Kommentar«
Bernd Hornikel hat vor zwei Woche eine zirkusreife Vorstellung abgeliefert. Beim Informationsabend zur Zukunft des Stadtmuseums trat er in Personalunion als Akrobat, Zauberer und Dompteur auf, flankiert vom klassischen „dummen August“.
Während sein Vorgänger im Amt des Oberbürgermeisters uns ständig eingebläut hat, dass der Bau der neuen Leihbücherei eine „Pflichtaufgabe“ sei, weil es da um Bildung gehe, fabrizierte Hornikel den perfekten Salto rückwärts, indem er schlankweg erklärte: „Das Museum ist 100 Prozent freiwillig“.
Man fragt sich freilich, was denn die Präsentation von Geschichte und Kulturtechniken im Museum anderes sein soll als Bildung.
Beeindruckend waren auch Hornikels Zaubertricks mit den städtischen Finanzen. Bei sogenannten Illusionskünstlern muss man immer auf die andere Hand achten. Sie lenken uns mit irgendwelchen Gesten der rechten Hand ab, während sie mit der linken das Ei aus der Tasche ziehen.
Diese Kunststückchen beherrscht Hornikel perfekt: Während er mehrfach stöhnt, er müsse bis Juli 6 Millionen Euro im Stadt-Haushalt einsparen und dass er absolut kein Geld habe, zieht er plötzlich – Hokuspokus! – aus seiner anderen Tasche mal eben 850.000 Euro für eine neue Ausstellung am Karlsplatz.
Die schwäbische Hausfrau und der Kaufmann, der rechnen kann, würden sagen: Zusammen mit den 160.000 Euro für die Jahresmiete dort macht das 1,1 Millionen Euro.
Das ist schon ein Drittel der ursprünglich veranschlagten Sanierungskosten. Da geben wir diese Summe doch besser dafür aus!
Wie der Dompteur im Zirkus seinem Tiger an Stelle der weiten Savanne nur zwei Hocker in der Mange bietet, samt Reifen, durch den er springen darf, hat Hornikel offenbar auch die Museumsleiterin Andrea Bergler „gezähmt“.
Ihre Ausstellung soll am neuen Standort auf die Hälfte schrumpfen und sie verkündet das tapfer lächelnd als Verbesserung.
Wir wissen, dass der „dumme August“ im Zirkus nicht wirklich dumm ist, sondern nur so tut. Dessen Rolle hatte beim Info-Abend Gebäudemanager Klaus Konz übernommen, der mit treudoofem Augenaufschlag versicherte, dass man für die Sanierung des Museums nicht auf Fördergelder setzen dürfe, weil diese „nur ein Tropfen auf den heißen Stein“ seien.
Und dies, obwohl Bürgermeister Englert doch keine Gelegenheit auslässt, uns zu erklären, dass es just solche Fördergelder sind, mit denen sage und schreibe über die Hälfte der Kosten für die neue Bücherei finanziert werden.
Die derzeit beklagte „Delegitimierung“ des Staates geschieht keineswegs von außen. Nicht durch jene, die kritisieren, dass politische Akteure uns beständig hinters Licht führen.
Nicht durch jene, die darauf hinweisen, dass man im Rathaus die eigenen Lieblingsprojekte im Preis immer ganz niedrig ansetzt, während man alles, was zwar die Bevölkerung will, aber man selbst nicht, mit überteuerten Kosten beziffert.
Bei der Baumschutzordnung haben wir das ebenso erlebt, wie jetzt bei den Sanierungskosten des Museumsgebäudes.
Die Wahrheit ist leider: Nicht diejenigen, die das Fehlverhalten in Rathäusern und Parlamenten benennen, sorgen für die „Delegitimierung“ des Staates.
Das besorgen die Haupt-Akteure dort schon ganz von selbst.

