 Unterschriften gesammelt.
Entsprechend viele ZuhörerInnen wohnten der Sitzung bei: rund 60 an der Zahl. So dass OB Hornikel sich veranlasst sah, diejenigen, die keinen Sitzplatz bekommen hatten, zu bitten, sich ins Foyer zu begeben, wo die Sitzung übertragen wurde, da er die Menschenansammlung als „sehr unübersichtlich“ empfinde.
Diese spendete spontan Applaus, als die Grünen-Fraktionsvorsitzende Köstlin sagte: „Ich sehe nicht die Notwendigkeit, die Sache heute zu entscheiden.“ Sie rügte den „Wahnsinnsdruck“, den die Rathausspitze in dieser Sache an den Tag lege.
Sie forderte, dass erst die Haushaltsberatungen abgewartet werden sollten, bevor ein Beschluss zum Museum fällt, damit man nicht „sehenden Auges in eine Situation kommt, wo wir in drei Jahren sagen: Das können wir nicht halten.“
„Alle, die ihr hier Applaus gebt, müsst euch das nochmal überlegen“, monierte daraufhin Hornikel das Publikum, weil seiner Ansicht der Grünen-Antrag auf Vertagung „ein Museum in Schorndorf ganz in Frage“ stelle. Mit lautem „Nein“ widersprach die Menge.
Hornikel widersprach der Grünen-Fraktionsvorsitzenden mit den Worten: „Ich muss die Entscheidung heute nicht treffen, ich will die Entscheidung heute treffen.“
Tobias Schmid verwies darauf, dass die Sanierung des Museumsgebäudes schon im Jahr 2020 beschlossen, aber nicht durchgezogen worden sei. Er könne es nicht vertreten, jährlich 200.000 Euro Miete am Busbahnhof auszugeben, während man bei Sozialem und Klimaschutz Ausgaben streiche.
Außerdem gab er zu bedenken, dass ein Wegzug des Museums die Weststadt schwäche. Eher wäre er daher bereit, auf die Forscherfabrik zu verzichten.
Sein Fraktionskollege Joe Saling befand, dass der „Entscheidungsfindungsprozess falsch aufgezogen“ worden sei. Man hätte zuerst die Bürgerschaft fragen müssen. Stattdessen „wurde uns ein komplett fertiges Konzept vorgelegt“. Dass sich daraufhin Widerstand regt, sei somit vorprogrammiert gewesen.
Applaus bekam auch CDU-Rat Thorsten Leiter für seine Aussage „Wir haben schlicht nicht das Geld dafür“, und dass er den Beschluss nicht mittragen könne.
Dirk Braune, der Geschäftsführer der „Kreisbau“, die das „Karlsquartier“ am Busbahnhof „entwickeln“ möchte, berichtete von vielen „spannenden“ Projekten, die er bereits in Schorndorf realisiert habe, wie etwa das Schülerwohnheim nebst Fahrradparkhaus an der Gewerbeschule.
Er betonte, die „Kreisbau“ sei „nicht angewiesen auf die Stadt“ als Mieter von Räumen, die nur 8 Prozent der Gesamtfläche ausmachten. Doch sei der geplante Neubau „das Gesicht der Stadt“ für diejenigen, die sie vom Bahnhof her betreten.
Er bekräftigte, „dass wir da selbstverständlich der Stadt Räume zur Verfügung stellen“, und das Museum als Mieter „würde uns natürlich gefallen“, da es „das Projekt bereichern“ würde.
Man habe bereits zusätzliche Bedenkzeit gegeben, nachdem der Deal im Dezember nicht zustande gekommen war. „So viel Luft haben wir“, erklärte er, jedoch: „Das hat aber langsam sein Ende“. Es gebe „viele Nutzer“, die „wissen wollen, wie wir sie figurieren“.
„Wir haben nicht gedrängelt“, aber „jetzt möchte ich, dass Sie sich entscheiden.“
Dass viele BürgerInnen der Sitzung beiwohnten, bewertete Braune als gut. Gleichzeitig erinnerte er die Stadträtinnen: „Sie sind deren legitimierte Vertreter“. Sie sollten und dürften nach ihrer eigenen Einschätzung entscheiden, ohne Furcht vor unliebsamen Reaktionen: „Sie halten das aus“.
Bezüglich eines finanziellen Entgegenkommens konnte er „nicht so viele Hoffnungen machen“, weder im Hinblick auf die Küche, die in der Ausstattung der neuen Räumen nicht enthalten sei, noch hinsichtlich der Laufzeit des Mietvertrags, die manche im Gemeinderat von 15 auf 10 Jahre verkürzt sehen wollten.
Es sei alles sehr knapp kalkuliert, und der größte Kostenfaktur seien „die zwei Tiefgaragen, die nicht so supergünstig werden“.

